Lewandowskis Rekorde, Pantovics Distanztore

Top 10 der Hinrunde der Fußball-Bundesliga: Von Brillen, Baumgart und dem Breisgau

Anthony Modeste.
+
Das ist in der Bundesliga wieder zu sehen: Kölns Angreifer Anthony Modeste hat in der Hinrunde elf Treffer erzielt und diese häufig mit dem für ihn typischen Brillen-Jubel gefeiert.

Das Jahr 2021 ist bald Geschichte, die Hinrunde der Fußball-Bundesliga ist am Sonntag zu Ende gegangen. Zeit, um einmal zurückzublicken und das erste Halbjahr Revue passieren zu lassen. Wir machen das mit einer Top 10 der Hinrunde.

1. Die Rückkehr der Brille: Anthony Modeste tut der Bundesliga gut. Weil es einfach nicht mehr viele dieser Typen gibt, die ein bisschen anders sind. Die Spaß machen. Modeste macht Spaß – und hat auch sportlich wieder einen großen Wert für den 1. FC Köln. In der Saison 2016/17 wechselte der Franzose in die chinesische Super League zu Tianjin Tianhai. 29 Millionen Euro brachte das dem Effzeh ein. Die Umstände waren dubios. Erst platzte der Transfer, dann kam er doch zustande. Nach seinem Siegtreffer zuletzt gegen Wolfsburg mit dem ehemaligen Kölner Sportchef Jörg Schmadtke zeigte sich Modeste schadenfroh gegenüber den Niedersachsen – wohl auch, weil Schmadtke seinen Abgang damals vorantrieb, er selbst gar nicht weg wollte. Mittlerweile ist der Angreifer aber zurück. Und der neue Trainer Steffen Baumgart hat ihn nun auch wieder erfolgreich gemacht. Elf Treffer stehen auf Modestes Konto. Beim Jubeln bekam der Coach auch schon mal etwas Wasser ab oder die Mütze geklaut. Meist präsentiert der 33-Jährige aber seinen Brillen-Jubel nach einem Tor. So auch am Sonntagabend, als er kurz vor Schluss zum 1:0 gegen Stuttgart traf. Er jubelt so, weil er im Nachrichtendienst WhatsApp den Brillen-Smiley toll findet und seine Texte immer mit diesem beendet.

2. Der Trainer ohne Kälteempfinden: Bleiben wir noch einmal in Köln. Und blicken auf den bereits erwähnten Steffen Baumgart. Der ist nicht nur optisch auffällig gewesen in dieser Hinrunde. Seine Mütze ist bereits zum Markenzeichen geworden. Aber auch sein – scheinbar nicht vorhandenes – Kälteempfinden wird immer wieder deutlich. Selbst mitten im Dezember steht Baumgart kurzärmlig an der Seitenlinie. Er lebt den Einsatz vor. Und der 49-Jährige hat aus einem Abstiegskandidaten mit kaum verändertem Kader eine Mannschaft gemacht, die im oberen Mittelfeld steht.

3. Der Trainer ohne Halbwertszeit: Damit zu einem Kollegen von Baumgart. Christian Streich ist aus Freiburg nicht wegzudenken, dort seit 2012 im Amt. Dass er woanders hingehe, sei schwer vorstellbar, sagte er selbst zuletzt im ZDF-Sportstudio. In der Hinrunde absolvierte er sein 300. Spiel als Coach für das Team aus dem Breisgau. Erst am 11. Spieltag kassierte der Sport-Club die erste Niederlage und überwintert auf Rang drei.

4. Die Rückkehr als Trainer: Noch einmal ein Mann von der Seitenlinie. Anfang des Jahres übernahm Bo Svensson den FSV Mainz 05 in einer sehr schwierigen Situation. Ein Jahr später haben die Nullfünfer die Klasse gehalten und stehen auf Rang neun. Svensson – selbst lange Zeit Spieler des FSV – hat mit den Mainzern in diesem Jahr 57 Punkte gesammelt. Dafür gibt es einen Platz in unseren Top 10.

5. Das Erfolgserlebnis des Schlusslichts: Dass Greuther Fürth in einer Top 10 der Hinrunde auftaucht, ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Aber: Die Fürther haben in ihrem zweiten Bundesliga-Jahr – im 24. Versuch – endlich den ersten Heimsieg gefeiert. Das gelang am 16. Spieltag durch einen Treffer von Harvard Nielsen gegen Union Berlin. Dennoch hat das Schlusslicht nur fünf Punkte gesammelt. Mainz 05 hatte vor einem Jahr immerhin sieben zur Halbserie.

6. Der Inbegriff der Verlässlichkeit: Der Käfer läuft und läuft und läuft. Und er trifft und trifft und trifft. Gemeint ist Robert Lewandowski. Der Bayern-Stürmer führt die Torschützenliste zur Halbserie nicht nur mit 19 Treffern an, er luchste Gerd Müller auch die nächste Bestmarke ab. 43 Tore im Kalenderjahr sind Rekord.

7. Der überraschende Verfolger: Auch er trifft und trifft und trifft. Aber irgendwie hatte ihn keiner so richtig auf dem Schirm. Der Leverkusener Patrik Schick steht derzeit auf Platz zwei mit 16 Saisontoren, und vor dem 1:2 in Freiburg war er sogar für die letzten acht Bayer-Buden verantwortlich. Erst Teamkollege Charles Aranguiz machte diese Serie am vergangenen Wochenende zunichte. Kein feiner Zug.

8. Der Ferntorschütze: Er traf auch, und zwar zweimal wunderschön aus der Distanz. Erst schlug der Bochumer Milos Pantovic aus 40 Metern gegen Hoffenheim zu, drei Wochen später dann aus ähnlicher Distanz gegen Freiburg. Dass er am Wochenende zweimal aus kürzester Distanz gegen Union scheiterte? Geschenkt.

9. Der glänzende Einstand: Julian Nagelsmann dürfte es nur einmal so richtig schlecht gegangen sein: Als er coronabedingt in seiner Küche saß und das 0:5-Debakel im DFB-Pokal bei Borussia Mönchengladbach mitansehen musste. Ansonsten aber galt: In der Bundesliga und auch in der Champions League konnte es der neue Bayern-Trainer mit seinem Team kaum schlechter machen.

10. Die Stimmung: Natürlich spielt Corona weiter eine große Rolle. Aber erst zum Ende der Hinrunde gab es bei den Zuschauerzahlen wieder Einschnitte. Bis dahin war die Rückkehr der Fangesänge wie Balsam auf die Fußball-Seele. (Maximilian Bülau und Torsten Kohlhaase)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.