Erstes WM-Aus seit 20 Jahren droht

Ultimatives Endspiel für Ribéry & Co.

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Franck Ribéry (r.) und die Franzosen müssen um das WM-Ticket zittern.

Paris - Die Verzweiflung bei Frankreichs Fußballfans steigt. Nach der bitteren 0:2-Hinspielpleite in der Ukraine braucht Franck Ribérys Team schon mehr als einen Kraftakt für eine Wende.

Bei ihrem verzweifelten Kampf um die WM-Teilnahme haben die Franzosen inzwischen sogar das Vertrauen in Franck Ribéry verloren. Vor dem entscheidenden Playoff-Rückspiel an diesem Dienstag (21.00 Uhr) sind die Zweifel an einer Wende enorm - der spielerischen Klasse des Bayern-Stars zum Trotz. Seit Tagen überbieten sich Trainer Didier Deschamps & Co. nach dem 0:2-Desaster gegen die Ukraine im Hinspiel mit martialischen Kampfansagen; längst herrsche die „Wut der Verzweiflung“, erkannte die Sportzeitung „L'Équipe“ am Montag.

„Keiner von uns zieht die Möglichkeit in Erwägung, dass wir nicht nach Brasilien fahren. Wir werden Siegeswut haben“, verkündete Spielmacher Mathieu Valbuena, der in Frankreichs Medienlandschaft innerhalb kürzester Zeit zum letzten verbliebenen Hoffnungsträger aufgestiegen ist. Im Hinspiel war der 29-Jährige noch überraschend auf die Bank verbannt und erst spät eingewechselt worden. Doch weil beim Offenbarungseid in Kiew neben Bayern-Star Ribéry auch Spielmacher Samir Nasri bitter enttäuschte, dürfte Deschamps jetzt wieder auf den Filigrantechniker von Olympique Marseille vertrauen.

„Ich werde Entscheidungen treffen müssen, ich werde jene einsetzen, die meiner Meinung nach die Geeignetsten für das Spiel sind, das wir werden liefern müssen“, kündigte Deschamps an. Kreativkopf Ribéry hat seinen Platz in der Startelf sicher - und wird alles versuchen, um seinen Weltfußballer-Titel nicht durch eine verpasste Qualifikation für die WM in Brasilien zu gefährden. Der 30-Jährige gilt bei der Wahl im Januar als ausgemachter Topkandidat.

