Über den Bundesliga-Endspurt

Unser Experte Matthias Hamann: „Favre ist ein ständiger Nörgler“

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Dortmunds Trainer – aber wie lange noch? Lucien Favre. 

Kassel – Noch zwei Spieltage in der Fußball-Bundesliga. Zwei Spieltage, an denen sich nicht mehr alles, aber noch einiges entscheidet.

Zwei Spieltage, die zeigen werden, ob Schalke noch siegen kann. Wir haben mit unserem Experten Matthias Hamann über die nahe Zukunft der Bundesliga gesprochen. Über zwei Spieltage und mehr.

Abstieg

„Ich denke fast, dass es so bleibt, wie es derzeit aussieht. Bremen geht runter, Düsseldorf in die Relegation. Der Punkt, den Düsseldorf gegen Leipzig geholt hat, war überlebenswichtig. Beide Mannschaften können beide kommenden Spiele gewinnen – dann ist die Fortuna vorn. In der Relegation wird sich Düsseldorf durchsetzen. Die Zweitligisten – sei es Stuttgart, Hamburg oder Heidenheim – waren alle zu inkonstant, zu schwankend.“

Champions League

„Leverkusen hat eine gute Form und wird vor Gladbach bleiben. Dortmund ist ohnehin schon durch, bringt aber nichts mehr aufs Parkett, seitdem die Bayern Meister sind. Die befinden sich eigentlich schon im Urlaub. Leipzig trudelt irgendwie ins Ziel, wird aber das direkte Duell gegen den BVB gewinnen und am Ende auch Vizemeister. Der BVB war oft genug Zweiter. Leipzig ist noch jung und frisch, da bedeutet so eine Vizemeisterschaft etwas – auch wenn es diesen Titel nur in Deutschland gibt.“

Europa League

„Frankfurt hat zwar noch die Chance, es aber eigentlich nicht verdient. Dafür hatte die Eintracht zu viele Hochs und Tiefs in dieser Saison. Fünf gute Spiele, dann wieder vier schlechte – das reicht einfach nicht. Besser, konstanter haben es da Freiburg und Hoffenheim gemacht. Ich denke, es entscheidet sich hinter Wolfsburg zwischen diesen beiden Mannschaften. Freiburg wird gegen die Bayern heute wohl nicht hoch gewinnen – deswegen eher Hoffenheim.“

Lucien Favre

„Favre hat grundsätzlich gezeigt, dass er Mannschaften entwickeln und stabilisieren kann. Aber Dortmund kann den letzten Schritt nicht gehen. Favre ist ein ständiger Mahner und Nörgler, nicht einmal intern wird das Ziel Meisterschaft ausgegeben. Wenn der Trainer so vorsichtig ist, dann wird die mentale Stärke nicht vorgelebt. Dortmund braucht vielleicht einen, der klar sagt, wir wollen Meister werden. Etwas offensiv zu formulieren, ist mir lieber. Wenn du sagst, du willst 15. werden und wirst am Ende Zwölfter, kannst du es zwar als Erfolg verkaufen, es bringt dir aber nichts.“

Schalke 04

„Ich würde sagen, Schalke gewinnt noch ein Spiel – wenn es nach der Saison Freundschaftsspiele bestreitet. Spaß beiseite. Das ist schon ein Wahnsinn. Seit Jahren wird der Kader zusammengestrichen. Das Gehaltsniveau war mal hinter den Bayern das zweithöchste der Liga. Jetzt ist Schalke meilenweit entfernt, die Anspruchshaltung ist aber gleich geblieben: Vierter werden, maximal Sechster. Realistisch wäre es, unter die ersten Zehn kommen zu wollen. Ich glaube nicht, dass gegen Wolfsburg oder Freiburg ein Sieg herausspringt.“

Havertz und Wirtz

„Havertz sollte zu den Bayern gehen. Für Barcelona, Real oder England ist es noch zu früh. Eine spielerische Liga wie Spanien passt zu ihm. Aber er sollte erst in München reifen, zwei oder drei Jahre, auf einem Niveau, auf dem es um Titel geht. Dann kann er gestärkt ins Ausland gehen. Bislang wurden fast keine Transfers vermeldet. Es kann eine Abmachung im Hintergrund geben, dass die Bundesligateams untereinander erst einmal abwarten. Aber das kann für die Bayern nicht gelten. Sie können andere nicht verschonen, nächstes Jahr ist ein Spieler wie Havertz nicht mehr auf dem Markt. Wirtz wächst definitiv heran. In Leverkusen werden die Jungs früh einfach reingeworfen. Bei Havertz war das auch so. Das steigert natürlich schnell den Marktwert. Aber diese Spieler müssen auch die Qualität haben, sonst werden sie von den gestandenen Kollegen nicht akzeptiert. Wirtz hat die – und könnte sich ähnlich entwickeln, wie es Havertz getan hat.“

Unser Experte: 

Matthias Hamann (52) arbeitet als Scout für Bundesligist Eintracht Frankfurt. Er lebt mit Ehefrau und zwei Kindern in Kassel.

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