Bundestrainer gesteht Fehler ein - Kommentar

WM-Analyse: Endlos-Monolog, Arroganz und kein Neuanfang

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Kassel. Endloser Monolog und schonungsloser Umgang mit sich selbst: Am Mittwoch ging es in einer Pressekonferenz des DFB um den blamablen WM-Rauswurf der Deutschen Mannschaft. Dazu ein Kommentar.

Viel hätte nicht gefehlt, und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff hätte in seinem belanglosen Endlos-Monolog zu diesem und jenem die komplette Veranstaltung zur Aufarbeitung des WM-Desasters in Grund und Boden geredet.

Das wäre in einem Punkt schade gewesen. Der Auftritt von Bundestrainer Joachim Löw zuvor war zumindest bemerkenswert im schonungslosen Umgang mit sich selbst. Löw redete Tacheles, als es um Löw ging. Er sprach von Arroganz. Davon, dass er die Spielweise der totalen Dominanz auf die Spitze treiben wollte. Dass er überzeugt gewesen sei. Und krachend gescheitert.

Löw nahm die Schuld für das Scheitern komplett auf seine Kappe. Wer mehr erwartet hatte in Sachen Neuanfang, der wurde allerdings enttäuscht. Löw und Bierhoff moderierten höchstens ein Neuanfängchen. Kleine Veränderungen beim Personal im Umfeld wie im Kader. Modifizierungen bei der Spielweise. Und, ach ja: „Die Mannschaft“ schreibt jetzt wieder Autogramme.

Natürlich stellt sich die Frage, wofür es da so viel Zeit zur Analyse brauchte. Umgekehrt gilt aber auch: Eine Revolution im deutschen Fußball war nicht zu erwarten. Die Nachricht lautet eher einmal mehr: Wir vertrauen in unsere Stärke. In das, was wir über Jahre erfolgreich betrieben haben. Löw bleibt sich treu. Und betont, dass das auch im Umgang mit den Spielern gelte. Denn: „Dialog ist mein Weg. Den werde ich beibehalten.“

Das wird auf einige Kritik treffen. Es zeugt aber von Mut. Löw will sich nicht verbiegen. Auch damit hat er den Druck, der beim Neuanfang auf ihm lastet, unermesslich erhöht. Mit der schonungslosen Selbstanalyse rückte sich der Bundestrainer selbst noch mehr in den Blickpunkt. Zumindest das verdient Respekt. 

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