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Ungarns Adam Szalai beendet Nationalkarriere: Zum Abschied nochmal Deutschland ärgern

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Von: Björn Friedrichs

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Ungar aus vollem Herzen: Der langjährige Bundesliga-Stürmer Adam Szalai bestreitet seine letzten Länderspiele.
Ungar aus vollem Herzen: Der langjährige Bundesliga-Stürmer Adam Szalai bestreitet seine letzten Länderspiele. © Imago/eibner

Ungarns früherer Bundesliga-Stürmer Adam Szalai beendet seine Karriere in der Nationalmannschaft. Zum Abschluss will er aber zwei Großen nochmal ein Bein stellen.

Einmal noch Kapitän gegen Deutschland, einmal noch gegen Italien. Dann macht Adam Szalai Schluss mit der Nationalmannschafts-Karriere. Der ungarische Stürmer, der jahrelang auch in der Fußball-Bundesliga auf Torejagd ging, will zum Abschied von der internationalen Bühne ein letztes Mal die Großen ärgern – und seinem Land die Qualifikation zum Finalturnier der Nations League schenken. Gegen die DFB-Elf soll dafür heute (20.45 Uhr, ZDF) etwas Zählbares her.

Die Karriere des 34-Jährigen ist eine mit vielen Aufs und Abs. Dabei ging es anfangs vor allem steil bergauf. Szalai begann seine Laufbahn in der ungarischen Hauptstadt Budapest. 2004 wurde der VfB Stuttgart auf den damals 16-Jährigen aufmerksam, holte ihn in die A-Jugend. Mit der U19 wurde Szalai direkt Deutscher Meister. Die Frage, wer wohl im Finale gegen den VfL Bochum das entscheidende 1:0 erzielte, erübrigt sich. Drei Jahre blieb er bei den Schwaben, dann holte ihn das große Real Madrid in seine zweite Mannschaft. Der Durchbruch bei den Königlichen gelang Szalai aber nicht.

Adam Szalai: Sein Durchbruch gelang in Mainz

Deshalb folgte 2010 die Rückkehr nach Deutschland, nach Mainz – für Szalai und die Rheinhessen eine Erfolgsgeschichte. Mit Andre Schürrle und Lewis Holtby bildete Szalai damals die sogenannten Bruchweg-Boys, sie schossen die Mainzer mit sieben Siegen zum Saisonstart an die Tabellenspitze. Die 05er rutschten bis zum Saisonende noch auf Platz fünf ab – wohl auch, weil sich Szalai zum Start der Rückrunde das Kreuzband riss.

Nichtsdestotrotz wurde der 1,93 Meter große Stürmer 2011 und 2012 Ungarns Fußballer des Jahres. Szalai war in der Bundesliga noch für Schalke, Hoffenheim, Hannover und erneut Mainz aktiv. Aus seiner zweiten Zeit beim FSV bleibt vor allem in Erinnerung, dass ihn Trainer Achim Beierlorzer aus dem Kader verbannte und Szalais Teamkollegen daraufhin das Training bestreikten. Das zeigt wiederum, welchen Stand der Stürmer trotz immer mal wieder ausbleibender Tore bis zu seinem Abschied Anfang dieses Jahres in seiner Mannschaft genoss. Seit Februar spielt er nun in der Schweiz für den FC Basel.

In Deutschland belächelt, in Ungarn geliebt

In Deutschland wurde Szalai aufgrund seines kleiderschrank-ähnlichen Körperbaus und der eher rustikalen Spielweise immer etwas belächelt. Ein durchschnittlicher Bundesliga-Stürmer eben, nichts Besonderes. Fragt man aber die Ungarn nach dem Kapitän ihrer Nationalmannschaft, wird man ein anderes Meinungsbild bekommen.

Mit dem Einsatz gegen die DFB-Elf wird Szalai sein 85. Länderspiel bestreiten und so mit einem gewissen Ferenc Puskas gleichziehen. Mit einem Auftritt gegen Italien am Montag würde er noch mit dem legendären Torhüter Gyula Grosics, der wie Puskas zur Goldenen 54er-Elf der Ungarn zählte, auf der 86-Spiele-Stufe stehen.

Matthäus lobt Ungarn

Zum Abschied wird sich Szalai nichts mehr wünschen, als mit Deutschland und Italien noch einmal zwei Große des Weltfußballs zu ärgern. So wie es die Ungarn schon in den bisherigen vier Nations-League-Spielen getan haben: zwei Siege gegen England (darunter ein 4:0 auswärts), ein 1:1 gegen Deutschland, dazu eine knappe Niederlage in Italien. Neben Szalai sind vor allem die Bundesliga-Akteure Peter Gulacsi, Willi Orban, Dominik Szoboszlai (alle RB Leipzig) und der aktuell verletzte Roland Sallai (SC Freiburg) Leistungsträger.

Und die Chancen Szalais, Deutschland zum Abschied noch einmal zu ärgern, stehen nicht schlecht. Von den 13 Duellen seit 1972 gingen sechs unentschieden aus, dreimal gewannen die Ungarn – zuletzt allerdings 2004 unter dem damaligen Trainer Lothar Matthäus. Der schwärmte zuletzt von seiner früheren Station: „Es ist schon ein Wahnsinn, was da in Ungarn passiert. Sie haben nicht die ganz großen Namen, sondern kommen übers Kollektiv und spielen mit Leidenschaft.“ Und da geht der scheidende Kapitän Szalai vorneweg.

Von Björn Friedrichs

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