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Dänemark erwägt FIFA-Ausstieg – auch DFB-Präsident Neuendorf stellt sich gegen den Weltverband

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Von: Antonio José Riether

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Nach den Geschehnissen der letzten Tage stellt sich ein europäischer Verband offenbar gegen die FIFA und zieht einen Austritt in Erwägung. Auch der DFB steht dem Weltverband kritisch gegenüber.

München - In den vergangenen Tagen und Wochen unternahm der WM-Ausrichter FIFA vieles, um sein ohnehin schon fragwürdiges Image zu verschlechtern. So verbot der Fußball-Weltverband sieben europäischen Verbänden unter Androhung von Konsequenzen das Tragen der farbigen „One Love“-Binde und schmetterte jegliche Kritik an seinem Vorgehen ab. Aufgrund der eingeschränkten Meinungsfreiheit für Mitgliedsverbände stellt sich ein Verband nun offenbar gegen die FIFA – und erwägt einen Ausstieg, wie tz.de berichtet.

WM 2022: Fragwürdige FIFA-Entscheidungen befeuern Austritts-Gedanken des dänischen Verbandes

Bereits vor dem Start der WM wurde der dänischen Nationalmannschaft untersagt, ein bestimmtes Trainingsleibchen in Katar zu tragen. Die FIFA sah aufgrund des Aufdrucks „Menschenrechte für alle“ eine politische Botschaft. Während des Turniers blockierte der Weltverband auch Trikots und Aufwärmshirts der belgischen Nationalmannschaft, auch hier waren der Aufdruck „Love“ sowie die bunten Farben wohl zu politisch.

Ein Verband widersetzt sich nun offenbar den Repressionen der FIFA, die sich laut ihrer Statuten eigentlich zur Einhaltung aller international anerkannten Menschenrechte bekennt und sich zumindest auf dem Papier für diese einsetzt. So denkt der dänische Fußballverband Medienberichten zufolge über einen drastischen Schritt nach: den Austritt aus der FIFA.

Dänemark denkt über FIFA-Ausstieg nach - „Frage, wie Vertrauen wiederhergestellt werden kann“

Wie das britische Portal The Athletic berichtet, sei die DBU (Dansk Boldspil-Union) dazu bereit, sich vom mächtigen Weltverband zu lösen. „Das ist keine Entscheidung, die wir jetzt getroffen haben. Unsere Position ist schon seit Langem klar. Wir haben das im Norden schon seit August diskutiert“, wurde der Verbandsvorsitzende Jesper Möller zitiert.

Er könne sich vorstellen, „dass es Herausforderungen geben könnte, wenn Dänemark von sich aus geht“, meint Möller zu den Austritts-Überlegungen. „Aber mal sehen, ob wir nicht einen Dialog über die Dinge führen können. Ich muss über die Frage nachdenken, wie das Vertrauen in die Fifa wiederhergestellt werden kann“, stellt er klar.

Dänemark zieht FIFA-Ausstieg in Betracht - „Müssen eine Strategie entwickeln“

Die dänische Verbandsspitze stellt bereits Überlegungen über eine Zukunft außerhalb der FIFA an. „Wir müssen auswerten, was passiert ist, und dann müssen wir eine Strategie entwickeln – auch mit unseren nordischen Kollegen“, so Möller, der die Vorgehensweisen des Weltverbands als „inakzeptabel“ beschreibt.

Zudem betonte er, dass sich die DBU „entschieden von den Methoden der FIFA“ distanziere und zieht die Androhungen im konkreten Fall der „One Love“-Kapitänsbinde heran: „Allein die Tatsache, dass wir keine klare Antwort zu den möglichen Strafen bekommen haben, sagt doch alles.“

Dänischer Verband mit eindringlichem Appell - „Müssen jetzt reagieren“

Das Vertrauen zwischen den Dänen und der FIFA ist gebrochen. Die DBU machte neben dem möglichen Austritt auch keinen Hehl aus dem geplanten Vorgehen bezüglich der geplanten Wiederwahl des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Man wolle die Wiederwahl des Schweizers im März 2023 verhindern und „den derzeitigen Präsidenten nicht unterstützen“.

Der Appell der Dänen ist deutlich. „Wir müssen jetzt reagieren. Und wir haben das Gefühl, dass wir das wirklich müssen. Es ist zutiefst verwerflich, was da zuletzt passiert ist.“ Mit dem Wunsch nach Veränderung steht der dänische Verband sicherlich nicht alleine da.

WM 2022: DFB stellt sich klar gegen Weltverband - „Wir sind in der Opposition zur FIFA“

Auch der Deutsche Fußball-Bund machte kürzlich klar, dass er Gianni Infantino nicht unterstützen werde. „Die FIFA arbeitet mit Einschüchterung und Druck, das muss man zunächst konstatieren“, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf kürzlich in der ARD. „Ich stehe zu allem, was ich gesagt habe, zum Thema Menschenrechte. Wir sind in der Opposition zur FIFA, das ist ganz wichtig, dass das hier deutlich wird.“

Bernd Neuendorf (r.) und der DFB werden FIFA-Präsident Gianni Infantino nicht bei dessen Wiederwahl unterstützen.
Bernd Neuendorf (r.) und der DFB werden FIFA-Präsident Gianni Infantino nicht bei dessen Wiederwahl unterstützen. © Matthias Koch/imago

Bislang gibt es noch keine Andeutungen des DFB hinsichtlich eines Austritts aus der FIFA. Ein solcher Schritt wäre ohnehin nicht mit sofortiger Wirkung möglich. Nach Artikel 18 der FIFA-Statuten müsste der Ausstieg zum Ende eines Kalenderjahres eintreten, zudem müsste die passende Erklärung mit einer Vorlaufzeit von mindestens sechs Monaten vor Ende des Jahres abgegeben werden. Somit wäre ein Austritt zum kommenden Jahr nicht mehr möglich.

Sollte ein Verband tatsächlich aus der FIFA austreten, könnte das dazugehörige Nationalteam nicht mehr an FIFA-Wettbewerben teilnehmen. Allerdings könnten europäische Verbände als UEFA-Mitglieder noch an Wettbewerben des Kontinentalverbands mitwirken. (ajr)

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