Bayerns Ex-Interimstrainer meldet sich zu Wort

James-Transfer: Jonker mahnt und macht Spaß-Angebot an Müller

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Andries Jonker, Trainer des VfL Wolfsburg, hat sich kritisch zu Superstar-Transfers geäußert. 

Superstars in der Bundesliga? Für VfL-Trainer Andries Jonker ist das „gut“ - auch wenn er zur Vorsicht mahnt. In Bezug auf Thomas Müller berichtet der Niederländer von einem lustigen Angebot. 

Wolfsburg-Trainer Andries Joncker hat bei Verpflichtungen von ausländischen Superstars wie James Rodriguez zur Vorsicht gemahnt. „Natürlich ist das gut, wenn Topspieler kommen. Aber man muss auch aufpassen“, sagte der 54-Jährige gegenüber dem Sportmagazin kicker. In England gebe es viele junge Spieler, die kaum eine Möglichkeit hätten sich durchzusetzen, weil die Vereine „so viel Geld haben und immer wieder ausländische Spieler kaufen“. So haben die U19-Europameister auf der Insel kaum eine Chance, sich bei ihren Vereinen zu beweisen.

Jonker: Entwicklung in Deutschland „viel gesünder“ als in England

In Sorge ist der ehemalige Coach von Rekordmeister Bayern München dennoch nicht. „Um 2010 herum war es so, dass viele Vereine den Mut hatten, auf 17-, 18-, 19-Jährige zu setzen.“ Diese Entwicklung sei zu einem deutschen Markenzeichen geworden und „viel gesünder als die in England“. 

Auf Thomas Müller angesprochen, der nun wahrlich nicht mehr als Talent bezeichnet werden kann - dessen Kaderplatz aber durch die Verpflichtung des Kolumbianers Rodriguez wie auch tz.de* berichtet akut in Gefahr ist - meint Jonker lächelnd: „Er kann gerne bei uns spielen“. Er selbst habe Müller bereits vergangene Saison, als er auf der Bank saß, im Spaß geschrieben, dass er eine Position für ihn übrige habe.

Andries Jonker ist seit Februar 2017 Trainer des VfL Wolfsburg. 

Der Trend zur Verpflichtung junger Trainer im deutschen Profi-Fußball könnte nach Jonker unterdessen zum Vorbild für europäische Klubs werden, wie der Niederländer der Bild-Zeitung sagte. "In Deutschland gibt es schon eine besondere Entwicklung, die sich zu anderen Ländern unterscheidet. Junge, relativ unbekannte Trainer bekommen hier die Chance, eine Bundesliga-Mannschaft zu betreuen", so der 54-Jährige.

Anderswo werde eher noch auf in der Vergangenheit erfolgreiche Trainer gesetzt. "Im Moment floriert der deutsche Fußball. Er ist in einer sehr guten, gesunden Phase", sagte Jonker. Vielleicht sei der aktuelle Trend in Deutschland daher ein "Vorläufer, und bald sagen sie woanders, schaut mal auf Deutschland. Dort hat man den Mut, auch mal etwas anders zu machen."

Kritische Worte zur niederländischen Nationalammnschaft

Die schwere Krise der niederländischen Nationalmannschaft, wie auch Erik Meijer im Interview mit der tz belegt, indes liegt für Jonker auch in der planlosen Arbeit des Fußballverbandes KNVB begründet. Mit deutlichen Worten und ernster Miene kritisierte der VfL-Coach im Interview der Deutschen Presse-Agentur den Zustand des Fußballs in seiner Heimat. „Louis van Gaal und ich haben 2001 für den KNVB den letzten Plan gemacht. Und in den 15 Jahren danach ist nichts mehr passiert“, sagte er im Wolfsburger Trainingslager in Bad Ragaz.

Dass nach der verpassten EM in Frankreich auch die WM in Russland ohne die Niederlande stattfinden könnte, sei auch ein Ergebnis dieser Arbeit, findet Jonker - und fordert: „Es wird Zeit für einen neuen Plan.“ Gemeinsam mit van Gaal hatte er Anfang des Jahrtausends für den KNVB gearbeitet. Jonker arbeitete damals als Jugendkoordinator, van Gaal erstmals als Nationaltrainer. Im Anschluss war Jonker beim FC Barcelona und bei Bayern München Co-Trainer unter van Gaal. Mittlerweile ist der 65-jährige van Gaal seit der Trennung von Manchester United im Sommer 2016 ohne Job. Dass das so bleibt, glaubt Jonker nicht. „Er hat schon öfter gesagt, dass er aufhört. Darum würde es mich nicht überraschen, wenn er nochmal was macht.“

*tz.de ist Mitglied im Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk

sid/dpa/lpr

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