Kreis Göttingen

Gerupfter Wettkampfkalender bei Leichtathleten

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Familiäre Atmosphäre: Bei den leichtathletischen Wettbewerben auf Kreisebene kommen Ehrgeiz und der Spaß an der Freude zu ihrem Recht. Foto:

Wie in allen anderen Sportarten stehen auch in der Leichtathletik wegen der Corona-Pandemie Trainings- und Wettkampfbetrieb seit Wochen still. Über die aktuelle Situation sprachen wir mit der Vorsitzenden des NLV-Kreises Göttingen, Corinna Klaus-Rosenthal.

Frau Klaus-Rosenthal, wie geht es Ihnen persönlich in dieser außergewöhnlichen Zeit?

Corinna Klaus-Rosenthal: „Gesundheitlich geht es mir sehr gut und wir hatten noch keine Probleme mit Corona im Familien- oder Bekanntenkreis. Da ich in einer kleinen Stadt mit viel Natur drumherum lebe, empfinde ich die Einschränkungen auch nicht als sehr belastend. In einer Großstadt sähe das sicher ganz anders aus.“

Was hören Sie aus den Vereinen? Wie ist die Stimmung unter den Leichtathleten im Kreis?

Klaus-Rosenthal: „Nicht so toll. Was die Trainingsmöglichkeiten angeht, stellt die Sperrung der Sportanlagen natürlich eine arge Einschränkung dar. Obwohl Leichtathleten Individualsportler sind, wird ja üblicherweise in Gruppen trainiert, was besonders bei Kindern und Jugendlichen wichtig für die Motivation ist. In den Osterferien waren zudem Trainingslager geplant, die allesamt ausgefallen sind. Unter diesen Umständen ist es natürlich sehr schwer, die Form zu halten oder sogar zu verbessern.“

Wie wird aktuell überhaupt trainiert?

Klaus-Rosenthal: „Viele Vereine haben individuelle Trainingspläne verschickt. Bei meinem Heimatverein, dem DSC Dransfeld, schicken die Kinder dann Fotos oder Filmchen zurück, die sie beim Training im eigenen Garten oder irgendwo in der Natur zeigen. Inwieweit die Vorgaben der Trainer jedoch tatsächlich umgesetzt werden, kann in dieser Zeit niemand kontrollieren. Und das herkömmliche Training kann dadurch sowieso nicht ersetzt werden.“

Wie halten Sie sich selbst gerade fit?

Klaus-Rosenthal: „Ich fahre viel Rad, jogge hin und wieder und mache selbst die Übungen, die wir den Kindern geben.“

Welche Auswirkungen hat Corona auf den Veranstaltungskalender der regionalen Leichtathleten?

Klaus-Rosenthal: „Da sieht es ganz schlimm aus! Der für Ende April geplante Saisonstart fällt komplett ins Wasser und der Niedersächsische Leichtathletikverband hat gerade entschieden, dass es bis zum 30. Juni keine Wettkämpfe geben wird. Das heißt unter anderem, dass die für Ende Mai geplanten Regionalmeisterschaften ebenso ausfallen oder zumindest verschoben werden müssen wie die dreitägige Landesmeisterschaft in Göttingen.“

Jetzt mal weg von Corona. Die Leichtathletik im Altkreis Münden befindet sich seit Jahren auf Talfahrt. Warum?

Klaus-Rosenthal: „Dafür gibt es nicht nur einen Grund. Zunächst einmal ist da die gesamtgesellschaftliche Entwicklung zu nennen. Die Interessen der Kinder und Jugendlichen ändern sich, an den Schulen wird der Sportunterricht gekürzt, es fehlt oft die nötige Motivation durch die Eltern und die allgemeine Belastung in der Schule ist sehr hoch. Hinzu kommt, dass es in den Vereinen immer weniger gute Trainer und ehrenamtliche Betreuer gibt. Wenn dann auch noch die Infrastruktur zunehmend schlechter wird, braucht man sich über die Entwicklung nicht zu wundern. Gute Beispiele dafür sind der Sportplatz Lange Trift in Dransfeld und das Stadion am Mündener Rattwerder, wo seit Jahren nichts mehr in die Leichtathletikanlagen investiert wurde.“

Was kann man dagegen tun?

Klaus-Rosenthal: „Jede der eben genannten Schrauben wieder ein Stück in die andere Richtung drehen. An der Leichtathletik selbst liegt es definitiv nicht. Dieser Sport ist so vielfältig, dass man Kinder und Jugendliche leicht dafür begeistern kann. Es ist alles nur eine Frage der Förderung…“

Wie ist die Situation bei Ihrem Heimatverein DSC Dransfeld, wo Sie seit fast 30 Jahren die Leichtathletiksparte leiten?

Klaus-Rosenthal: „Wir können uns nicht beklagen. Ich habe das große Glück, mit vier ausgebildeten Übungsleiterinnen und zwei Übungsleiterhelferinnen ein tolles Team um mich herum formiert zu haben.

Wir trainieren etwa 80 Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 18 Jahren. Ohne gutes Personal wäre eine solch positive Entwicklung gar nicht möglich.“

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