Am Mittwoch gegen Nordmazedonien

Zwei Spiele, null Gegentore: Die deutsche Abwehr wackelt trotz vieler Ausfälle derzeit weniger

Antonio Rüdiger.
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Wird er der neue Abwehrchef? Antonio Rüdiger hat seine Leistung in den vergangenen Monaten stabilisiert.

Seit der verkorksten Weltmeisterschaft 2018 in Russland war es der deutschen Fußball-Nationalmannschaft genau zweimal gelungen, zwei Spiele hintereinander ohne Gegentor zu bleiben.

Kassel – Im Juni und Oktober/November 2019 war das. Beide Male hießen die Gegner in der EM-Qualifikation Estland und Weißrussland. In allen weiteren Partien stand beim Team von Bundestrainer Joachim Löw überhaupt nur dreimal die Null.

Dabei liegt diese WM bald drei Jahre zurück. Es ist also halbwegs bemerkenswert, dass es das DFB-Team nun wieder geschafft hat, zweimal in Folge ohne Gegentreffer auszukommen. Auf das 3:0 gegen Island am vergangenen Donnerstag folgte am Sonntagabend ein 1:0 (1:0) gegen Rumänien.

Mehr als zwei Spiele ohne Tor des Gegners? Da muss der geneigte Statistiker schon ein wenig graben. Nach der EM 2016 schaffte Löws Mannschaft das. Vom 2:0 gegen Finnland bis zum 1:0 gegen England wurden es sogar sieben Partien, in denen der Ball nie im deutschen Tor lag. Ander als heute oder zuletzt 2019 hießen die Gegner da aber auch mal Italien oder eben England.

Womit die Zweifler Futter bekommen. Die Siege gegen ein alterndes Island und ein durchschnittliches Rumänien können mitnichten als Maßstab genommen werden, wenn darüber gesprochen wird, dass die Abwehr endlich wieder sattelfester daherkommt. Dennoch: Die größte Baustelle der vergangenen Jahre war auch die größte vor diesen Spielen. Nach den Ausfällen von Robin Gosens, Marcel Halstenberg und Niklas Süle war die deutsche Defensive ausgedünnt wie das Haar nach einem Friseurbesuch. Von rechts nach links standen Lukas Klostermann, Matthias Ginter, Antonio Rüdiger und Emre Can gegen Island und Rumänien über die volle Distanz auf dem Feld. Die Alternativen auf der Bank hießen Philipp Max und Jonathan Tah. Joshua Kimmich hätte noch als Rechtsverteidiger aushelfen können.

Kimmich – Mr. Ballkontakt – ist aus dem Mittelfeld kaum noch wegzudenken. Und überhaupt: Weil Fußball-Deutschland gerade von der Zentrale mit Leon Goretzka und Ilkay Gündogan verzückt ist und auch Kai Havertz sein Können aufblitzen ließ, wurde viel über die Offensive geredet. In der Leroy Sané und Serge Gnabry ja ohnehin gesetzt sein dürften. Gnabry erzielte gegen Rumänien den einzigen Treffer (16.) und sorgte dafür, dass die vielen vergebenen Chancen am Ende nicht ins Gewicht fielen. Die Bilanz des 25-Jährigen ist ohnehin beeindruckend. In 19 Länderspielen war er an 21 Treffern beteiligt (15 Tore, sechs Vorlagen).

Dass das Auslassen bester Möglichkeiten keine Punkte kostete, hatte aber auch mit der Defensive zu tun. Sicher, in der Schlussphase der Partie wurde dann doch noch mal ein wenig gezittert, kamen die Rumänen zu Chancen. Doch vor allem einer lässt hoffen: Antonio Rüdiger könnte endlich zur ersten richtigen Abwehrkonstante nach den Ausmusterungen von Mats Hummels und Jérome Boateng werden. Dass der Ex-Stuttgarter großes Potenzial hat, ist kein Geheimnis. Gerade in der Nationalmannschaft war Rüdiger aber häufig fehlerhaft unterwegs. Doch mit dem Selbstvertrauen, dass er als Stammspieler unter Thomas Tuchel beim FC Chelsea gesammelt hat, zeigt der 28-Jährige, wie wichtig er sein kann.

Für die zweite Stelle in der Innenverteidigung hat Bundestrainer Löw, der nun zweimal auf eine Viererkette setzte und den häufig wackeligen Versuch einer Dreierabwehr zunächst beendete, mehrere Optionen. Er kann weiterhin auf den soliden Ginter bauen. Er kann hoffen, dass Süle demnächst fit bleibt und zu alter Form findet. Er kann Hummels zurückholen. Er könnte aber auch den formstarken Marvin Friedrich nominieren. Letzteres ist bei den wenigen Spielen bis zur EM aber nun eher unwahrscheinlich geworden.

Bei allen Optionen ist es eine Erleichterung, dass Löw in Rüdiger nun schon mal einen gefunden hat, auf den er sich verlassen kann. Gegen Nordmazedonien morgen soll nun bestenfalls das dritte Spiel ohne Gegentor folgen. (Maximilian Bülau)

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