Falsche Füße, Kurzzeit-Meister

Videobeweis unter Beschuss: So verrückt könnte diese Saison noch werden

Mal wieder Videobeweis: Schiedsrichter Patrick Ittrich sieht sich hier eine umstrittene Szene noch einmal auf einem Bildschirm am Spielfeldrand an. Foto: dpa

Er ist das Dauer-Diskussionsthema der Bundesliga: der Videobeweis. Köln ruft an, greift ein, korrigiert, immer öfter. Wozu führt das noch? Ein satirischer Ausblick. 

Woche für Woche lernen wir derzeit neu, was möglich ist mit Videobeweis. Und wie dieser Videobeweis den Fußball verändert. Deshalb an dieser Stelle: ein nicht ganz ernstgemeinter Prognose auf das, was uns noch erwarten kann in dieser Saison.

17. Spieltag: In Köln hat es wieder geschneit. Das Spiel gegen Wolfsburg wird auf fester Schneedecke ausgetragen. In der 27. Minute gibt es Elfmeter für die Gastgeber. Schiedsrichter Benjamin Brand misst die Distanz mangels Punkt mit elf Schritten aus. Guirassy verwandelt sicher zum 4:0. Im Videobeweisstudio aber wird ein virtuelles Metermaß angelegt. Es zeigt sich: Brand hat nur 10,11 Meter abgemessen, Guirassy muss noch einmal antreten und verschießt. Das Spiel endet 3:4.

18. Spieltag: Im Auftaktspiel der Rückrunde zwischen den Bayern und Leverkusen zeigt Manuel Gräfe Münchens Arturo Vidal nach der dritten Notbremse die Gelbe Karte. Videoschiedsrichter Deniz Aytekin greift ein und erklärt, nun sei das aber mal ein Platzverweis. Der Chilene zerreißt wütend sein Trikot. Drei Minuten später werden Gräfe und Aytekin vom Videochef zurückgepfiffen. Lutz-Michael Fröhlich verweist auf einen Passus im Regelwerk, wonach bei Fouls des FC Bayern kein Videohinweis hinzugezogen werden dürfe. Vidal bekommt das Trikot von Thomas Müller und darf weiterspielen.

22. Spieltag: Beim Spitzenspiel zwischen den Bayern und Verfolger Schalke führen die Gäste überraschend 3:2. In der 88. Minute wird Vidal im Strafraum von Naldo gefoult. Elfmeter und Rot für Schalke. Der wütend protestierende Gästetrainer Domenico Tedesco wird auf die Tribüne geschickt. Doch dann: Der Videobeweis zeigt bei der Entstehung des Münchner Angriffs ein Handspiel Vidals in der Münchner Hälfte. Schiedsrichter Dr. Felix Brych annulliert den Elfmeter. Tedesco darf wieder auf die Bank. Naldo kehrt zurück und verwertet den Freistoß zum 4:2-Endstand. Die Bayern rauschen danach in die Ergebniskrise.

28. Spieltag: Beim Spiel zwischen Hannover und Leipzig kommt es zum Eklat. Schiedsrichter Patrick Ittrich wird bereits in der ersten Halbzeit sechsmal vom Videobeweis korrigiert und ist sichtlich genervt. Die erste Hälfte dauert 58 Minuten. Nach dem Wechsel erzielt Füllkrug in der 58. Minute das 1:0. Abseits? Ittrich entscheidet: Tor! Die Fans feiern, die Torhymne erklingt, der Ball liegt längst am Punkt – da piept es bei Ittrich, der demonstrativ lässig zum Bildschirm schlendert. Das Tor muss er trotzdem zurücknehmen: Foulspiel in der Entstehung des Angriffs. Ittrich pfeffert die Kopfhörer auf den Rasen, stapft Richtung Kabine und brüllt: „Macht den Mist doch alleine.“

31. Spieltag: Begleitet von denkwürdigen Umständen verliert der Hamburger SV gegen Freiburg 2:3. In der Schlussphase erzielt Lewis Holtby den Ausgleich. Der reguläre Treffer wird aus der Zentrale in Köln aber zurückgenommen. Begründung: Die Videokameras, die die Profis mittlerweile am kompletten Spieltag überwachen, hätten gezeigt, dass Holtby am Morgen mit dem falschen Fuß aufgestanden sei. Weil er mit genau diesem Fuß traf, könne das Tor nicht gegeben werden. Hamburg rutscht auf den Relegationsplatz ab. Holtby erklärt, von nun an nur noch beidfüßig aufstehen zu wollen.

34. Spieltag: Abpfiff in Schalke. Der letzte Abpfiff der Saison. In der Arena brechen alle Dämme. Mit dem 3:0-Erfolg gegen Frankfurt haben die Königsblauen eine irrwitzige Aufholjagd gekrönt und sind tatsächlich Meister. M E I S T E R.

Doch halt. In München greift sich Markus Merk, der nach dem Rücktritt von Pattrick Ittrich einspringen musste, ans Ohr. Köln hat nachgemessen und festgestellt, dass die Nachspielzeit zwei Minuten zu kurz gewesen sei. Die Bayern und Gegner Stuttgart kommen noch einmal aus den Kabinen zurück. Robert Lewandwoski gelingt in der Nachspielzeit der Nachspielzeit das 3:2. Bayern ist Meister.

*** Nützlich oder nur noch nervig? Wir haben vor kurzem in einem Pro und Kontra den  Videobeweis im Fußball diskutiert.

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