Ein Weltmeister in Egenhausen

Wie Weltmeister Mustafi ein kleiner Retter in der Provinz wurde

Ehrenmitglied: Egenhausens Boss Benjamin Finis (links) und Shkodran Mustafi.

Kassel. Egenhausen ist ein kleiner Ort mitten in Baden-Württemberg. 2000 Einwohner, nach Stuttgart sind es 70 Kilometer in nordöstliche Richtung.

Der örtliche Fußballklub heißt 1. FC und hat 400 Mitglieder, es ist der größte Verein in Egenhausen. Die erste Mannschaft spielt in der B-Klasse – eigentlich nicht der Rede wert. Jetzt aber ist der 1. FC Egenhausen in aller Munde, was mit einem abgebrannten Vereinsheim und einer Welle der Hilfsbereitschaft zu tun hat. Im Mittelpunkt: Shkodran Mustafi, Weltmeister aus Nordhessen.

Die Geschichte, die Egenhausens Vorsitzender Benjamin Finis (31) zu erzählen hat, beginnt im vergangenen Jahr. Da startet die Sanierung des Vereinsheimes, die in erster Linie in Eigenleistung geschehen soll. Die Arbeiten laufen gut an, bis Anfang dieses Jahres. Da gerät das Klubhaus bei Schweißarbeiten in Brand, es wird fast komplett zerstört. Schaden: annähernd 800.000 Euro. „Es war für alle ein Riesenschock“, sagt Vorsitzender Finis.

Während zäher Verhandlungen mit der Versicherung starten Hilfsaktionen. Kreativität ist gefragt. Vereinsmitglieder schreiben Sportler und Bundesligavereine an – mit der Bitte, den Klub zu unterstützen. Skifahrerin Maria Höfl-Riesch stellt für eine Versteigerung einen Rennanzug zur Verfügung, Bundesligisten schicken signierte Trikots. „Nur vom HSV kam nichts“, berichtet Finis.

Interview in Egenhausen: Shkodran Mustafi spricht mit Benjamin Finis.

Vor knapp drei Wochen meldet sich auch das Umfeld von Shkodran Mustafi (23). Es heißt, der Weltmeister aus Bebra könne kein Trikot senden. „Da sind bei uns die Köpfe schon nach unten gegangen“, erzählt Finis. „Bis der Mann am Telefon plötzlich sagte, dass Mustafi gern selbst vorbeikommen wolle, um sich ein Bild vor Ort zu machen.“ Da ist die Freude groß. Innerhalb kürzester Zeit organisieren die Egenhäuser eine Feier – mit Bierzelt, Tombola, Kaffee und Kuchen. Wann kommt schon mal ein Weltmeister nach Egenhausen?

Mustafi, derzeit Profi beim FC Valencia, erscheint schließlich am Sonntag nach dem Finale der Champions League. Am Vorabend gab er für den Bezahlsender Sky den Experten, jetzt fährt er in Egenhausen vor. Mit dabei: sein Kumpel Ardian Bujupi, Sänger und einst Kandidat bei „Deutschland sucht den Superstar“. Knapp 1000 Menschen kommen, es herrscht bestes Wetter, Mustafi schreibt Hunderte von Autogrammen, gibt ein Interview. „Es war gigantisch“, berichtet Finis. „Mustafi hat richtig Stimmung auf der Bühne gemacht.“ Es wird gesungen, getanzt.

Spontan entschließt sich der 1. FC Egenhausen, den Nationalspieler zum Ehrenmitglied zu ernennen. „Wer uns so aus dem Nichts heraus unterstützt, der hat sich das verdient“, sagt Finis. Nach ersten Schätzungen sind rund 4000 Euro an dem Nachmittag als Erlös zusammengekommen – Geld für den Neubau des Vereinsheimes. Der wird gerade von Architekten geplant. Wann er fertig wird, weiß der Vereinsvorsitzende noch nicht. Aber: „Wenn er steht, will Mustafis Vater kommen und ihn sich anschauen.“

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