Erben melden Ansprüche an

Wirbel um Berner WM-Ball: In Kassel geplante Versteigerung geplatzt

Von der Masse getragen: Der deutsche Stürmer und Kapitän Fritz Walter (Mitte oben) mit dem gewonnenen WM-Pokal und sein Teamgefährte Horst Eckel (rechts oben) werden nach dem Sieg gegen Ungarn am 4. Juli 1954 im Berner Wankdorfstadion gefeiert. Foto:  dpa

Kassel. Zwei Spielbälle gab es 1954 beim Endspiel der Fußballweltmeisterschaft in Bern. Einer davon sollte am Samstag im Auktionshaus AGON-Sportsworld in Kassel versteigert werden - Stand Dienstag.

24 Stunden nachdem die Nachricht über die Agenturen lief, haben wir am Mittwoch auf Anfrage von Besitzer und Auktionator erfahren, dass das Angebot zurückgezogen wurde.

54.000 Euro Startpreis waren für die Bieter online und vor Ort angesetzt. Die Auktion sollte ab 11.30 Uhr live im Internet per Video übertragen werden. Doch dann meldeten sich laut Auktionator Wolfgang Fuhr die Erben des vorherigen Besitzers.

Die Geschichte des Balls

Der WM-Ball von 1954.

Der Ball gehört aktuell einem 65-jährigen Sammler aus Würselen bei Aachen. Er hatte dem Auktionshaus das Objekt zur Versteigerung angeboten. Sämtliche Belege für die Echtheit des WM-Finalballs lagen laut dem Auktionator vor. Einem beiliegenden lückenlosen Exposé zufolge ist der Ball vom Finale 1954 über mehrere Umwege an einen Sekretär des damaligen WM-Organisationskomitees gelangt: Andre Grandjean. Der heutige Besitzer bekam damals einen Tipp zum Aufenthaltsort des Balles und reiste 2004 zu Grandjean. Dort schloss er mit ihm einen Übergabevertrag ab und besitzt den Ball seitdem.

Der aktuelle Konflikt

Laut Auktionator Fuhr zweifeln die Erben Grandjeans nun diesen Vertrag an - dabei gehe es unter anderem um den hohen Preis des Balls, der bei der Versteigerung angesetzt wurde. Aber vor allem um eine bestimmte Klausel, „die besagt, ob der Sammler den Ball überhaupt weiterverkaufen darf. Das muss geklärt werden“, erläutert Fuhr. Da die Besitzverhältnisse momentan nicht eindeutig seien, wolle er „kein Risiko eingehen.“ Deshalb sei der WM-Finalball von der Auktion zurückgezogen worden.

Auf Nachfrage dieser Zeitung sagte der Sammler, dass der WM-Finalball aus „privaten Gründen nicht versteigert wird.“ Seine Motivation, den Ball versteigern zu lassen, beschrieb der 65-Jährige vor der geplatzten Auktion wie folgt: „Es ist an der Zeit. Ewig kann ich den Ball auch nicht behalten.“

Das Wunder von Bern

Das WM-Finale 1954 ging als das Wunder von Bern in die deutsche Geschichte ein. Die haushoch favorisierten Ungarn verloren am 4. Juli 1954 im Berner Wankdorfstadion gegen die Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland 2:3. Helmut Rahn schoss gleich zwei Tore für Deutschland - auch den Siegtreffer.

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