Zweitliga-Aufsteiger wirkt bei Klatsche gegen Rostock spielerisch und nervlich überfordert

28:37 – Baunataler am Tiefpunkt

Frust und hängende Köpfe bei der Eintracht: Trainer Ralf Horstmann (Mitte) mit (von links) Paul Gbur, Christoph Koch, Thorben Buhre und Christian Schade. Foto:  Fischer

baunatal. 15 Spiele lang hatten die Baunataler Handballer auf dem Feld das umgesetzt, was ihre Worte und ihre Körpersprache dokumentierten: den Glauben an das eigene Können und den unbedingten Willen, sich als Neuling in der zweiten Bundesliga zu behaupten.

Am Samstag nun war’s vorerst vorbei damit. Statt des erhofften Lächelns waren Tristesse und leere Blicke angesagt: Beim deprimierenden 28:37 (13:15) gegen Empor Rostock offenbarte die Eintracht in der zweiten Halbzeit erstmals Auflösungserscheinungen und Hoffnungslosigkeit. Zum ersten Mal wirkte das bislang so couragiert allen Nackenschlägen trotzende Liga-Schlusslicht überfordert – nervlich wie spielerisch. Es zeigte einen Auftritt, der vor den schweren Aufgaben am Mittwoch in Nordhorn und am Sonntag daheim gegen Eisenach kaum Zuversicht zulässt.

Dabei war gegen den keineswegs übermächtigen Gast aus Rostock 26 Minuten lang die Baunataler Handball-Welt absolut in Ordnung. 12:12 stand es, und die Eintracht schien auf gutem Weg zum ersehnten dritten Sieg. Dann aber machte Gästetorwart Paul Porath seinen Kasten dicht, er ließ in acht Minuten bis zum 13:18 (34.) nur noch einen Treffer der Hausherren zu und legte den Grundstein zum Kantersieg der fortan nach Belieben dominierenden Norddeutschen.

„Die zweite war unsere schlechteste Halbzeit in dieser Saison. Und es gibt kaum Worte, das Geschehen zu beschreiben“, sagte Kapitän Christian Schade nach dem Abpfiff, „den wir ab der 50. Minute förmlich herbeigesehnt haben“, wie Trainer Ralf Horstmann angesichts „dieser Klatsche“ eingestand. Auseinandergebrochen sei seine Mannschaft, sie hatte vor allem im Angriff völlig die Linie verloren.

17 Tempogegenstöße kassiert

Die Folge kaum zu zählender Fehlwürfe und Ballverluste: Die Rostocker liefen in 60 Minuten nicht weniger als 17 Tempogegenstöße, von denen sie auch dank Elffach-Torschütze Papadopoulos zwölf in leichte Treffer ummünzten. „Wir waren gut beraten, die Baunataler nicht zu unterschätzen, wie die erste Halbzeit gezeigt hat. So haben wir konzentriert das umgesetzt, was wir uns im Training erarbeiten“, bilanzierte Empor-Trainer Aaron Ziercke, der nach vier Spieltagen Rastislav Trtik abgelöst hatte.

Das Kontrastprogramm bot die Eintracht. In den 26 Minuten zu Beginn, in denen die Hausherren noch auf Augenhöhe agiert hatten, war Marius Fuchs am Kreis der beste Baunataler. Die Pässe, die ihn erreichten, versenkte er ohne Fehl und Tadel. Nach der Pause aber, „als wir mit Geduld und Konzentration den Zwei-Tore-Rückstand wettmachen wollten“, so Kapitän Schade, „haben wir nichts, gar nichts von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten.“

Kein Spieler erreichte Normalform, mit jedem Fehlwurf, mit jedem Ballverlust, mit jedem Gegentor schwanden dann Geduld, Konzentration und taktische Disziplin. Trainer Horstmanns Versuch, mit zwei Manndeckern Rostocks Lauf zu stoppen, ließ den Rückstand kurzzeitig von fünf auf drei Tore schmelzen (18:21/41.), danach aber stießen die Gäste entschlossen in alle Lücken und überwanden Keeper Max Kroll ein ums andere Mal.

Von Gerald Schaumburg

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