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Iranische Spieler verweigern Hymne – Staatssender unterbricht WM-Übertragung

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Von: Richard Strobl

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Irans Nationalspieler bleiben bei der Nationalhymne stumm.
Irans Nationalspieler bleiben bei der Nationalhymne stumm. © IMAGO/JOEL MARKLUND

Beim WM-Auftakt in Katar setzt die iranische Nationalmannschaft ein politisches Zeichen – gegen die eigene Regierung. Die unterbrach daraufhin die TV-Übertragung.

Doha – Schon bei ihrem ersten Auftritt bei der Fußball-WM 2022 in Katar hat Irans Nationalmannschaft ein Statement der Solidarität zu den landesweiten Protesten geliefert. Die Spieler der Nationalmannschaft sangen beim WM-Auftaktspiel gegen England die Nationalhymne nicht mit. Die iranische Regierung reagierte umgehend.

WM 2022: Iran setzt in Katar Zeichen gegen eigene Regierung – „Klar für die Revolution“

Iranische Aktivisten sahen in der Gesangsverweigerung der Spieler eine Geste der Unterstützung für die landesweiten Proteste im Land. Sie hatten vor der Partie am Montag (21. November) auf eine Solidaritätsbekundung der Spieler gehofft. Auch die iranische Journalistin und Expertin Natalie Amiri ordnete die Aktion so ein – und teilte ein Video der Szene auf Twitter. Dazu schrieb sie: „Und kein einziger des iranischen Nationalteams hat gerade gesungen. Ein Statement, stumm, aber klar für die Revolution auf den Straßen im Iran“.

Der iranische Staatssender unterbrach daraufhin die Live-Übertragung bei der Hymne. Den Spielern könnten nun Konsequenzen drohen. Im Iran war spekuliert worden, dass sie möglicherweise gesperrt werden, sollten sie bei der Hymne schweigen.

Irans Nationalmannschaft bei der WM 2022 in Katar: Folgen weitere Statements?

Der iranische Kapitän Ehsan Hajsafi hatte am Sonntag sein Beileid für die trauernden Familien der Opfer im Iran ausgedrückt. Die Mannschaft habe zu akzeptieren, dass die Bedingungen im Land nicht gut und die Menschen nicht glücklich seien. Darüber seien sich die Spieler bewusst. Bei den landesweiten Protesten im Iran sind bislang nach Schätzungen von Menschenrechtlern mindestens 360 Menschen getötet worden. 

Der iranische Stürmer Mehdi Taremi hatte vor dem Turnier erklärt, die Mannschaft wolle sich in Katar nicht von den Protesten in der Heimat beeinflussen lassen. „Wir haben auch andere Aufgaben gegenüber der iranischen Gesellschaft, hier aber ist unsere Konzentration auf dem Fußball“, sagte er. 

Seit dem Tod der iranischen Kurdin Mahsa Amini Mitte September gibt es anhaltende systemkritische Proteste in der Islamischen Republik. Die junge Frau starb in Polizeigewahrsam, nachdem sie wegen Verstoßes gegen die islamischen Kleidungsvorschriften festgenommen worden war. Tausende zogen auf die Straßen. Nach Schätzungen von Menschenrechtler wurden im Zuge der Proteste Tausende Iranerinnen und Iraner festgenommen und Hunderte Menschen getötet. (rjs/dpa)

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand in der Überschrift, dass die Übertragung der WM-Partie abgebrochen worden sei. Dies war ein Fehler, der korrigiert wurde. Die Übertragung wurde lediglich unterbrochen.

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