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Trainer, ich bin dann mal weg: Modeste und das Problem des langen Transferzeitraums

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Von: Maximilian Bülau

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Anthony Modeste (links) und Steffen Baumgart.
Nicht mehr gemeinsam, sondern bald gegeneinander: Anthony Modeste (links) und Steffen Baumgart. © Imago/Lacy Perenyi

Wer den Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln in den vergangenen Jahren nicht nur in den Stadien, sondern auch im Internet verfolgt hat, dem ist Folgendes nicht entgangen: Der Klub hat eine der besten Abteilungen der Liga – was die Vermarktung im Netz angeht.

Bereits vor fünf Jahren, als die Kölner unter Trainer Peter Stöger fast sensationell den Europapokal erreichten, begeisterten die Fußballer nach der Saison durch einen sehr unterhaltsamen Rückblick. Auch in diesem Sommer gab es den Einzug in die Conference League zu feiern. Die gute Laune war im mehr als 15-minütigen Saisonrückblicks-Video bei den Beteiligten zu sehen.

Angreifer Anthony Modeste war mit seinen Toren – damals wie heute – maßgeblich an den Erfolgen beteiligt. 2017 standen 25 Treffer in der Liste, nach der abgelaufenen Spielzeit waren es 20. Vor fünf Jahren wechselte der Franzose trotz des Erfolgs nach China zu Tianjin Tianhai mit der Aussicht auf einen dicken Gehaltsscheck. Glücklich wurde der mittlerweile 34-Jährige im fernen Osten nie. Er kehrte zum Effzeh zurück.

Modeste nimmt in den besagten Video-Saisonrückblicken die Rolle eines Taxifahrers ein. Im aktuellen sagt er unter anderem, dieser Franzose – er selbst ist gemeint – sei gefühlt nur im Kreis gefahren, viele hätten nicht gedacht, dass er noch mal treffe. Es kam anders.

Doch Taxifahrer Modeste nimmt nun selbst das Taxi. Richtung Dortmund. Beim BVB soll er den an Krebs erkrankten Sébastien Haller ersetzen. Fünf Millionen Euro überweisen die Dortmunder dem Vernehmen nach Richtung Köln. Zudem spart der Effzeh 3,5 Millionen Euro Gehalt – ein nicht unwichtiger Punkt, die Kölner sind finanziell erheblich angeschlagen. Modeste erhält beim BVB einen Einjahresvertrag, in Köln wäre das Arbeitspapier 2023 ausgelaufen.

Nun ergeben sich aus dem kurzfristigen Wechsel des Topstürmers aus der Domstadt mehrere Punkte, die der Außenstehende durchaus kritisch betrachten kann. Zunächst einmal ist da die emotionale Seite. Modeste ist in Köln groß rausgekommen, hat sich wohlgefühlt, dort seine besten Leistungen gebracht. Und dennoch kokettiert er nach den stärksten Jahren mit dem Abschied – und verabschiedet sich auch. Als Fan fragt man sich da wohl: Mensch, merkt der es nicht? Warum bleibt ein Fußballer nicht auch einfach mal da, wo es ihm gefällt? Warum wollen alle immer mehr? Vor allem eben mehr Geld.

Die andere Seite ist die sportliche. Die Kölner verlieren nach dem Start der Saison einen ihrer wichtigsten Spieler. Das ist nur möglich, weil das Transferfenster noch bis zum 31. August geöffnet ist. Erst am 5. Spieltag stehen die endgültigen Kader der Teams fest. Kritik an dieser Möglichkeit gibt es schon lange. Immer wieder wird ins Spiel gebracht, dass Transferzeiträume auch mit dem Beginn der Spielzeit enden sollten. Die Gegenargumente befassen sich mit den unterschiedlichen Startzeiten der europäischen Ligen.

Köln muss nun jedenfalls nachbessern. Im Gespräch sind Joel Pohjanpalo (Leverkusen) und Branimir Hrgota (Fürth). Letzterer ist Kapitän des Zweitligisten. Und auch die Fürther müssten einen Nachfolger verpflichten. Vielleicht aus der zweiten, vielleicht aus der dritten Liga. Die Kette geht weiter. (Maximilian Bülau)

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