Kommentar zur Lage beim Hamburger SV: Die Panik regiert

Fußball-Bundesligist Hamburger SV hat sechs Spieltage vor Saisonschluss noch einmal den Trainer gewechselt: Für Peter Knäbel übernimmt Bruno Labbadia. Er ist damit der vierte Coach der abstiegsbedrohten Hanseaten in dieser Saison. Ein Kommentar von Florian Hagemann.

Eines lässt sich über den in schwere Not geratenen Fußball-Bundesligisten Hamburger SV nicht sagen: dass er langweilig ist. Alle reden über Thomas Tuchel, da stellen die Hanseaten plötzlich Bruno Labbadia als neuen Trainer vor – ausgestattet mit einem Vertrag bis Ende nächster Saison, gültig für Liga eins und zwei. Das ist dann schon eine große Überraschung, und es fragt sich, was sich der Dinosaurier der Liga so als nächstes einfallen lässt: Uwe Seeler wird als Maskottchen an die Seitenlinie gestellt? Manni Kaltz und Horst Hrubesch werden reaktiviert für ein paar Bananenflanken? Der Kontakt zu Thomas Tuchel wird doch wieder aufgenommen, wenn Labbadia sein erstes Spiel in Bremen verliert?

Das ist jetzt natürlich übertrieben, aber das Erschreckende ist: Bei diesem Hamburger SV 2015 scheint nichts mehr ausgeschlossen – so planlos, wie er vorgeht. Zu den größten von vielen Fehlern gehörte freilich, Joe Zinnbauer zu entlassen und den hoffnungslos überforderten Peter Knäbel als Interimstrainer für das Saisonfinale zu installieren. Deshalb ist es nur allzu logisch, dass diese fatale Fehlentscheidung schnellstmöglich korrigiert worden ist.

Das Problem ist nur: Mit der voreiligen Verpflichtung eines Trainers, der über die Saison hinaus einen Vertrag erhält, hat sich der Verein alle Optionen für die Zeit nach der Saison genommen – ähnlich wie in der letzten Saison, als mit Mirko Slomka halbherzig die Zukunft in Angriff genommen wurde.

Die Stoßrichtung dieser Panikaktion mit Bruno Labbadia ist somit klar: Dem HSV als einzigem nie abgestiegenen Gründungsmitglied der Bundesliga ist ein erneut erwurschtelter Ligaverbleib und der damit verbundene Erhalt eines Alleinstellungsmerkmals wichtiger als die Auseinandersetzung mit einem dringend notwendigen Neuaufbau. Der hätte am meisten Aussicht auf Erfolg, wenn er in Liga zwei begänne – in Ruhe und mit völlig neuem Personal. Nun aber hat der Verein mal wieder Fakten geschaffen – als Scheu vor einem Komplettumbruch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.