WM-Affäre: Zwanziger attackiert Niersbach

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In der WM-Äffäre rund um die Fußball-WM 2006 entwickelt sich vor allem zwischen Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach eine Schlammschlacht.

Berlin - Die Aufarbeitung der ominösen Zahlung des DFB an die FIFA entwickelt sich zur Schlammschlacht zwischen Ex-DFB-Präsident Zwanziger und seinem Nachfolger Niersbach. Unterdessen leidet der Ruf Beckenbauers unter den Korruptionsvorwürfen.

Als Wolfgang Niersbach am 2. März 2012 einstimmig zum DFB-Präsidenten gewählt worden war, zählte sein Vorgänger Theo Zwanziger zu den ersten Gratulanten.

"Du wirst ein großartiger Präsident", rief Zwanziger dem bisherigen Generalsekretär damals zu. Worte, die heute von Zwanziger kaum mehr zu hören sind. "So wie ich das sehe, lügt Niersbach", sagte Zwanziger dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" mit Blick auf die Erklärungsversuche seines Nachfolgers hinsichtlich der ominösen Zahlung von 6,7 Millionen Euro aus dem Jahr 2005 an die FIFA und betonte: "Es ist eindeutig, dass es eine schwarze Kasse in der deutschen WM-Bewerbung gab."

Damit hat der Streit um die Aufarbeitung der dubiosen Geldflüsse im Vorfeld der Fußball-WM 2006 eine neue Ebene erreicht. Die Antwort der DFB-Verantwortlichen ließ nicht lange auf sich warten. "Wir hatten unter Zwanziger eine Angst- und Krisenkultur beim DFB", sagte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock in Dortmund bei der Eröffnung des Deutschen Fußballmuseums. "Man muss festhalten, dass er die Vorwürfe, die er erhebt, noch in seiner Amtszeit hätte angehen können. Wir stehen voll hinter Niersbach."

Aufklärung ist in diesen Tagen ein arg strapaziertes Wort. Einer, der Licht ins Dunkel bringen könnte, wäre der damalige Chef des Organisationskomitees, Franz Beckenbauer. Doch der Kaiser verweigert derzeit eine öffentliche Stellungnahme, will nur mit der DFB-Untersuchungskommission sprechen. Auch bei der Eröffnung des DFB-Museums blieb Beckenbauer abwesend.

Beckenbauers Ruf leidet laut einer Umfrage beträchtlich unter den Korruptionsvorwürfen. Zwei Drittel der Befragten stimmten der Aussage zu, dass entsprechende Berichte dem Image der Fußball-Legende schaden - unabhängig davon, ob die Vorwürfe zutreffen oder nicht. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Kommunikationsagentur Ketchum Pleon. YouGov hatte von Donnerstag bis Freitag 1023 Teilnehmer befragt. 60 Prozent der Befragten gehen demnach zudem davon aus, dass Beckenbauer maßgeblich in die Manipulation involviert war, sollten die Vorwürfe stimmen.

Doch auch wenn nachträglich ein Schatten auf die WM 2006 fällt, erinnert sich die Mehrheit der Deutschen gerne an das Turnier. Knapp zwei Drittel der Befragten gaben an, das "Sommermärchen" sei durch die Vorwürfe nicht zerstört. Die meisten Befragten lassen sich ihre WM-Erinnerung offenbar auch dadurch nicht verderben, dass sie Manipulationen bei der WM-Vergabe für plausibel halten: 55 Prozent gaben an, die Berichte des Nachrichtenmagazins "Spiegel" seien glaubwürdig.

dpa

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