ARD überträgt heute Rhein-Neckar Löwen gegen Lemgo

TV-Star Alexander Bommes: Handball ist die schönste Hallensportart

Auf dem Foto sind zwei Männer zu sehen, die lächeln. Beide halten ein Mikrofon in der Hand.
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So sieht man ihn oft bei Handball-Großereignissen: Moderator Alexander Bommes (rechts, hier mit ARD-Experte Dominik Klein bei der Handball-WM 2019 in Köln).

Er ist längst ein Fernsehstar – durch Sendungen wie „Gefragt-Gejagt“ und Sportschau. Aber was viele TV-Zuschauer nicht wissen: Alexander Bommes war auch mal ein ausgezeichneter Handballer.

Kassel - Bis in die Bundesliga hat es der gebürtige Kieler geschafft. Zu seinen ersten Trainern gehörte der mittlerweile bei der MT Melsungen tätige Gudmundur Gudmundsson. Heute hätten sie sich eigentlich getroffen – die ARD wollte die Partie der MT gegen den SC Magdeburg live übertragen. Coronabedingt muss das Spiel aber ausfallen. Dafür zeigt das Erste ab 18.05 Uhr nun die Begegnung der Rhein-Neckar Löwen gegen den TBV Lemgo Lippe. Wir haben mit Bommes gesprochen.

