St. Paulis Innenverteidiger mit Schwälmer Wurzeln fällt mit einer Knieverletzung aus

Gonther – der große Pechvogel

Derzeit muss er zuschauen: Die 2. Liga startet nach der Winterpause ohne Sören Gonther (rechts). Foto: dpa

Kassel. Es gibt Sportler, die eine komplette Karriere ohne das geringste Zipperlein durchziehen, es gibt aber auch Athleten wie Sören Gonther, die man Pechvögel nennt. Zur Verletzungsmisere des gebürtigen Schwälmers passt die dürre Meldung, die gestern von der Agentur Sportinformationsdienst verbreitet wurde. „Mannschaftskapitän Sören Gonther wird dem Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli mehrere Wochen lang nicht zur Verfügung stehen. Der 29 Jahre alte Abwehrspieler erlitt im Training einen Außenbandanriss im rechten Knie.“

Manche Sportler hadern, wenn ihnen so viel Unheil widerfährt, aber Sören Gonther sagt: „Die Erfahrung lehrt, dass es keinen Sinn hat zurückzublicken. Ich schaue nach vorn, konzentriere mich auf die Rehamaßnahmen und versuche, so schnell wie möglich wieder topfit zu sein.“

Wohl dem, der mit 29 schon so ein vernünftiger Mensch ist, aber Gonthers bemerkenswerte Einstellung hat wohl auch etwas mit seiner Krankengeschichte vor diesem aktuellen Trainingsunfall zu tun. Das Jahr 2012 hatte kaum begonnen – Gonthers Klub SC Paderborn war in den Zweitligaabstiegskampf verwickelt – da war es für den in Schrecksbach aufgewachsenen Innenverteidiger sportlich bereits beendet.

Damals war die Diagnose viel schwerwiegender als gestern, denn in Gonthers linkem Knie war das Kreuzband gerissen. „Wer so eine Verletzung erlitten und schließlich überwunden hat, der lässt sich von einem vergleichsweise harmlosen Außenbandanriss nicht umwerfen“, sagt Gonther, der – praktisch in einem Aufwasch – auch noch den Muskelbündelriss in der Wade vom letzten Jahr erwähnt.

Aber zurück ins Jahr 2012: Damals hatte sich Gonther schon vor seiner schweren Verletzung zu einem Vereinswechsel entschlossen, und der FC St. Pauli hatte plötzlich einen Invaliden an der Angel. Der Klub und der Spieler aber haben den damaligen Transfer nie bereut. Als Sören Gonther zu Beginn des Jahres 2013 wieder fit war, wurde er bald zu einer festen und unverzichtbaren Größe in der Abwehr der Hamburger. Und er blickte auch nicht im Zorn zurück, als sein ostwestfälischer Ex-Klub wenig später zu seinem Höhenflug ansetzte, der ihn vorübergehend in die erste Liga katapultierte.

Trotz aller Rückschläge: Auch mit 29 hat Sören Gonther, der von 2004 bis 2007 für den KSV Baunatal in der Hessenliga kickte, noch Träume und Ziele. „Ich will bald in der ersten Liga Fußball spielen“, sagt der Schwälmer, der den folgenden Fahrplan im Kopf hat. Zunächst heißt es, sich durch die Reha zu quälen, und dann wird mit dem FC St. Pauli das Unternehmen Aufstieg anvisiert.

Aber was wird sein, falls die Hamburger ihr Ziel verfehlen? Darüber hat sich Gonther noch keine Gedanken gemacht. Er sagt nur: „Mein Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2017.“

Von Gerd Brehm

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