1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Fußballer Tobias Rau: Erst Königsklasse, dann Hörsaal

Erstellt:

Von: Maximilian Bülau

Kommentare

Früher Profi-Fußballer, heute Lehrer: Tobias Rau spielte für Bayern München und die Nationalmannschaft. Mit 27 beendete er seine Karriere. Heute unterrichtet er an der Gesamtschule in Borgholzhausen in Nordrhein-Westfalen.
Früher Profi-Fußballer, heute Lehrer: Tobias Rau spielte für Bayern München und die Nationalmannschaft. Mit 27 beendete er seine Karriere. Heute unterrichtet er an der Gesamtschule in Borgholzhausen in Nordrhein-Westfalen. © Christian Hedler

Wir warten eine Dreiviertelstunde im Foyer des Hotel La Strada. Wir warten auf Tobias Rau. Okay, er ist Ex-Nationalspieler und stand mal beim FC Bayern München unter Vertrag. Da ist das dann eben so.

Gehört wohl dazu. Dass wir warten, ist aber nicht die Schuld des heute 37-Jährigen. Der Ex-Spieler war Teil des Fußball-Amateurkongresses, der am Wochenende in Kassel stattfand. Und weil die Veranstaltung in Verzug war, mussten auch wir ausharren, um ihn zu sprechen.

Es zeigt sich: Rau ist auch kein bisschen der Typ, der einen warten lassen würde. Auf der Bühne berichtet Rau über die Auswirkungen seines Engagements beim TV Neuenkirchen. Er diente als Zugpferd des Klubs aus der fünften Liga in Nordrhein-Westfalen, sorgte für Entwicklung und Mitgliederzuwachs. Er spielte dort noch im besten Fußballer-Alter mit 28 Jahren. Weil er seine Karriere als Profi bereits mit 27 beendete.

Darauf angesprochen, erklärt Rau: „Ein wichtiger Grund waren die Verletzungen. Ich habe mich immer und immer wieder rangekämpft. Irgendwann war das Feuer weg.“ Ob der Schritt des Wechsels vom VfL Wolfsburg zu Bayern München im Jahr 2003 falsch war? „Nein, das war einer der wichtigsten in meiner Karriere, und ich würde das immer wieder so machen. Nach einem Jahr wurde ich zu Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge ins Büro gerufen. Sie haben mir gesagt, dass sie auf meiner Position des Linksverteidigers keinen Spieler verpflichten werden – haben mir also das Vertrauen ausgesprochen. Aus verschiedenen Gründen hat es trotzdem nicht funktioniert.“

Über Arminia Bielefeld führte Rau der Weg ans Karriereende. Ans Ende seiner ersten. Und zum Beginn der zweiten. Denn im Anschluss an die Profi-Laufbahn begann der Abwehrspieler ein Lehramtsstudium. Fächer: Sport – natürlich – und Biologie. „Ich hatte immer im Hinterkopf, dass ich irgendwann Lehrer werden möchte. Das war der richtige Zeitpunkt“, sagt er. Dass sein ehemaliger Trainer Ottmar Hitzfeld einst denselben Job ausübte, habe ihn bei dieser Entscheidung nicht beeinflusst. „Ich hatte selbst eine gute Schule und gute Lehrer. Das war eher der Grund“, sagt Rau.

Aus dem Millionengeschäft Fußball also in den Hörsaal. Wie war das so? „Man kommt aus einer Scheinwelt ins reale Leben. Vielen fällt das sicher schwer, mir ist das nie schwergefallen.“ Nach Champions League und Meisterfeier auf dem Münchner Rathausbalkon also Student – was für einer denn? „Ich war in keiner Weise extrem. Ich habe mich nicht hingesetzt und nur gelernt. Ich war aber auch nicht bei jeder Party der Letzte. Aber bei Partys war ich schon dabei.“ Das habe er auch genossen, schließlich sei er seit der U15 im Leistungssystem des Fußballs gewesen, in dem man auch auf Vieles verzichten muss, sagt der 37-Jährige.

Natürlich sei er damals aber auch von vielen erkannt worden und habe kein ganz normales Studentenleben gehabt. „Ich wurde ja auch kontinuierlich von den Medien begleitet“, sagt er. Fragen von Kommilitonen habe er trotzdem gern beantwortet.

Nun stellt er selbst die Fragen – und zwar an der Gesamtschule in Borgholzhausen in Nordrhein-Westfalen. Die Schüler dort haben ihn selbst nie spielen sehen, seine Geschichte habe sich dennoch wie ein Lauffeuer verbreitet, sagt Rau. Und natürlich muss er auch da berichten, wie das alles so war. „Wir legen dafür Zeiten fest, oder ich mache das in der Pause“, sagt der Ex-Profi. Interessiert sind die Schüler vor allem an Geschichten zu Hoeneß oder Olli Kahn. „Da gibt es viele schöne Anekdoten, nichts Heikles.“ Uns erzählt er keine, die Zeit drängt. Da ist er streng. Als Lehrer sei er das nur in Notfällen.

Lesen Sie auch: Tobias Rau wird Aufsichtsrat bei Eintracht Braunschweig

Auch interessant

Kommentare