Jan Schindelmeiser, Sport-Vorstand beim VfB Stuttgart, vor dem Topspiel in Hannover im HNA-Interview

Vorfreude auf das Duell mit 96

Gut drauf: VfB-Stuttgart-Sportvorstand Jan Schindelmeiser. Als Spieler war er Leistungsträger bei Göttingen 05. Rechts: Schindelmeiser (hinten) und Ralf Walle versuchen 1990 im DFB-Pokalspiel gegen den HSV (0:4) Thomas Doll zu stoppen. Foto: dpa/ Repro: Kopietz

Göttingen. Jan Schindelmeister, ehemaliger 05er und aktuell Sport-Vorstand beim VfB Stuttgart steht mit seinem Klub dicht vor dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. Vor dem Spiel am Sonntag bei Hannover 96 (15.30 Uhr) sprachen wir mit Schindelmeiser.

Blicken Sie nach einem turbulenten Jahr beim VfB auch zurück oder nur nach vorne?

Jan Schindelmeiser: „Unabhängig von der Saison und dem Verlauf bin ich im Zurückgucken nicht so gut. Ich schaue eher auf die Gegenwart und die Zukunft. Die kann ich beeinflussen. Wenn auf die Vergangenheit, dann auch deshalb, um aus Fehlern zu lernen. Nicht nur aus den eigenen, denn: Warum sollen wir Fehler, die andere vor uns gemacht haben, wiederholen. Die Entwicklung der letzten Jahre mit dem Abstieg haben beim VfB tiefe Wunden hinterlassen. Es war eine Hauptaufgabe, wieder Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit des Klubs herzustellen, eine klare Philosophie zu formulieren, diese nach innen und außen zu transportieren und unsere Strategie darauf auszurichten. Das haben wir getan.“

Wird das bei den vielen begeisterten, aber auch kritischen VfB-Fans bemerkt?

Schindelmeiser: „Absolut. Ich denke, die Entwicklung zeigt, dass unsere Entscheidungen im Wesentlichen richtig gewesen sind, und die Menschen mit dem, was wir hier beim VfB tun, wieder die Hoffnung verbinden, dass wir die Zukunft des Vereins erfolgreich gestalten. Gleichwohl: Noch haben wir unser Ziel nicht erreicht. Wir sind kurz davor, und wir haben eine sehr gute Ausgangsposition zwei Spieltage vor Saisonende mit drei Punkten Vorsprung und einem guten Torverhältnis.“

Am Sonntag steht das vorentscheidende Spiel um den Aufstieg bei Hannover 96 an?

Schindelmeiser: „Ein Spiel bei einem direkten Konkurrenten in dieser Konstellation. Schaut aus wie gemalt. Wir freuen uns sehr auf diese sehr schwierige, aber reizvolle Aufgabe.“

Also lieber gegen einen Konkurrenten spielen als gegen einen Abstiegskandidaten?

Schindelmeiser: „Das können wir uns nicht aussuchen, ist in dieser Saison-Phase aber auch nicht relevant. In der 2. Liga gibt es keine leichten Spiele. Natürlich gibt es auch unterschiedliche Qualitäten. Hannover 96 hat einen der besseren Kader in der Liga. Das aber als alleiniges Kriterium für die Schwere der Aufgabe heranzuziehen, funktioniert in dieser Liga noch weniger als in der Bundesliga. Zudem ist die Spielweise vieler Teams eher rustikal. Es wird viel mit langen Bällen operiert, der Kampf um die zweiten Bälle ist intensiv, das Spiel sehr körperbetont.“

Nach Hannover kommt Würzburg zum Heimspiel. Eine leichte Aufgabe?

Schindelmeiser: „Nein. Noch einmal: Wir haben in dieser Saison – auch schmerzhaft – lernen müssen, dass es das in Liga Zwei nicht gibt. Wir blicken nicht auf das letzte Saisonspiel. Jetzt zählt nur Hannover. Im Übrigen: Man muss sich auch nur die Hinrunden-Ergebnisse gegen Hannover und Würzburg anschauen, die müssen wir nicht unbedingt wiederholen. (Anmerkung der Redaktion: 1:2 und 0:3).“

Die VfB-Mannschaft zeigt sich aber gefestigter als in der Hinrunde...

Schindelmeiser: „Ja, Die Mannschaft ist wesentlich gefestigter. Dennoch schadet es nicht, die Sinne zu schärfen. Sie hat Vertrauen in die eigene Lösungskompetenz, verliert nicht die Ruhe, auch nicht kurz vor Spielende. Das ist auch Resultat einer guten körperlichen Verfassung. Der Kader ist zudem breit aufgestellt, und gerade im offensiven Bereich verfügen wir über gleichwertige Alternativen. Kommen sie von der Bank, bringen sie Qualität ins Spiel. So sind wir in der Lage, in den letzten Minuten Spiele für uns zu entscheiden. Das wissen die Jungs.“

Sind Spiele gegen Hannover und Braunschweig für Sie als ehemaligen Göttinger etwas Besonderes?

Schindelmeiser: „Ja schon. Ich hatte als Manager von 1996 bis 1998 zwei tolle Jahre in Braunschweig. Deshalb ist das schon ein besonderer Wettbewerber, und ein Verein, den ich intensiver verfolge. Es ist auch interessant zu sehen, dass Eintracht im Umfeld und in Konkurrenz zu Klubs wie Wolfsburg und Hannover mit bescheideneren Mitteln erfolgreich ist. Es ist sicher nicht so einfach, sich in dieser Konstellation zu behaupten.“

Von Thomas Kopietz

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