Aufstieg wieder in Gefahr 

Das Versagen des Hamburger SV: Das hat schon fast Methode

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Bild des Jammers: HSV-Spieler Tim Leibold kniet nach der Niederlage gegen Heidenheim auf dem Rasen. 

Es ist etwa vier, fünf Jahre her, da kursierte unter deutschen Fußballfans eine süffisante Aussage – und die hörte sich so an: Wie auch immer die Bundesliga enden wird, der Hamburger SV muss bestimmt in die Relegation.

Das war als Seitenhieb auf den Traditionsklub zu verstehen, der zweimal in Folge nachsitzen musste und gerade so den Klassenerhalt schaffte. In diesen Tagen würde sich der HSV sicherlich freuen, wenn er nachsitzen müsste.

Der große Unterschied zu damals ist nämlich, dass sich der Dino von einst in der zweiten Liga befindet und erneut drauf und dran ist, auf der Schlussgeraden zu scheitern und den Aufstieg zu verpassen – oder wenigstens die Relegation. Seit Sonntag und der 1:2-Niederlage in Heidenheim ist der direkte Aufstiegsplatz außer Reichweite gerückt. Und um auf den letzten Drücker Rang drei zu erreichen, benötigt die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking am letzten Spieltag Schützenhilfe. Hamburg hat Sandhausen zu Gast, Heidenheim spielt beim Zweitliga-Meister Bielefeld und darf dort nicht gewinnen.

So viel zu der Ausgangslage. Wer etwas genauer hinschaut, könnte überdies zu der Annahme kommen, dass die Hamburger Misere der vergangenen beiden Jahre fast schon Methode hat. In der Vorsaison sah es vier Spieltage vor Schluss so aus, als verabschiede sich der HSV nach nur einem Jahr aus der Zweitklassigkeit. Dann folgten vier Partien ohne Sieg, darunter die Niederlage gegen den direkten Konkurrenten Union Berlin – wie jetzt gegen Heidenheim. Und am Ende guckte der ruhmreiche Verein, der erstmals in seiner Geschichte nicht in der höchsten Liga auflief, als Vierter in die Röhre. Wiederaufstieg verpasst.

Und dieses Mal? Außer nach dem ersten Spieltag stand der HSV bis vorgestern immer auf einem der ersten drei Plätze, im Herbst grüßte er vielfach von der Tabellenspitze. Kurzum: Die erste Saisonhälfte verlief nach Plan. Der große Einschnitt kam nach der Coronapause. Und die jeweiligen Rückschläge scheinen ebenfalls Methode zu haben. Nach dem Neustart im Mai kassierten die Hamburger viermal einen Gegentreffer in der Nachspielzeit, einer davon war das Siegtor der Heidenheimer. Für Statistiker sei hinzugefügt: Die späten Gegentore kosteten dem HSV sieben Punkte – damit wäre der Aufstieg jetzt schon längst geschafft.

Nicht nur die Fans der Norddeutschen fragen sich, warum die Partien fast immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Der HSV dominiert meist das Geschehen, bricht dann aber nach etwa 70 Minuten ein, lässt sich in die Defensive drängen, und dort fehlt es der Mannschaft schlichtweg an Qualität. Hecking drückte das Dilemma am Sonntag in für seine Verhältnisse deutlichen Worten aus. Wie sie das Tor in der Nachspielzeit kassiert hätten, das hätte nichts mit Glück oder Pech zu tun gehabt, sondern das sei einfach schlecht verteidigt, sagte der Trainer gegenüber dem Sender Sky.

Es kehrt einfach keine Ruhe ein beim HSV. Wie auch? Zahlreiche Wechsel auf dem Trainerposten und in der Chefetage haben in der jüngeren Vergangenheit nicht gerade für Kontinuität gesorgt. Nur auf eines scheint Verlass zu sein – egal ob in der ersten oder zweiten Liga: Hamburger Fans müssen am letzten Spieltag zittern. Auch das hat Methode.

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