Ablösesummen werden sinken

Wie die Corona-Pandemie den Sport verändert: Einschnitte werden kommen

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Per Handy, im Fernsehen: Der Fußball ist sehr abhängig vom Geld der privaten TV-Sender. 

Stadien und Hallen sind leer, die Kassen vieler Klubs auch. Der Stillstand im Sport zwingt zum Handeln im kaufmännischen Überlebenskampf, aber auch zum Grübeln über Veränderungen. Sport im Wandel, eine Bestandsaufnahme:

Fußball

Natürlich sind im Fußball die Extreme am auffälligsten. Bei den Großen wird die Milliardenblase wohl platzen, bei den Kleinen geht es um jeden Euro. Da macht es in der Folge nur wenig Unterschied, ob das Millionensponsoring eines Autokonzerns wegbricht oder die fünfstellige Zahlung des Mittelständlers nebenan.

„Es geht uns nicht anders als dem Bäcker: Wenn wir den Fußball als Ware nicht an den Kunden bringen können, müssen wir zusperren“, hat der einstige DFL-Chef Andreas Rettig sinngemäß gesagt. In Zahlen: Angesichts der eklatanten Abhängigkeit von TV-Geldern werden den fünf Topligen in Europa bis zu vier Milliarden Euro wegbrechen, der 1. und 2. Bundesliga 770 Millionen, wenn die Saison abgebrochen werden muss.

Marketingexperte Dr. Peter Rohlmann spricht davon, dass „in der 3. Liga und 4. Liga jeder zweite Klub akut gefährdet“ ist. Er erwartet, dass „ die Fans nun strenger auf ihre Klubs blicken“ im Krisenverhalten.

Selbst der langjährige Münchner Bayern-Präsident Uli Hoeneß erwartet „eine neue Fußball-Welt“, in der (zunächst) dreistellige Millionen-Ablösesummen und horrende Zahlungen an Spielervermittler nicht mehr realistisch seien und „die Koordinaten etwas verändert werden“, wie er dem Kicker sagte.

Bei den 25 000 Amateurklubs indes ist das Überleben der aberwitzig als Preistreiber agierenden privaten TV-Sender weitaus weniger ein Thema als die Sorge um das Fortbestehen ihrer Kleinsponsoren und des Klubheims, wo derzeit nicht einmal ein Bier gezischt werden kann – auch zum Wohl der Vereinskasse.

Handball

Gehälter von mehr als zehn Millionen Euro für die Stars wie im Fußball gibt es nicht im Handball, aber für die Besten werden mehr als 300 000 Euro brutto pro Jahr fällig. „Die Spieler haben sehr vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert, die Etats der Bundesliga-Klubs waren so hoch wie nie“, konstatiert Axel Geerken, Vorstand der MT Melsungen. Aber: Die Spieler auch seines Klubs verzichten zunächst nicht nur auf 25 Prozent ihres Salärs, sie wissen auch, dass „mit weiteren Einschnitten zu rechnen ist“.

Wie im Fußball, wo die vier deutschen Champions League-Klubs 20 Millionen Euro aus ihren Prämien für die 32 anderen Profiklubs stiften, macht Geerken auch im Handball „große Solidarität“ und „mehr gegenseitiges Verständnis“ aus. Dies sei dringend nötig, „um die Klubs zunächst in den Sommer retten zu können“, wie HBL-Chef Frank Bohmann im „Focus“ erklärte - mit einer Fortsetzung der Serie. „Für uns sind nicht TV-Gelder, sondern Ticketing und Sponsoring die wichtigsten Einnahmen.“ Was die Planung für 2020/21 nun nicht erleichtern wird.

Eishockey

Auch in DEL und DEL2, die als erste ihren Spielbetrieb angesichts von Corona eingestellt hatten, werden sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eher zum Negativen verändern. „Genau ist das nun noch gar nicht zu überblicken“, sagt René Rudorisch. „Wir müssen sehen, wie sich die Gesellschaft verändern wird. Vieles hängt davon ab, wann und wie sich die Wirtschaft mit unseren Sponsoren erholen kann.“ Der Zweitliga-Geschäftsführer hofft „auf die emotionale Bindung zwischen Klubs, Sponsoren und Fans als stabilisierenden Faktor“. Die Lizenzen für 2020/21 müssen gleichwohl zum 24. Mai beantragt werden. „Mit möglichst seriösen Zahlen.“ Ob dann Gehälter für Topspieler in der DEL bis 350 000 Euro brutto pro Saison und bis 75 000 Euro in der DEL2 noch möglich sein werden?

Individualsportler

Von den Gehältern der Teamsportler können die meisten Individualisten nur träumen. Da ist der Sport im olympschen Sinn ein Hobby, finanziert von Eltern, Vereinen, lokalen Sponsoren, der Sporthilfe. „Wie viele Freiberufler und Selbstständige kommen auch Sportler in existenzbedrohende Situationen. Es fehlen Preisgelder als Einnahmequelle. Vereine und Sponsoren sind selbst in der Bredouille“, sagte Max Hartung, Präsident der Vereinigung Athleten Deutschland.

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