Nach monatelangen Querelen

Trennung mit Ansage: Aus für Tuchel beim BVB

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Thomas Tuchel verabschiedet sich mit dem Pokalsieg 2017 aus Dortmund.

Borussia Dortmund hat das leidige Intrigenspiel um Thomas Tuchel nach monatelangen Querelen beendet. Der Trainer selbst bestätigte am Dienstag über einen kurz zuvor angelegten Twitter-Account einen Bericht der Bild-Zeitung über die Trennung.

Dortmund - Borussia Dortmund hat das leidige Intrigenspiel um Thomas Tuchel nach monatelangen Querelen beendet. Die vorzeitige Vertragsauflösung nach zwei sportlich erfolgreichen Jahren bestätigte der DFB-Pokalsieger am Dienstag nach einer kurzen Saisonanalyse.

"Wir bedanken uns bei Thomas Tuchel und seinem Trainerstab für die sportlich erfolgreiche Arbeit beim BVB, die am vergangenen Samstag im DFB-Pokal-Sieg in Berlin gegen Eintracht Frankfurt ihren verdienten Höhepunkt fand", hieß es in der Pressemitteilung. "Für seine berufliche Zukunft wünschen wir Thomas Tuchel nur das Allerbeste."

Die Trennung lässt sich der BVB geschätzte 2,5 Millionen Euro Abfindung kosten. Angeblich steht Lucien Favre von OGC Nizza als Nachfolger bereit (alles zur Nachfolgediskussion finden Sie hier).

BVB trennt sich von Tuchel: Das sind die Gründe

Der BVB betonte, er lege "großen Wert auf die Feststellung, dass es sich bei der Ursache der Trennung keinesfalls um eine Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Personen handelt". Das Wohl des Vereins werde grundsätzlich "immer wichtiger sein als Einzelpersonen und mögliche Differenzen zwischen diesen".

Tuchel verpasste seinem bisherigen Arbeitgeber einen letzten Schlag. Der Trainer selbst äußerte sich am Dienstag über einen kurz zuvor angelegten Twitter-Account und kam dem BVB damit zuvor. "Ich bin dankbar für zwei schöne, ereignisreiche und aufregende Jahre. Schade, dass es nicht weitergeht", schrieb Tuchel. "Danke an die Fans, an die Mannschaft, an den Staff und an alle, die uns unterstützt haben. Ich wünsche dem BVB alles Gute."

Der mächtige Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte mit seinem brisanten Interview ("Klarer Dissens") vor dem enorm wichtigen Spiel gegen 1899 Hoffenheim am 6. Mai den letzten Anstoß gegeben. Beide Seiten haben seitdem auf jede erdenkliche Weise versucht, ihre Deutung des tiefen internen Zerwürfnisses zu platzieren - und sie damit öffentlich als Wahrheit zu verankern. Über Berater, lancierte Interviews oder bewusst gestreute Hintergründe.

Vieles bleibt allerdings auch jetzt unklar. War der Trainer intern derart unerträglich? Lügt er gar, wie Watzke andeutete? Oder liegt die Wahrheit ganz woanders? Konnte Watzke es schlicht nicht ertragen, wie glänzend Tuchel menschlich nach dem Bomben-Attentat vom 11. April dastand? War das Verhältnis zur Mannschaft irreparabel beschädigt? Die Reaktionen auf die Ausbootung von Nuri Sahin für das Pokalfinale am Samstag wies klar darauf hin.

Bester Punkteschnitt der Vereinsgeschichte

Es ist die Scheidung einer Ehe, die das Potenzial zur Traumbeziehung gehabt hätte. Tuchel verlässt den BVB als Pokalsieger, er führte die Mannschaft direkt in die Champions League, sein Punkteschnitt (2,12 inklusive DFB-Pokal/Europapokal) ist der beste der Vereinsgeschichte. Er hat in zwei Jahren kein Liga-Heimspiel verloren. Sportliche Gründe für eine Trennung existieren nicht.

Doch: Es geht eben auch um das Menschliche. Der 43-Jährige hat sich - wie schon 2014 beim FSV Mainz 05 - zum zweiten Mal innerhalb des Vereins derart isoliert, dass die Trennung als einziger Ausweg blieb. Eine Fortsetzung wäre wohl ein Tanz am Rande des Vulkans gewesen.

Tuchel, ein versessener Detailfresser mit unverrückbaren Vorstellungen, ist in Dortmund fast überall angeeckt. Dem BVB wunde das zu viel. Präsident Reinhard Rauball und Sportdirektor Michael Zorc stellten sich demonstrativ an Watzkes Seite.

Tuchel dürfte dennoch keine Probleme haben, einen neuen Verein zu finden. Im Frühjahr war halb Europa verliebt in den jungen, stürmischen, phasenweise berauschenden BVB-Stil. Aus der Bundesliga soll Bayer Leverkusen lebhaft Interesse zeigen.

Für den BVB stellt sich die Frage, ob Favre (59) der richtige Nachfolger ist. Der Schweizer war bisher überall erfolgreich, das spricht eindeutig für ihn. Er gilt aber auch als eigenbrötlerisch.

sid

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