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Und der Oscar geht an: Was beim DFB-Team preisverdächtig ist und was nicht

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Von: Maximilian Bülau

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Die Oscar-Trophäe.
Begehrte Trophäe: Den Oscar möchte jeder haben – nur wenige Schauspieler bekommen ihn. © Imago

In Los Angeles wurden gerade die Oscars verliehen. Wer einen bekommt, hat Großes geleistet. Nicht auf dem Fußballplatz, sondern vor der Kamera, dahinter oder im Schnittraum.

Im Sport ist das ähnlich. Zum Erfolg gehört neben Spielern und Trainern ein Team, das sich um viele Kleinigkeiten kümmert. Der Gewinn eines Oscars ist vergleichbar mit dem Triumph bei einer Weltmeisterschaft.

Die steht im November und Dezember in Katar an. Für die Akteure von Bundestrainer Hansi Flick hat die Einstimmungsphase begonnen. Am Samstag siegte die deutsche Nationalmannschaft 2:0 gegen Israel, heute steht ein Testspiel in Amsterdam gegen die Niederlande an (20.45 Uhr/ARD). Wir schauen, was unter Flick oscarreif ist und was noch keine goldene Statue verdient hat – auch mal mit einem Augenzwinkern.

Das ist oscarreif

Die Serie: Eine Serie mit acht Staffeln zu produzieren, die das Niveau hält – das ist eine Meisterleistung. Die Serie von Flick ist zwar ein Rekord – eine Meisterleistung aber aufgrund des Niveaus, das dafür nötig war, noch nicht. Acht Spiele, acht Siege: So liest sich die Bilanz des gar nicht mehr so neuen Bundestrainers. Sollten die deutschen Fußballer allerdings heute gegen den Erzrivalen aus dem Nachbarland mit Bondscoach Louis van Gaal Sieg Nummer neun hinzufügen, könnte die Jury schon über einen Mini-Oscar für Flick nachdenken.

Die Standards: In Sachen Standards scheiden sich die Geister. Flick galt schon in seiner Co-Trainer-Zeit unter Joachim Löw als Verfechter des Standardtrainings. Als er den DFB zwischenzeitlich verlassen hatte, wurde nicht mehr das ganz große Augenmerk auf diese Disziplin gelegt. Denn manch ein Coach sagt auch: Das wird nicht groß trainiert, die Spieler müssen Verantwortung in diesen Situationen übernehmen. Flick brachte nun jedenfalls wieder einen Standard-Experten mit. Mads Buttgereit ist der erste festangestellte Standard-Trainer beim DFB. Der 36 Jahre alte Däne arbeitete zuvor für den Verband seines Heimatlandes, holt sich Ideen aus dem Golfsport. Gegen Israel erzielte Deutschland beide Treffer nach Standards, erst nach einer Ecke, dann nach einem Freistoß. Klar ist: Für eine am Ende erfolgreiche Produktion müssen auch die Kleinigkeiten stimmen.

Die Europameister: David Raum und Nico Schlotterbeck standen gegen Israel in der Startelf, Lukas Nmecha und Debütant Anton Stach wurden eingewechselt. Nmecha holte einen Elfer raus. Zum erweiterten Kreis des DFB-Teams gehört auch Ridle Baku. Florian Wirtz und Karim Adeyemi fehlten verletzt, sitzen sonst aber mittlerweile regelmäßig zumindest in der ersten Reihe auf der Bank. Jonathan Burkhardt darf sich zudem berechtigte Hoffnungen auf eine baldige Nominierung machen. Die U21-Europameister des vergangenen Jahres sind eine Verstärkung. Flicks Nachwuchs präsentiert sich vor laufender Kamera bereits preisverdächtig.

Das ist nicht oscarreif

Die Gegner: Gut, das hatten wir bereits. Aber noch mal zum Mitlesen: Liechtenstein (2x), Armenien (2x), Island, Rumänien, Nordmazedonien (okay, die haben immerhin die Italiener rausgeworfen und uns im Hinspiel der WM-Quali besiegt) und Israel – Flicks bisherige Gegner hatten nicht die hochkarätige Besetzung, um das Siegel „oscarreif“ zu bekommen.

Die Standards: Mads Buttgereit hin oder her – ein Standard führte gegen Israel nicht zum Erfolg. Thomas Müller vergab kurz vor Schluss einen Elfmeter. Bereits sein letzter Versuch im DFB-Trikot gegen Italien im EM-Viertelfinale 2016 scheiterte. Müller war mal Mister Zuverlässig vom Punkt. Damit sich die Zuschauer nicht mehr ängstlich die Augen zuhalten müssen, wenn er anläuft, muss Buttgereit noch etwas tun.

Die schauspielerische Leistung: Schauspielerisch reicht es sicher bei keinem Nationalspieler für einen Oscar. Aber Schauspielerei hat auf dem Feld ja ohnehin nichts verloren. Schön wäre natürlich eine selbstgesungene Filmmusik für den Streifen „Deutschland – ein Wintermärchen in der Wüste“. Was dabei sicher helfen würde: der Preis für die besten Standards. Und ein treffsicherer Müller vom Punkt. (Maximilian Bülau)

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