DFB will Aufarbeitung bis 4. Dezember

Was Löw jetzt ändern müsste, wenn er Bundestrainer bleiben möchte

Joachim Löw.
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Abgekämpft: Bundestrainer Joachim Löw.

Die Diskussion um die Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw hat seit Montag noch mehr Fahrt aufgenommen. Grund ist eine Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Der Inhalt: In einer Präsidiumssitzung am 4. Dezember soll DFB-Direktor Oliver Bierhoff, die Situation der Nationalmannschaft erläutern. Löw soll bis dahin die Zeit bekommen, „die Erfahrungen aus dem jüngsten 0:6-Untergang in Spanien und die Gesamtentwicklung der Mannschaft in den vergangenen zwei Jahren“ aufzuarbeiten. Ob das ein letztes Aufbäumen sein wird oder eine Chance ist für den Bundestrainer, noch einmal die Kurve zu bekommen? Situationen wie diese kennt Löw ja. Schon 2012 war nach dem 1:2 im EM-Halbfinale gegen Italien Kritik auf ihn hereingeprasselt, weil er sich taktisch nach dem Gegner gerichtet hatte, statt auf Stärken seines Teams zu vertrauen. Und 2018 nach dem WM-Vorrunden-Scheitern in Russland stand Löw erstmals vor dem Aus, durfte aber auch deshalb weitermachen, weil er neue Gesichter und einen neuen Spielstil versprach.

Wir haben uns Gedanken gemacht, was Löw nun ändern müsste, um noch eine Chance auf eine Wende zu bekommen – so wie es nach 2012 gelungen ist. 2014 war Deutschland Weltmeister.

Nahbarer werden

Klar, auch für den Bundestrainer ist es in Corona-Zeiten schwer, öffentlicher zu sein. In Stadien kann er kaum auftauchen, selbst in Freiburg nicht. Trotzdem: Löw muss sich mal wieder locker machen. Nähe suchen. Auf Menschen zugehen. Sein „über den Dingen stehen“ hatte zuletzt nur einen Effekt: Löw wirkt unnahbar.

Sturheit ablegen

Diese Diskussion um Mats Hummels und Thomas Müller sollte jetzt mal ein Ende haben. Löw muss dafür ja nicht einmal über seinen Schatten springen. Als er das Duo ebenso wie Jérome Boateng und zuvor Samy Khedira aussortierte, da hatte er überwiegend Zustimmung erhalten. Aber auch keinem der Spieler den Weg zurück verschlossen. Zumindest an Hummels sollte für Löw nun wieder kein Weg mehr vorbeiführen.

Achse installieren

Als Hansi Flick noch Co-Trainer von Löw bei der Nationalmannschaft war, stand für beide fest: Wir brauchen eine verlässliche Achse im Team. Flick praktiziert das nun auch wieder beim FC Bayern – mit Erfolg. Natürlich kann das DFB-Team nicht auf David Alaba oder Robert Lewandowski bauen. Aber: Neben Manuel Neuer sind Führungspersönlichkeiten rar. Toni Kroos wäre vielleicht gern eine, ist es aber nicht. Joshua Kimmich ist es, fehlte zuletzt aber verletzt. Zwei Anführer reichen nicht aus.

Löw sollte sich vor allem in der Abwehr endlich festlegen. Ginter oder Rüdiger? Süle als Chef? Davor hat sich Leon Goretzka zu einer Persönlichkeit auf und neben dem Platz entwickelt, die Verantwortung übernimmt. Hat der Bundestrainer seine Achse gefunden, dann muss er auf sie bauen, um sie aufzubauen. Wichtiger Randaspekt dabei: Auch er selbst muss mehr Einfluss nehmen. Seine Selbstaufgabe am Spielfeldrand gegen Spanien hat ihm geschadet. Natürlich wird Löw kein Emotionstrainer à la Klopp mehr. Muss er auch gar nicht. Aber er muss anpassen und eingreifen – taktisch wie personell. Dass seine Mannschaft Hilfe von außen benötigt, das war deutlich zu sehen.

Stil vorgeben

Was für Löw modisch nie ein Problem war, sollte er auch auf dem Platz leisten. Die Nationalmannschaft hat sich unter ihm von einer Pressing-und-Überfall-Mannschaft zu einer Ballbesitzmaschine entwickelt. Nach der WM 2018 hat der Trainer dann selbst gesagt, diese Spielidee sei für die Tonne, habe teilweise arrogant gewirkt. Doch was ist seitdem geschehen?

Löw möchte, dass seine Mannschaft immer flexibler wird. Damit diese beispielsweise bei der EM gegen die starken Gegner Frankreich und Portugal auf die eine Weise agieren kann, gegen Ungarn dann auf eine andere. Doch ein Schritt vor bedeutet manchmal eben auch zwei zurück. Vielleicht ist das DFB-Team jetzt flexibel – dafür aber auch identitätslos und unsicher. Also: einen Spielstil finden – und den dann richtig beherrschen. Statt zwei und die nur so halb. (Frank Ziemke und Maximilian Bülau)

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