Die deutschen Handballer treffen ab 18.15 Uhr auf Dänemark

Handball-EM: Heute geht’s ums Halbfinale

Da geht’s lang: Die Ansagen von Bundestrainer Dagur Sigurdsson haben Hand und Fuß. Foto:  dpa

Das Spiel um den fünften Platz haben die deutschen Handballer schon sicher – doch das Nationalteam von Bundestrainer Dagur Sigurdsson will bei der EM in Polen mehr.

Inzwischen gehört dieses Bild zu der Europameisterschaft wie die jubelnden deutschen Handballer. Dagur Sigurdsson zeigt auf die blaue, verbeulte Tafel und gibt seinen Schützlingen vor den Begegnungen und in den Auszeiten taktische Anweisungen. Mit den kurzen und präzisen Ansagen trifft der Bundestrainer den Nerv der Spieler. Oder wie es Rechtsaußen Johannes Sellin von der MT Melsungen ausdrückt: „Er bringt es immer auf den Punkt. Da weiß jeder Spieler sofort, was er zu tun hat.“ Zudem hat Sigurdsson bislang mit seinen Ideen und Umstellungen fast immer ein richtiges Händchen bewiesen.

Heute um 18.15 Uhr (live in der ARD) wird in Breslau das entscheidende Hauptrundenspiel gegen den zweimaligen Europameister Dänemark angepfiffen. Bei einem Sieg mit mindestens drei Toren Differenz ist die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) sicher im Halbfinale.

Unter Umständen kann aber sogar ein schlechteres Ergebnis reichen. „So bitter es ist, dass nun auch noch Weinhold und Dissinger ausfallen: Aber es ändert nichts: Wenn wir gegen Dänemark gewinnen wollen, müssen wir uns in Top-Form präsentieren“, sagt Rechtsaußen Johannes Sellin. Zur Einstimmung auf die Partie stellen wir Ihnen den Mann vor, der auf dem besten Weg ist, das deutsche Team zurück in die europäische Spitze zu führen: den Isländer Sigurdsson.

Der Mann mit dem richtigen Händchen

Bundestrainer Dagur Sigurdsson ist der Vater des Erfolgs

Nicht nur deshalb ist der Isländer, der seit gut anderthalb Jahren die Verantwortung trägt, ein echter Glücksgriff für den deutschen Handball. Sigurdsson trägt den Löwenanteil am rasanten Aufschwung der Nationalmannschaft. Die vielen Seiten des Bundestrainers:

Positive Einstellung 

Als viele Experten die junge deutsche Mannschaft aufgrund der vielen Verletzten vor der EM schon abgeschrieben hatten, blieb der 42-Jährige erstaunlich gelassen. Jammern ist nicht seine Sache. Ohne zu lamentieren, machte er aus der Personalnot eine Tugend, setzte voll und ganz auf Teamgeist und schuf ein Klima des bedingungslosen Vertrauens. Selbst die bitteren Ausfälle von Kapitän Steffen Weinhold und Torjäger Christian Dissinger heute gegen Dänemark bringen Sigurdsson nicht aus dem Konzept. Mit dieser positiven Einstellung kommt er bei seinen jungen Spielern an, und die glauben an die eigene Stärke.

Isländische Ruhe 

Womöglich liegt es am isländischen Naturell – der Chef strahlt an der Seitenlinie stets unglaubliche Ruhe aus. Damit bildet Sigurdsson einen kompletten Gegenentwurf zu seinen Vorgänger Martin Heuberger. Er wirkt distanzierter und ein Stück weit professioneller – und vermittelt den Eindruck, jederzeit Herr der Lage zu sein. Tobias Reichmann beschreibt seinen Trainer so: Er sei schon sehr ruhig, sagt der Rechtsaußen, „aber wenn er mal auf den Tisch haut, dann kann auch der Tisch kaputt gehen.“

Beeindruckender Mut 

Nicht nur taktisch hat Sigurdsson ein gutes Händchen. Sein Gespür für Talente ist spätestens seit seiner Zeit bei den Füchsen Berlin, die er von 2009 bis 2015 trainierte, hinlänglich bekannt. Das kommt der Nationalmannschaft zugute. Aber es gehört nicht nur Fingerspitzengefühl dazu, sondern auch jede Menge Mut, auf die Jugend zu setzen. Diesen Mut hatte er bereits bei der Kader-Nominierung im Dezember eindrucksvoll bewiesen, als er die bisherige Nummer eins, den eher exzentrischen Schlussmann Silvio Heinevetter, zu Hause ließ. Es gibt ein Zitat des Bundestrainers, das sehr viel über seine Philosophie aussagt: „Keiner ist größer als die Mannschaft.“

Viele Facetten

Es ist nicht bekannt, ob Sigurdsson während der EM auch mal zur Klampfe greift und im Hotelzimmer ein paar Stücke von den Stones oder Neil Diamond spielt. Er könnte es jedenfalls. Mit 19 hat er sich selbst das Gitarrespielen beigebracht. Damit inspirierte er vor allem seinen Bruder Bjarki. Dieser ist Frontmann der isländischen Band Mono Town, die sogar schon einen Nummer-eins-Hit im Inselstaat landete. Doch Dagur Sigurdsson macht noch einiges mehr, wenn er sich nicht seiner Frau und den drei Kindern widmet: Er besitzt Anteile an einem Hostel in Reykjavik. Es überrascht nicht, dass er in jungen Jahren Mitglied der U 17-Fußball-Nationalelf Islands war.

In der gedruckten Ausgabe lesen Sie am Mittwoch außerdem:

- Dänen sind gespickt mit Stars - Fünf Gründe, warum der Ex-Melsunger Klitgaard seinen Landsleuten den Titel zutraut

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