Alexander Bommes hat als Handballer damals eingeschlagen wie eine Bombe. Wie klingt der Satz in ihren Ohren?
Ich würde den Satz etwas relativieren. Allerdings gab es in Dormagen tatsächlich eine kleine Zeitung, die damals getitelt hat: „Bommes, die Bombe.“
Unser Satz stammt von Gudmundur Gudmundsson. Er hat ihr erstes Bundesligaspiel für Bayer Dormagen nicht vergessen. Welche Erinnerungen haben Sie noch an das 30:25 gegen Eisenach?
Gumme war zusammen mit Peter Pysall mein erster Trainer in der Bundesliga. Ich kann mich noch sehr gut erinnern. Ich war krank und lag die ganze Woche flach. Freitags, am Tag vor dem Spiel, bekam ich einen Anruf. Ich sollte trotzdem zum Training kommen, weil unser Linksaußen Robert Nowakowski schwere Rückenprobleme hätte. Es könne sein, dass ich von Beginn an spielen müsse.
Und das haben Sie ja dann auch.
Ja, ich weiß noch, dass unser Torwart Andreas Thiel, der Hexer, vor meinem Debüt zu mir kam und mir Mut zugesprochen hat. Und ich wollte nach den schwachen ersten Wochen auch endlich auf die Platte!
Und Sie haben ihr Team mit sieben Toren nicht enttäuscht.
Unser erster Saisonsieg war wie eine Befreiung. Das war ja noch die Zeit, als man Spiele auf VHS-Videokassetten aufgezeichnet hat. Bei meiner dürfte inzwischen das Band gerissen sein. Vor allem eine Szene ist mir dennoch besonders gut im Gedächtnis geblieben. Ich stand da so bei elf, zwölf Metern, als wenn ich etwas durchpusten müsste. Die Eisenacher hatten in Person von Stephan Just Einwurf, den Ball habe ich dann abgefangen und ins leere Tor der Gäste geworfen. Die Halle wäre danach fast explodiert. Nach dem Spiel war ich allerdings platt.
Als es in der letzten Staffel der Quizsendung Gefragt-Gejagt um Island ging, haben Sie erwähnt, dass Sie mal einen isländischen Trainer hatten. Was haben Sie aus der gemeinsamen Zeit mitgenommen?
Eine intensive Verbindung. Gumme und ich waren auf einer Wellenlänge. Wir sind beide sehr ehrgeizig, für uns gab es nur absoluter Tunnel. Und er war früher ja selbst Linksaußen. Wir hatten in m Team in Dormagen eine kleine isländische Gemeinschaft, und da hatte ich damals auch etwas angedockt.
Inwieweit verfolgen Sie heute noch den Werdegang Gudmundssons?
Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass er 2016 in Rio mit Dänemark Olympiasieger wurde. Es war leider nicht möglich, dass ich ihn dort treffe. Aber bei der WM 2019 in Köln haben wir uns erstmals wieder getroffen und uns sehr gefreut. Die Zeit in Dormagen war zwar nicht lang, aber zu den ersten Trainern in der Bundesliga baut man schon eine besondere Beziehung auf. Das gilt für Gumme genauso wie für Peter Pysall, beides sehr gute Menschen und klasse Typen.
Wie sehr sind Sie ihrem Sport heute noch verbunden?
Ich verfolge Handball bei aller Distanz immer noch mit großem Interesse. Zu meinen alten Vereinen pflege ich nach wie vor enge Kontakte. Das ist mir auch wichtig. Ich habe zwar nie für den THW Kiel gespielt, aber weil ich schon als Kind in der Ostseehalle mitgefiebert habe, gibt es zu dem Verein ebenfalls ein besonderes Verhältnis. Jedes Jahr im Januar kommt immer etwas mehr Erinnerung und Freude dazu. Da merken ja alle, wie echt und ehrlich der Handball ist. Das zeigt, wie hoch die Identifikation ist.
Als Moderator bei Handball-Großereignissen haben Sie einen guten Blick auf den Sport. Wie sehr hat sich der Handball in den vergangenen 20 Jahren verändert?
Es hat große Veränderungen gegeben. Ich habe selbst noch erlebt, als die schnelle Mitte eingeführt wurde. Ich bin allerdings etwas altmodisch. Mir hat es besser gefallen, wenn der THW Kiel 16:15 gegen Tusem Essen gewonnen hat. Mit einem 41:31 kann ich nicht so viel anfangen. Mit einer Regel wie dem siebten Feldspieler bin ich bis heute nicht warm geworden. Handball ist nach wie vor für mich die schönste Hallensportart. Ich bin jedoch auch der Meinung, dass man nicht allen Riesenevents hinterher rennen muss.
Kiel ist in der Bundesliga immer noch die Nummer eins. Als gebürtiger Kieler können Sie doch bestimmt das Phänomen THW erklären, oder?
Ich habe da eine sehr subjektive Sicht, weil ich schon in der Halle war, als noch auf einem versplitterten Holzboden gespielt wurde. Es ist auf jeden Fall festzuhalten, dass der THW die Bundesliga schon über Jahrzehnte prägt. Die Menschen schreiben dort stets mit breiter Brust an einer tollen Geschichte.
Zurzeit erlebt der Handball durch Corona schwere Zeiten. Was denken Sie über Geisterspiele im Handball und die sich zuletzt häufenden Spielabsagen?
Es geht momentan in allen Lebenssituationen darum, die Bedingungen anzunehmen, Ängste und Sorgen auszusprechen und nichts zu verdrängen. So kommt man mit einer Situation auf Augenhöhe und kann dann erst das Beste daraus machen. Dass Reisen und Spiele ohne Zuschauer das Letzte sind, was man sich wünscht, ist völlig klar. Und so gilt es, von Tag zu Tag zu gucken, wie sich der Spagat zwischen, dem was geht und dem, was sein muss, bewältigen lässt.
Hätten Sie es sich denn vorstellen können, vor leeren Rängen spielen zu müssen?
Nein, da fehlt ja neben Werfen, Springen und Sich-im-Wettkampf-Messen eine zentrale atmosphärische Grundlage.
Nebeneinander in Reihe zwei: Alexander Bommes (Zweiter von rechts) und Gudmundur Gudmundsson (rechts) im offiziellen Dormagener Teamfoto.

Zur Person

Alexander Bommes (44) moderiert seit 2014 die ARD-Sportschau. Zudem ist er seit 2012 als Moderator der Quizsendung „Gefragt-Gejagt“ tätig. Vor seiner Karriere beim Fernsehen war der gebürtige Kieler Handball-Profi – als Linksaußen spielte er beim TSV Altenholz, Bayer Dormagen und VfL Gummersbach. In der Saison 2005/06 war er Torschützenkönig der 2. Bundesliga Nord. Nach einem abgeschlossenen Jura-Studium absolvierte Bommes ein Volontariat beim NDR. (Björn Mahr)

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