Hertha empfängt BVB

Zwischen Anfang und Ende: Ist Klinsmanns Debüt Favres Abschied?  

+
Jürgen Klinsmann

Kassel – Für Lucien Favre begann die Zeit als Trainer in der Fußball-Bundesliga in Berlin. Heute könnte sie dort enden.

Vorerst. Für den Coach von Borussia Dortmund gibt es in der Partie bei seinem Ex-Klub Hertha BSC (15.30 Uhr/Sky) wohl nur zwei Möglichkeiten: Trendwende oder Abschied.

Geht es nach Jürgen Klinsmann, dann stehen die Zeichen auf Abschied. Er wünscht es Favre nicht, das betonte er vorab. Aber der 55-Jährige möchte natürlich ein erfolgreiches Debüt feiern – als Trainer der Hertha. Gerade erst in den Aufsichtsrat berufen, übernahm Klinsmann in der vergangenen Woche das Amt des entlassenen Ante Covic. Und er könnte gleich für die nächste Entlassung sorgen. Der BVB und die Berliner befinden sich beide in einer Krise. Die Trainer sind eigentlich dafür gemacht.

Der 62 Jahre alte Favre hatte seine beste Zeit, als er in einer dunklen Stunde half. Nachdem er die Berliner erst auf den vierten Platz in der Bundesliga geführt hatte, den anschließenden Saisonstart aber verpatzte, wurde er im September 2009 entlassen. Anderthalb Jahre später verpflichtete ihn Borussia Mönchengladbach.

Die Fohlen standen nach 22 Spielen am Tabellenende, hatten sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Favre holte mit der Mannschaft aus den letzten zwölf Spielen 20 Punkte und schaffte über die Relegation schließlich noch den Klassenerhalt. Es folgte ein Höhenflug, der das Team bis in die Champions League führte. Als der Schweizer 2015 zu Saisonbeginn sechs Spiele in Folge mit Gladbach verlor, bot er seinen Rücktritt an. Das Angebot wurde abgelehnt, Favre ging dennoch.

Seitdem gibt es immer wieder Witze, deren Inhalt knapp zusammengefasst lautet: Läuft es für Favre bei einem Verein nicht rund, hat er den nächsten Flieger schon gebucht und macht sich vom Acker. In Mönchengladbach nahmen ihm viele den freiwilligen Abgang übel, warfen ihm Egoismus vor. Er habe den Verein im Stich gelassen, hieß es von vielen Seiten. In Dortmund hat Favre den Zeitpunkt für einen freiwilligen Abgang wohl verpasst.

Sein Gegenüber heute, Jürgen Klinsmann, hat nicht nur einen Verein aus der Krise geführt, sondern ein ganzes Land. Als die deutsche Nationalmannschaft bei und nach der EM 2004 eine ihrer dunkelsten Stunden erlebte, da kam Klinsmann und hauchte einer Fußball-Nation neues Leben ein. Als alle forderten, dass er nach dem Sommermärchen 2006 seinen Vertrag verlängern soll, ging der ehemalige Topstürmer freiwillig. Anders als Favre verließ er die Mannschaft aber nicht am Tiefpunkt. Übel nahm ihm das keiner.

Zwei Jahre später wurde Klinsmann Trainer des FC Bayern. Er hielt allerdings nicht einmal eine Spielzeit durch und vollbrachte das Kunststück, mit den Münchnern nie Tabellenführer gewesen zu sein. Es folgte eine lange Periode als Nationaltrainer der USA. Und nun – nach zehneinhalb Jahren – ist er zurück in der Bundesliga. Nur acht Trainer kamen nach einer längeren Pause zurück ins deutsche Fußball-Oberhaus.

Favre und Klinsmann können eine Krise managen, das haben sie bewiesen. Aber: Sie schafften das bislang, wenn sie kamen, als Verein oder Land am Boden waren. Wenn sie selbst in unruhige Fahrwasser gerieten, blieben die Lösungen aus. Insofern ist Klinsmann heute im Vorteil.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.