Das deutsche Eishockey-Team vorm Halbfinale

Experte Basti Schwele: „Halte nichts mehr für unmöglich“

Deutschlands Leon Gawanke (links) jubelt mit seinen Teamkollegen über seinen 2:2-Ausgleich in letzter Minute. Die Eishockey-Nationalmannschaft spielt heute im WM-Halbfinale gegen Titelverteidiger Finnland.
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Deutschlands Leon Gawanke (links) jubelt mit seinen Teamkollegen über seinen 2:2-Ausgleich in letzter Minute. Die Eishockey-Nationalmannschaft spielt heute im WM-Halbfinale gegen Titelverteidiger Finnland.

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft steht nach dem spannenden 3:2-Erfolg gegen die Schweiz nach Penaltyschießen im WM-Halbfinale. Da wartet heute Titelverteidiger Finnland.

Wir haben mit Sport1-Kommentator und Experte Basti Schwele gesprochen – über die Aufholjagd gegen die Schweiz und die Chancen gegen Finnland (17.15 Uhr, Vorberichte bei Sport1 ab 16.30 Uhr).

Der Rückstand

0:2 lag das DEB-Team bis kurz vor Ende des zweiten Drittels gegen die Schweiz zurück, Ramon Untersander und Fabrice Herzog hatten getroffen.

„Unser Team kam nicht richtig gefährlich vor das Tor, hat nicht in Position gefunden. Das Problem zieht sich ein bisschen seit der 2:3-Niederlage in der Vorrunde gegen Kasachstan durch das Turnier“, sagt Schwele.

Die Aufholjagd

„Das ist eine Stärke der deutschen Mannschaft: Sie hat Selbstvertrauen, spielt variabel, kann Rückstände aufholen“, so Schwele. Tom Kühnhackls 1:2 (38.) war der Beginn einer deutschen Druckphase im kompletten Schlussabschnitt. „Nach dem 1:2 hat mein Kollege Rick Goldmann zu mir gesagt, dass die Deutschen jetzt noch mal richtig aufdrehen werden. Und dann spielen die Jungs tatsächlich so ein sensationelles letztes Drittel. Die Schweiz ist zu passiv geworden, obwohl sie international eigentlich einen Schritt weiter ist als unser Team“, sagt Schwele.

44 Sekunden vor Spielende schoss Leon Gawanke dann bei Sechs-gegen-Fünf den 2:2-Ausgleich. „Da habe ich vor Freude in der Kommentatorenbox meinen Stift weggeworfen, den suche ich noch immer“, erzählt Schwele mit einem Lachen.

Die Verlängerung

In der Verlängerung fielen keine Tore, Lukas Reichel hatte nach einem Alleingang die Entscheidung für das DEB-Team auf dem Schläger. Zweimal rettete Torwart Matthias Niederberger stark.

„Wenn man sieht, mit welchem Selbstverständnis die jungen Reichel und John-Jason Peterka bei ihrer ersten WM auch in so einem Spiel auftreten, dann ist das schon eine neue, große Qualität“, sagt Schwele.

Das Penaltyschießen

Je zwei Schützen vergaben die ersten Penaltys, dann traf Timo Meier für die Schweiz. Druck also für Deutschland? Nicht für NHL-Spieler Dominik Kahun, der direkt ausglich. „Das ist ein abgebrühter Hund, er hat die Nationalmannschaft schon bei der WM 2017 mit einem Penalty gegen die Slowakei zum Sieg geschossen“, erinnert sich Schwele.

Als letzter Deutscher verwandelte Marcel Noebels dann wunderschön zum 3:2-Sieg. „Der Noebi ist angeschlagen in das Spiel gegangen und zaubert dann da so einen Penalty auf das Eis. Das war der Wahnsinn. Marcel hat bis 2019 immer in der vierten Reihe, also der Arbeiterreihe, gespielt. Seine Entwicklung sucht seinesgleichen“, sagt Schwele.

Das Halbfinale

Nun wartet heute Finnland. In der Vorrunde gab es gegen den Titelverteidiger eine knappe 1:2-Niederlage. „Finnland lässt hinten kaum etwas zu, benötigt selbst kaum Tore. Sie haben eine große Qualität. Für das deutsche Team ist es wichtig, das erste Tor zu schießen. Wenn man gegen Finnland zurückliegt, wird es unglaublich schwer“, schätzt Schwele ein.

Er hat ein weiteres Erfolgsrezept ausgemacht: „Die Jungs müssen an den Torwart herankommen. Der hatte bislang kaum etwas zu tun und steht dahinten wie bei einer Ferienfreizeit.“ Schweles Prognose? „So weit, wie die deutsche Mannschaft jetzt gekommen ist, halte ich nichts mehr für unmöglich.“ Für Deutschland ist es das erste WM-Halbfinale seit 2010 und die Chance auf die erste WM-Medaille seit 1953.

Unser Experte

Basti Schwele (45) ist ehemaliger Eishockeyspieler (u.a. ESV Kaufbeuren und EHC München) und wurde schon während sowie nach seiner Karriere als Sportjournalist bekannt.

Er ist seit Jahren für Sport1 und MagentaSport bei Eishockey, Darts und Fußball als Kommentator und Experte tätig, hat zudem mit Rick Goldmann und Sascha Bandermann einen Eishockey-Podcast. Schweles Frau kommt aus Fulda und hat in Kassel studiert – die Familie ist noch oft in Nordhessen.

Von Björn Friedrichs

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