So war das Spiel am 3. Juli 1974

Deutschland gegen Polen: Erinnerung an Sieg beim Wasserball

Wasserball: Jan Domarski gegen Franz Beckenbauer (rechts). Foto: dpa

Kassel. Am Freitag um 20.45 Uhr wird in der Commerzbank-Arena Frankfurt das EM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Polen angepfiffen. Die Partie weckt Erinnerungen an den 3. Juli 1974.

DAS WETTER 

Das entscheidende Spiel der zweiten Gruppenphase soll um 16 Uhr angepfiffen werden, doch der Wettergott hat offenbar keine Lust auf Fußball. Es regnet wie bei der biblischen Sintflut, und das Frankfurter Waldstadion hat noch keine Rasenheizung. Ein Wasserballspiel könnte vielleicht ausgetragen werden, aber an Fußball ist nicht zu denken. Andererseits haben die Organisatoren nicht viel Zeit. Am Sonntag soll in München das Finale stattfinden, und das Spiel um den dritten Platz ist bereits für den Samstag vorgesehen.

DIE SISYPHUSAUFGABE

Das geflügelte Wort Sisyphusaufgabe steht für eine sinnlose und dabei schwere Tätigkeit ohne absehbares Ende. Nun sind die Helfer, die mit Walzen ausgestattet werden, alle ein bisschen Sisyphus. Man kann es auch puren Aktionismus nennen, dass die Geräte kreuz und quer über den Rasen des Waldstadions geschoben und gezogen werden, denn eines steht fest: Das Wasser wird nicht verschwinden. Auch um halb fünf – eine halbe Stunde nach dem vorgesehenen Spielbeginn – ist der Platz noch unbespielbar, aber Schiedsrichter Erich Linemayr aus Österreich pfeift an.

DER SPIELVERLAUF 

Die Partie, die dazu dienen soll, einen der beiden Finalisten zu ermitteln, wird zum Glücksspiel, bei dem Deutschland die bessere Ausgangsposition hat, denn Beckenbauer und seinen Kollegen reicht ein Unentschieden, um sich für das Endspiel zu qualifizieren. Aber die Taktik wird ebenso wie die Technik zur Nebensache, und Franz Beckenbauer wird später sagen, dass der Wolkenbruch ein Glücksfall für die deutsche Mannschaft war, da die Wassermassen das akkurate Kurzpassspiel der Polen verhindert hätten.

Dennoch hat die polnische Mannschaft mehr Torchancen, aber Deutschlands Torwart Sepp Maier fühlt sich in der Seenlandschaft vor seinem Gehäuse offenbar äußerst wohl und lässt keinen Gegentreffer zu. Obwohl das 0:0 einem Sieg gleichgekommen wäre, wollen auch die deutschen Spieler ein Tor erzielen und haben dazu in der 53. Minute eine große Chance, aber Polens Torwart Jan Tomaszewski pariert den von Uli Hoeneß schwach geschossenen Elfmeter.

Dass der Schütze des goldenen Tores schließlich Gerd Müller heißt, ist bestimmt kein Zufall, denn Deutschlands Torjäger kommt auf dem unbespielbaren Rasen verhältnismäßig gut zurecht. Als ihm in der 75. Minute der Ball vor seinen rechten Fuß fällt, schießt Müller flach in die – vom Schützen aus gesehen – linke Ecke. Deutschland gewinnt 1:0 und steht im Endspiel.

DIE STATISTIK 

Deutschland: Maier - Vogts, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Breitner - Hoeneß, Bonhof, Overath - Grabowski, Müller, Hölzenbein

Polen: Tomaszewski - Szymanowski, Gorgon, Zmuda, Musial - Kasperczak (80. Cmikiewicz), Deyna, Maszczyk (80. Kmiecik) - Lato, Domarski, Gadocha

Schiedsrichter: Linemayr (Österreich) - Z: 62 000

Tor: 1:0 Müller (76.)

Besonderes Vorkommnis: Tomaszewski hält einen Elfmeter von Hoeneß (53.)

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