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In den letzten Sekunden der WM-Sendung: ZDF setzt klares Zeichen gegen DFB-Team

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Von: Maximilian Kettenbach

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Manuel Neuer wird bei der WM in Katar keine „One Love“-Armbinde als Zeichen für Vielfalt und Toleranz tragen. Der DFB beugte sich damit der FIFA. Das ZDF reagierte darauf unmissverständlich.

Münchne – „Chris, ich habe dich heute schon genug gequält mit dem Thema, willst du noch etwas sagen?“, fragte Moderator Jochen Breyer den ZDF-Experten für die Fußball-WM 2022 in Katar, Christoph Kramer. Doch der winkte lachend ab, er habe alles zum (fast) alles beherrschenden, sportpolitischen Thema des Tages gesagt und sei einfach nur müde.

Deutschlands Manuel Neuer wird am Mittwoch gegen Japan nicht mit der „One Love“-Kapitänsbinde am Arm auflaufen, das wurde am Montagmittag bekannt und war die Botschaft des Tages. Sieben weitere Teams sind betroffen. Der DFB erklärte sich. Man müsse sich beugen, die Drohungen der Fifa seien gewaltig. Jeder Kapitän muss laut Statuten eine Binde tragen, die von der FIFA zur Verfügung gestellt wird. Neben persönlichen Strafen für die Kapitäne sind die Teams bei der WM 2022 andernfalls selbst vor Punktverlusten nicht sicher.

WM-Teilnehmer, welche die „One Love“-Kapitänsbinde tragen wollten:

„Binden“-Eklat bei WM: Breyer und ZDF setzen Zeichen

Während Kramer den DFB und das Team für dessen Rückzug immer wieder in Schutz nahm, das Hickhack um die Binde schon am Vortag als „Affentheater“ betitelte, wetterte Breyer im Laufe der Sendung mit Nachdruck gegen die Verbände, die jetzt kneifen. Auch gegen den DFB. Man müsse doch der FIFA irgendwann einmal Paroli bieten, forderte der ZDF-Mann. Er stellte auch in den Raum, ob nicht alle elf DFB-Akteure diese Binde tragen sollten. „Dann hätte die FIFA vor den Augen der Weltöffentlichkeit Farbe bekennen müssen“, so Breyer. Farbe bekannten er und sein ZDF-Team kurz darauf, am Ende der Live-Übertragung.

„Wir beenden die Sendung mit dem Bild des Tages, aus unserer Sicht“, setzte Breyer an. „Sieben europäische Verbände sagten: Wir verzichten auf den Protest, weil sportliche Sanktionen angedroht werden, während sich die iranischen Nationalspieler für den Protest entscheiden. Obwohl das, was ihnen droht, sehr viel schlimmer ist“, sagte Breyer. Die traditionellen Bilder des Tages, in denen sonst frohe Fans und schöne Tore zu sehen sind, zeigten nun die stummen Iraner während ihrer Hymne vor dem Spiel gegen England (2:6).

Ein klares Statement des Moderators und der Redaktion gegen die Haltung des DFB. Und gleichzeitig die Huldigung für den Mut der Iraner, die durch den Hymnen-Boykott ihre Solidarität mit den Protesten im Heimatland, die sich gegen das einheimische Regime richten, zum Ausdruck brachten. Nachdem der Staat dort immer aggressiver gegen Demonstrantinnen und Demonstranten vorgeht, kann man in etwa erahnen, was den Spielern bei einer Rückkehr blüht – trauen sie sich denn zurück.

„Binden“-Eklat bei WM: Politische Nebenschauplätze dominieren erste Turniertage

Für die FIFA sind die politisierenden Nebenschauplätze um die Fußball-WM herum eigentlich das, was ihr Präsident Gianni Infantino immer vermeiden wollte. Von den Verbänden forderte er bereits im Vorfeld in einem Brief, mit Kritik am Ausrichter Katar zu sparen. Tausende Todesfälle von Gastarbeitern rund um den Bau der WM-Stadien sorgen seit Jahren für Entrüstung, auch die Haltung Katars gegenüber der LGBTQ+-Gemeinde und zu Frauenrechten sind andauernde Debatten.

Die „One Love“-Binde sollte für Vielfalt, Offenheit und Toleranz sowie für Menschen- und Frauenrechte stehen und damit ein Statement gegen Homophobie, Antisemitismus und Rassismus sein.

Infantino, der sich noch bei der Eröffnungsfeier auf fast schon skurrile Art und Weise der Vielfalt verschrieb, macht mit dem Verbot tatsächlich Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani den Hof. Für Spiel eins scheint die Rückzugs-Entscheidung der sieben europäischen Verbände gefallen, doch die WM ist noch lange, und vielleicht nehmen sich Neuer & Co. in einem anderen Spiel zumindest noch ein kleines Beispiel am Mut der Iraner. Das wäre wohl auch im Sinne des ZDF-Duos Kramer und Breyer.

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