WM 2014: Diese Teams haben bereits ein Ticket für Brasilien

Diese 32 Teams sind bei der WM dabei

Neymar
Die WM 2014 in Brasilien rückt immer näher. Verschaffen Sie sich hier einen Überblick, welche Teams dabei sind:Der Gastgeber Brasilien mit Superstar Neymar ist gesetzt und musste keine Qualifikation spielen. © dpa
Andrea Pirlo
Aus Europa hat sich Italien, der Weltmeister von 2006, qualifiziert. Andrea Pirlo ist der Schlüsselspieler der Südeuropäer. © dpa
Arjen Robben
Die Niederlande verloren 2010 des WM-Endspiel gegen Spanien. Der Vize-Weltmeister mit Bayerns Superstar Arjen Robben hat 2014 die Chance auf Revanche. © AFP
van Buyten
Zum ersten Mal seit 2002 ist Belgien wieder für eine WM-Endrunde qualifiziert. Daniel van Buyten (M.) und seine Team-Kollegen feierten diesen Triumph ausgelassen. © dpa
Ottmar Hitzfeld
Ottmar Hitzfeld führte die Schweiz zum Gruppensieg. Somit fahren die Eidgenossen zum dritten Mal in Folge zu einer WM-Endrunde. © dpa
Lahm
Philipp Lahm wird auch in Brasilien die deutsche Nationalmannschaft als Kapitän aufs Feld führen. © dpa
Edin Dzeko
Zum ersten Mal dabei bei einer WM ist Bosnien-Herzegowina. Einen großen Anteil daran hatte Edin Dzeko von Manchester City, mit zehn Toren in der Qualifikation. © AFP
Fabio Capello
Der italienische Erfolgstrainer Fabio Capello führte Russland zur WM. © AFP
Rooney
Auch die Engländer um Wayne Rooney sind in Brasilien dabei. In einer spannenden Qualifikation setzte man sich am Ende gegen die Ukraine durch und vermied so die Play-Offs. © AFP
Xavi
Weltmeister Spanien gab sich in der Quali keine Blöße. Ob die Iberer um Xavi den Titel verteidigen können? © AFP
Messi
Der aktuell beste Fußballer der Welt wird bei der Endrunde 2014 nicht fehlen. Messi sicherte sich mit Argentinien in der Südamerika-Gruppe ein Ticket für Brasilien. © AFP
Falcao
Kolumbiens Superstar Falcao feiert den Einzug seiner Nationalmannschaft in die WM-Endrunde. © AFP
Arturo Vidal
Der Ex-Leverkusener Arturo Vidal ist mit Chile für die WM qualifiziert. © AFP
Antonio Valencia
Antonio Valencia von Manchester United sicherte sich mit Ecuador das letzte Direkt-Ticket in der Südamerika-Gruppe. © AFP
Son
Südkorea, der Gastgeber von 2002, ist auch dabei. Somit auch Leverkusens Stürmer Heung-Min Son. © dpa
Kagawa
Japans Nationalteam um Shinji Kagawa qualifizierte sich ebenfalls. © AFP
Robbie Kruse
Australien mit Robbie Kruse von Bayer Leverkusen freut sich auf die Endrunde in Brasilien. © dpa
Dejagah
Ashkan Dejagah spielt inzwischen für den FC Fulham. In der WM-Quali konnte er sich mit dem Iran durchsetzen. © AFP
Klinsmann
Mit Deutschland wurde Jürgen Klinsmann 2006 WM-Dritter. In Brasilien beweist sich "Klinsi" mit den USA. © dpa
Bryan Ruiz
In der Nord- und Mittelamerika-Gruppe sicherten sich außerdem Costa Rica um Kapitän Bryan Ruiz und ... © AFP
Honduras
...Honduras die direkten WM-Tickets.Somit sind 21 von 32 Tickets für die WM in Brasilien vergeben. Die verbliebenen Plätze werden in den Play-Offs im November ausgespielt. © AFP
Auch die Super Eagles aus Nigeria sind dabei. Mit einem 2:0-Sieg gegen Äthiopien qualifizierte sich die Mannschaft zum fünften Mal für eine WM-Endrunde. © dpa (Archivbild)
Didier Drogba
Die Elfenbeinküste setzte sich in den Playoffs gegen Äthiopien durch und ist bei der WM am Zuckerhut als zweites afrikanisches Team vertreten. Im Bild: Stürmerstar Didier Drogba. © AFP
Samuel Eto'o
Kamerun mit dem ehemaligen Freiburg-Trainer Volker Finke hat sich inzwischen auch qualifiziert. Trotz einiger Eskapaden von Superstar Samuel Eto'o im Vorfeld, setzte sich die Mannschaft im Playoff-Rückspiel mit 4:1 gegen Tunesien durch (Hinspiel: 0:0) und löste das Ticket zum Zuckerhut. © AFP
Ghana setzte sich im Playoff-Duell gegen Ägypten durch. Kevin-Prince Boateng und Co. schafften damit zum dritten Mal in Serie die WM-Teilnahme. © AFP
Algerien hat sich als  fünfte und letzte afrikanische Mannschaft für die WM in Brasilien qualifiziert. Die  Nordafrikaner setzten sich gegen Burkina Faso durch. © dpa
Griechenland macht seine dritte WM-Teilnahme durch einen Erfolg im Playoff-Duell gegen Rumänen klar. © dpa
Die Kroaten setzen sich gegen Island durch - Bayerns Mario Mandzukic (l.) triff zunächst, fliegt dann aber mit Rot vom Platz. © AFP
Cristiano Ronaldo erzielte im Duell gegen Schweden alle Tore für Portugal - die Iberer fahren nach Brasilien, Schwedens Superstar Zlatan Ibrahimovic wird kommenden Sommer nur Zuschauer sein. © dpa
Mit einem klaren 3:0-Sieg im Rückspiel gegen die Ukraine setzten sich die Franzosen um Franck Ribéry im Kampf um das WM-Ticket durch. © AFP
Mexiko (hier im grünen Trikot Oribe Peralta) ist mit dabei. © AFP
Uruguay mit Luis Suarez sicherte sich das 32. WM-Ticket. © dpa

Doch nach dem Triplesieg mit dem FC Bayern im Frühjahr könnte Ribéry jetzt auch als Teil einer gepeinigten Nationalmannschaft in Frankreichs Fußballgeschichte eingehen: Wenn im Stade de France kein Triumph mit mindestens drei Toren Unterschied gelingt, werden die „Bleus“ erstmals seit 20 Jahren eine WM-Endrunde verpassen. Entsprechend intensiv haben sie im nationalen Trainingszentrum Clairefontaine an ihrem Plan zur Last-Minute-Rettung gebastelt. An fehlendem Einsatz werde die WM-Teilnahme jedenfalls nicht scheitern, versicherte Valbuena wortgewaltig. „Auch ich werde mit Wut im Bauch spielen. Das ist das wichtigste Spiel meiner Karriere, wir alle denken so“, schilderte er. Der nur 1,67 Meter kleine Mittelfeldprofi ist durchaus zu großen Leistungen imstande: In der regulären Qualifikationsrunde hatte er fünf der letzten zehn französischen Tore mit entscheidenden Pässen vorbereitet. Und überhaupt ist er der einzige Akteur, der seit Deschamps' Dienstantritt Mitte 2012 in jeder Partie spielen durfte.

Die Ukrainer erwarten große Gegenwehr. „Das Hinspiel in Kiew war pure Magie, aber in Paris brauchen wir ein zweites Wunder“, schrieb die ukrainische Zeitung „Sport Express Ukraine“ und forderte Trainer und „Zauberer“ Michail Fomenko auf, noch einmal „den Deschamps-Code zu entschlüsseln“. Bitter allerdings, dass in Innenverteidiger Alexander Kutscher (Gelb-Rot-Sperre) und Ribéry-Bewacher Artjom Fedezki (Gelb-Sperre) gleich zwei Stammspieler fehlen werden.

Dennoch: Einen 0:2-Rückstand hat in den WM-Ausscheidungsspielen noch nie ein Team wettmachen können. Die Ukrainer sind seit einem Jahr ungeschlagen und seit acht Spielen ohne Gegentor. Die jüngsten vier Auswärtsspiele gewann der EM-Co-Gastgeber von 2012 allesamt. Im Juni 2012 mussten die Osteuropäer zuletzt überhaupt mehr als einen Gegentreffer hinnehmen. Gegner war damals Frankreich, das Spiel endete 0:2. Am Dienstag würde das Verlängerung bedeuten.

dpa

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