Sieg in Flensburg

Gereifte Rhein-Neckar Löwen greifen nach der Meisterschale

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Gudjon Valur Sigurdsson (l) von den Rhein-Neckar Löwen und Flensburgs Lasse Svan (r) kämpfen um den Ball, während Flensburgs Johan Jakobsson zusieht.

Nach dem Sieg in Flensburg ist den Mannheimer Handballern der zweite Titel in Serie kaum noch zu nehmen. Doch feiern wollen sie noch nicht. Für die SG endet hingegen eine Horror-Saison.

Mannheim - Der Jubel war laut, intensiv und kurz. Aus der Umkleidekabine der Rhein-Neckar Löwen drangen nach dem wichtigen 23:21-Sieg bei der SG Flensburg-Handewitt Aufschreie und der Klang aneinander prallender Bierflaschen. Doch von einer Vorentscheidung im Kampf um die deutsche Handball-Meisterschaft und einer erfolgreichen Titelverteidigung wollte im Lager der Mannheimer niemand sprechen.

„Das tun wir erst, wenn das letzte Spiel gespielt ist“, sagte der sportliche Leiter Oliver Roggisch. Spielmacher Andy Schmid, der den vierten Erfolg in Serie in der Flens-Arena Sekunden vor dem Abpfiff mit einem knallharten Wurf in den rechten Torwinkel gesichert hatte, sagte immerhin: „Das war ein wichtiger Schritt zum Titel.“

Drei Spieltage vor dem Saisonende beträgt der Vorsprung des Tabellenführers aus Mannheim auf den Verfolger von der Förde nun drei Punkte. Ein mehr als komfortables Polster. Perfekt kann die zweite deutsche Meisterschaft bereits am 7. Juni gemacht werden. Mit Siegen im Heimspiel am Mittwoch über den deutschen Rekordtitelträger THW Kiel und dann eine gute Woche später bei der HSG Wetzlar wäre alles klar.

Bis dahin wird Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen keinen Schlendrian bei seinen Schützlingen dulden. Für den Dänen, der die Badener nach der Saison verlässt, um sich auf die Arbeit mit der Nationalmannschaft seines Heimatlandes zu konzentrieren, wäre die zweite Meisterschaft in zwei Jahren eine besondere Genugtuung.

Horror-Saison für die Flensburger

Löwen-Anführer Schmid lobte die Einstellung und den Einsatz der Mannheimer, die sich auch von der hitzigen Atmosphäre in der mit 6300 Zuschauern ausverkauften Flens-Arena nicht aus dem Konzept bringen ließen. Selbst eine neunminütige Phase ohne eigenen Treffer steckten die Mannheimer unbeeindruckt weg. In dieser Phase hatte Jacobsen seine Trumpfkarte ausgespielt. Als es im Angriff stockte, brachte er in der Offensive den siebten Feldspieler und wurde belohnt.

Allerdings musste der 45-Jährige auch zugeben, dass „die Kleinigkeiten“ für die Badener liefen. Eine dieser Kleinigkeiten war der Wurf des Flensburgers Kentin Mahé auf das leere Löwentor. Hätte der französische Doppelweltmeister drei Minuten vor dem Abpfiff zum 22:22 getroffen, wäre die Partie vielleicht anders gelaufen.

So stand Mahé nach dem Spiel gefrustet in den Katakomben der Flens-Arena und verstand die Welt nicht mehr: „Ich kann nicht sagen, warum der Wurf nicht reingegangen ist. Ich übe das normalerweise im Training.“ Der auf Höhe der Mittellinie abgefeuerte Ball landete aber neben dem linken Pfosten. Eine hoffnungsvoll begonnene Serie ist zur Horror-Saison für die Flensburger geworden.

Der scheidende SG-Trainer Ljubomir Vranjes, der zur nächsten Saison das ungarische Spitzenteam Telekom Veszprem sowie die Nationalmannschaft der Magyaren übernimmt, scheiterte im Viertelfinale der Champions League an den Mazedoniern von Vardar Skopje, im Endspiel des nationalen Pokals am Nordrivalen THW Kiel und nun aller Voraussicht nach in der Meisterschaft wie schon im Vorjahr an den Rhein-Neckar Löwen. „Das tut mehr weh als normal“, sagte der Schwede. Für die Flensburger bleibt wohl nur der zweite Platz - zum zwölften Mal.

dpa

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