Analyse vor dem letzten Saisonspiel

Baunatal verabschiedet sich mit Absteiger-Duell aus Liga zwei

+
Beendet mit Eintracht Baunatal eine denkwürdige Saison: Kapitän Christan Schade.

Baunatal. Es ist das bittere Ende eines Abenteuers: Mit einem Absteigerduell des Tabellenletzten gegen Hildesheim (18.) endet für die Handballer der Baunataler Eintracht am Sonntag ab 17 Uhr in der Rundsporthalle eine ernüchternde Saison in der 2. Bundesliga.

„Einerseits sind wir alle froh, dass diese lange Runde mit vielen Enttäuschungen nun endlich zu Ende geht“, sagt Christian Schade vor dem 38. Punktspiel. „Aber wir freuen uns auch auf diese letzte Partie und hoffen sehr, doch noch einmal ein Erfolgserlebnis zu haben. Wir wollen nicht mit nur fünf Punkten durchs Ziel gehen.“

Der Kapitän der Großenritter, als Persönlichkeit sehr gereift, vergisst aber auch das Positive nicht. „Irgendwann“, sagt Schade, „irgendwann wird der Stolz darüber überwiegen, dass wir es mit Jungs aus der nordhessischen Region ohne Profis und ohne Ausländer geschafft haben, immerhin ein Jahr lang in der zweithöchsten deutschen Liga zu spielen.“

Gemeinsam eingeschworen

Nach dem gefeierten Drittliga-Triumph am 11. Mai 2014 sei allen Beteiligten klar gewesen, dass die 2. Liga ein Abenteuer werden würde. Sportlich wie wirtschaftlich. „Aber wir hatten uns gemeinsam darauf eingeschworen, dass wir es dennoch angehen wollten. Gemeinsam. Zusammen waren wir aufgestiegen, im schlimmsten Fall würden wir auch gemeinsam wieder absteigen“, erinnert Schade an Absprachen.

Doch neben unsäglichem Verletzungspech kam der erste Knackpunkt schon nach drei Spielen mit Niederlagen gegen Großwallstadt, in Rimpar und gegen Neuhausen. Schade: „Dass Geschäftsführer Jens Reinhold damals bereits den Mannschaftsrat zum Rapport beorderte und Trainer Ralf Horstmann infrage stellte, das war für uns der erste Schock.“ Und der Anfang vom Ende. Denn während Horstmann alles tat, die von Außen hereingetragene hohe Erwartungshaltung zu minimieren, machte Reinhold früh Druck. Ein fataler Fehler mit Folgen.

Die Trennung von Vermarkter EFM, Niederlagen in den Schlüsselspielen im Spätherbst gegen Essen, Saarlouis und Hildesheim, dann Reinholds Trennung von Horstmann - „damit war unser Plan zum Teufel, der Mannschaftsgeist gesprengt“, sagt Kapitän Schade. „Als Reinhold dann schon am Jahreswechsel auch noch verkündete, die zweite Liga abzuhaken und keine neue Lizenz zu beantragen, da brach für uns Sportler, die weiter kämpfen wollten, eine Welt zusammen.“

Obwohl danach auch Reinholds wackeliges kaufmännisches Kartenhaus einstürzte, hielt das Team trotz der Insolvenz und nun 24 Spielen ohne Sieg bis heute durch. Wenn auch mit deutlich reduziertem (weil nicht mehr bezahltem) Trainingsaufwand.

Während die Nordhessen also frühzeitig den Kampf um den Klassenerhalt aufgaben, haben die Hildesheimer trotz eines wirtschaftlichen Kraftaktes das Saisonziel verfehlt. Denn obwohl gleich drei Neue geholt wurden - Andreas Simon, Goran Gorenac und Mateusz Przybylski - und es ein Zwischenhoch gab, muss das Team mit den Ex-Melsungern Jimmy Tzimourtos und Chris Zufelde ebenfalls absteigen.

Nach dem Spiel werden die scheidenden Trainer und Spieler mit den Fans in der Halle offiziell verabschiedet.

Hintergrund

Trainer Berchten: Zweite Liga macht nur sinn in zwei Staffeln

Mit den Frauen der SG Kirchhof feierte Trainer Markus Berchten kürzlich die Drittliga-Meisterschaft. Mit den Baunataler Männern aber holte er keinen Punkt und steigt ab aus der zweiten Liga. Bei der Eintracht war er allenfalls als Verwalter und Motivator gefordert, der durch Abgänge und weitere Verletzungen dezimierten Truppe aber konnte er nur wenig Impulse geben. Der Schweizer wird beim Neubeginn in der dritten Liga mit nur noch sechs Akteuren des alten Stamms nicht mehr dabei sein.

„Die zweite Liga ist in dieser Form ist ein Unding“, sagt Berchten, „denn es gibt noch einige andere Klubs wie wir zwischen Leben und Tod. Sie ist keine Ausbildungsliga, wie oft verheißen, weil sie mit 38 Spieltagen und den weiten Reisen keine Zeit lässt für Regeneration und schulendes Training. Nein, sie ist eine Überlebenskampfliga.“ Profi- und Amateursport in einer Spielkasse sei nicht zu realisieren, erklärt Markus Berchten und fordert: „Die zweite Liga macht nur Sinn in zwei Staffeln, Nord und Süd, mit vielen Derbys und kürzeren Wegen. Und darunter sollten es drei dritte Ligen sein.“ 

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.