"Komplett unseriös"

Große Zweifel an Furys Comeback-Plänen

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Tyson Fury bezwang überraschend Wladimir Klitschko.

Manchester/Berlin - Der suspendierte Ex-Weltmeister Tyson Fury plant offenbar sein baldiges Comeback, doch realistisch ist das nicht. Kritik kommt deswegen vor allem aus Deutschland.

Sensationelle Rückkehr oder nur ein schlechter Scherz? Mit seinen diffusen Comeback-Andeutungen hat der tief gefallene Ex-Weltmeister Tyson Fury die Boxszene wieder einmal in Aufruhr versetzt. Scheinbar will der Klitschko-Bezwinger bereits am 13. Mai wieder in den Ring steigen, doch das ist in vielerlei Hinsicht unwahrscheinlich.

Der positive Kokain-Test, die entzogene Lizenz, die körperliche Fitness, die psychischen Probleme - vieles spricht derzeit dafür, dass es sich bei Furys Ankündigungen auf Twitter um einen Etikettenschwindel handelt. "Ich nehme es mit allen von euch Pennern auf. Haltet meine Gürtel warm, sie gehören dem König. Wer auch immer sie hat, ich werde zu dir kommen. Ob groß oder klein", schrieb der noch unbesiegte Schwergewichtler.

Am Dienstagmittag brachte Fury zwei Namen ins Spiel, dazu postete er ein Bild des WM-Gürtels der Boxzeitschrift The Ring: "Ich werde zwei Menschen die Chance geben, das zu gewinnen: Tony Bellew und Deontay Wilder. Wer es will, kann es mich wissen lassen."

Totaler Blödsinn

Bellew hatte am Wochenende seinen britischen Landsmann David Haye überraschend besiegt, Wilder ist aktueller WBC-Weltmeister. Dass bereits Verhandlungen über einen Kampf laufen, lassen auch Tweets seines Promoters Frank Warren erahnen: "Der Mann, der die Klitschko-Herrschaft beendet hat, der echte Schwergewichts-König, kommt, um seine Krone zurückzuholen." Peter Fury, Trainer und Onkel des Boxers, hatte zuletzt verraten, dass der Ex-Champion vor Weihnachten wieder angefangen hat, im Gym zu trainieren.

Trotzdem kann Thomas Pütz angesichts der Comeback-Gedanken nur mit dem Kopf schütteln, der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB) wettert heftig gegen den britischen Bad Boy. "Es ist totaler Blödsinn, dass er in so kurzer Zeit all seine Probleme lösen kann und auch noch einigermaßen fit wird. Das ist komplett unseriös. Ich gehe jede Wette ein, dass das nur ein schlechter Scherz ist", sagte Pütz dem SID: "In Deutschland wird Fury jedenfalls nicht boxen, das würden wir nicht erlauben."

Fury ist durch den britischen Profiboxverband (BBBofC) vorsorglich die Lizenz entzogen worden. Er war im September 2016 kurz vor dem geplanten Rückkampf gegen Klitschko positiv auf Kokain getestet worden. Später hatte er in einem Interview mit dem Magazin Rolling Stone den Kokainkonsum und Selbstmordgedanken zugegeben. Bereits im Frühjahr 2015, also vor dem WM-Kampf gegen Klitschko, waren bei Fury erhöhte Werte der verbotenen Substanz Nandrolon gefunden worden.

Kein Kommentar aus dem Klitschko-Lager

Ein Termin für eine offizielle Anhörung vor der britischen Anti-Doping-Behörde steht noch immer aus. Auch deswegen glaubt Pütz nicht an ein Comeback noch in diesem Jahr: "Glaubt Fury etwa, er kommt ungeschoren davon? Die Show gehört ja zum Profiboxen dazu, aber Fury erinnert mich immer mehr an Wrestling."

Aus dem Lager von Wladimir Klitschko, der nach seiner überraschenden Niederlage im November 2015 gegen Fury nun am 29. April mit einem Sieg gegen Anthony Joshua wieder den WM-Thron besteigen will, wollte man keinen Kommentar zu dem Thema abgeben. Dafür würde sich ein anderer Klitschko-Rivale, der Brite David Haye, über eine Rückkehr von Fury freuen: "Ich denke, dass das Boxen mit ihm mehr Spaß macht als ohne ihn."

sid

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