Bundesligaprofi analysiert WM-Spiele

Vom Weltmeister zum ZDF-Experten: Mit Kramer sieht man besser

+
Neuverpflichtung des ZDF: Mönchengladbachs Mittelfeldspieler Christoph Kramer, der 2014 Weltmeister in Brasilien wurde, ist jetzt Experte im TV. Er überzeugt durch Insiderwissen und unterhaltsame Analysen. 

Christoph Kramer war schon einmal die Entdeckung einer WM. 2014 wurde er im Achtel- und Viertelfinale eingewechselt – und stand im Endspiel überraschend in der Startelf, weil Sami Khedira ausfiel. 2018 ist er nicht auf dem Platz dabei, dafür aber im ZDF.

Vier Jahre später steht der mittlerweile 27-Jährige nicht mehr im deutschen Kader von Bundestrainer Joachim Löw. Dafür verpflichtete ihn ZDF-Intendant Thomas Bellut für das WM-Aufgebot des ZDF. Und Kramer ist bislang der Einzige, der weltmeisterlich auftrat.

Nachdem die ARD am Donnerstag und Freitag den Auftakt mit ihrem Studioteam um die Moderatoren Matthias Opdenhövel und Alexander Bommes sowie die Experten Thomas Hitzlsperger, Stefan Kuntz (im Netz schon bekannt als Hitz und Kuntz) und Hannes Wolf machte und dabei wenig Überraschendes aufbot, übernahm am ersten WM-Wochenende das ZDF.

Im Zweiten gibt es neben dem Duo Oliver Welke/Oliver Kahn, Jochen Breyer sowie Taktikfuchs und Supermarkt-Chef Holger Stanislawski nur einen Neuzugang: Christoph Kramer. Zwischen den Ex-Spielern, die in Erinnerungen schwelgen und aktuelle Ereignisse mit dem Satz „Früher hätte man das so und so gemacht“ vergleichen, ist Kramer als Aktiver einer, der noch nah dran ist am Fußball.

Und er bewies bislang, dass er nicht nur Experte für Kopfverletzungen sein kann. Sein Erinnerungsvermögen ist nach dem Finale 2014 wohl zurückgekehrt. So berichtet er zum Beispiel vom Sommer seines Lebens im Campo Bahia in Brasilien. „Ich bin rumgelaufen wie so ein Schwamm und habe alles aufgesaugt“, erzählt Kramer. Eloquent und mit Witz. Er erinnert sich auch noch an die Dopingprobe mit Lionel Messi. Einmal gemeinsam mit dem Weltfußballer pinkeln.

Kramer macht das alles sympathischer als ein Oliver Kahn, ruhiger als ein Stanislawski, pointiert, knapp, unterhaltsam. Er ist mehr Medienprofi als ein Hannes Wolf. Der 27-Jährige fühlt sich sichtlich wohl im TV-Studio – das merkt man ihm an. Wenn er neben Moderator Breyer steht, dann könnte man fast meinen, die beiden seien Brüder. Bei Instagram postete Breyer vor dem ersten gemeinsamen Auftritt: „Das doppelte Lottchen ist bereit.“ Da standen die beiden jeweils in dunkler Hose, weißem T-Shirt und dunkler Jacke beziehungsweise dunklem Sakko nebeneinander. Zuvor veröffentlichte er ein Bild mit dem Gladbacher und dem Zusatz: „Mit dem Kramer sieht man besser.“ Eine Anspielung auf das ZDF-Motto „Mit dem Zweiten sieht man besser.“ Aber wahr. Denn auch Breyer wird gemerkt haben: Dieser Kramer tut meinem angekratzten Image gut. Die ZDF-Blondies geben ein gutes Bild ab.

UND LOS! Das doppelte Lottchen ist bereit @chrikra23

Ein Beitrag geteilt von Jochen Breyer (@jochenbreyer) am

Kramer als Experte ist so ein bisschen wie Mehmet Scholl mit weniger Witz und mehr Analyse. Und nach dem ARD-Abgang des Ex-Münchners hat das ZDF den öffentlich-rechtlichen Partner in Sachen Experten überholt.

Kramer ist einer, der sich nicht immer profilieren muss. Zum Thema Markenbildung von Fußballstars sagte er: „Ich pushe die Marke Kramer gerade, aber ich bin da noch nicht so weit fortgeschritten.“ Kollege Breyer bezeichnete ihn als Instinktfußballer. Einer, der aber keine Elfmeter mehr schießen mag, weil er mit 14 mal einen in der Halle vergeben hat. Deswegen könne er auch nichts zu Messis gescheitertem Versuch sagen. Vielleicht hat er auch an die gemeinsame Dopingprobe zurückgedacht. Da wurde hoffentlich besser gezielt.

Lesen Sie auch: So können wir doch noch den WM-Titel verteidigen. Das sagt Weltmeister Guido Buchwald.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.