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Peters oder Neuendorf: Wer wird Kellers Nachfolger beim Deutschen Fußball-Bund?

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Von: Maximilian Bülau

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Die DFB-Zentrale in Frankfurt.
Hier sitzt bald ein neuer Präsident: die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt. © Imago/Kirchner-Media

Gesucht wird der 14. Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Kassel – Nachdem Fritz Keller sein Amt im Mai des vergangenen Jahres nach der Affäre um Rainer Koch abgegeben hatte, wird der größte Sportverband der Welt derzeit interimsweise von Vizepräsident Koch und Co-Chef Hans-Joachim Watzke geführt. Am Freitag wählt der Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes nun sein neues Oberhaupt. Fragen und Antworten:

Wer steht zur Wahl?

Erstmals in der Geschichte gibt es zwei Kandidaten, die gegeneinander antreten. Zum einen ist das Peter Peters. Der 59-Jährige ist als Fußballfunktionär kein Unbekannter. Der gelernte Journalist war von 1994 bis 2020 im Vorstand des FC Schalke 04 für Finanzen zuständig, hat seit 2007 Posten bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) und dem DFB inne sowie beim Europäischen Fußball-Verband (Uefa). Peters, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, ist der Kandidat der Profis.

Ihm gegenüber steht Bernd Neuendorf, Kandidat des Amateurlagers. Der 60-Jährige ist als Fußballfunktionär eher unbekannt, leitet seit 2019 den Fußball-Verband Mittelrhein. Auch Neuendorf war früher Journalist, ging dann in die Politik (SPD). Er gilt trotz seiner geringen Bekanntheit als Favorit auf den Präsidentschaftsposten.

Warum?

Das hat mit dem Ablauf der Wahl zu tun. Stimmberechtigt sind am Freitag die Delegierten des Bundestages. Die fünf Regional- und 21 Landesverbände bekommen dabei anteilig an ihrer Mitgliederzahl ein Stimmenkontingent. Die Landesverbände im Norddeutschen Fußball-Verband haben 22 Stimmen, der Nordostdeutsche Fußballverband hat 20, der Süddeutsche Fußball-Verband 49, der Südwestddeutsche Fußballverband zwölf und der Westdeutsche Fußballverband 27. Die fünf großen Regionalverbände haben zusätzlich je zwei Stimmen. Die Profi-Vertreter der Deutschen Fußball Liga haben insgesamt 74 Stimmen. Je eine Stimme haben zudem die Mitglieder des DFB-Präsidiums und -Vorstandes, Ehrenmitglieder und Mitglieder der Rechtsorgane, des Prüfungsausschusses, der Ethik-Kommission und der weiteren Ausschüsse.

Insgesamt sind 262 Delegierte stimmberechtigt. Notwendig ist eine einfache Mehrheit. Beschlussfähig ist der Bundestag, wenn mindestens die Hälfte der Gesamtstimmen vertreten ist. Das Amateurlager hat ein Stimmenübergewicht, wodurch gleichzeitig Kandidat Neuendorf als Favorit gilt.

Wie ist die Lage beim DFB?

Gewohnt unruhig, könnte man sagen. Erst am vergangenen Donnerstag hatte es in der DFB-Zentrale in der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt – mal wieder – eine Razzia gegeben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen einen Ex-Verantwortlichen. Dieser soll im Namen des DFB einen Vertrag mit einer Kommunikationsagentur geschlossen, in der Folge 360 000 Euro an diese Agentur gezahlt haben. Es soll sich dabei um einen Scheinvertrag gehandelt haben, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit. Durchsucht wurden auch Privat- und Geschäftsräume in vier weiteren Bundesländern, heißt es. Zwar beteuerte der Verband, das Verfahren richte sich weder gegen den DFB selbst noch gegen aktuell in der Verantwortung stehende Personen. Doch wieder einmal befindet sich DFB-Vizepräsident Rainer Koch im Dunstkreis der Ermittlungen.

Wie steht es um Koch?

Der 63-Jährige soll großen Anteil daran gehabt haben, dass der Vertrag mit der Kommunikationsagentur zustande kam. Koch wird seinen Posten als Amateur-Vize nun an seinen Vertrauten Ronny Zimmermann abgeben, will aber einen Vize-Posten beim DFB behalten. Diesen benötigt er zwangsläufig, um weiterhin die gut bezahlte Vorstandsarbeit bei der Uefa verrichten zu können. Die Ex-DFB-Präsidenten Keller, Reinhard Grindel und Theo Zwanziger forderten in einer gemeinsamen Stellungnahme gestern: „Beenden Sie das System Koch, und sorgen Sie für einen echten Neuanfang beim DFB.“ Während Peters eine Zusammenarbeit mit Koch ausschließt, würde dieser bei einer Wahl von Neuendorf weiter Chancen auf einen Verbandsposten haben. (Maximilian Bülau)

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