Vor Ort: Baunatal verliert in der zweiten Handball-Bundesliga ein Spiel, das kein Mensch braucht

Nur die Coburg-Fans haben Spaß

Hat nicht so viel zu tun: Frank Grede an der Kasse.

baunatal. Freitagabend. Rundsporthalle. Der GSV Eintracht Baunatal empfängt den HSC 2000 Coburg. Eine normale Partie in der zweiten Handball-Bundesliga? Alles andere als das. Denn dieses Spiel hat schon einmal stattgefunden. Weil die Franken damals im März nach dem Unentschieden Einspruch einlegten, wird diese Begegnung nun wiederholt. Das Problem: Sie hat sportlich überhaupt keinen Wert mehr. Wolfgang Leimbach vom GSV drückt es so aus: „Dieses Spiel ist unnötig wie ein Kropf.“

Ein ungewöhnlicher Abend in Baunatal, an dem nur die Fans aus Coburg Spaß haben. Zumal die Gäste mit einem deutlichen 35:25 (19:8)-Sieg wieder nach Hause fahren.

Vor der Rundsporthalle

Mehr als 250 Kilometer, Stau, vier Stunden Fahrt – trotzdem sind die Fans aus Coburg rechtzeitig in Nordhessen angekommen. Vor der Halle tauchen immer mehr Menschen in gelben und schwarzen Trikots auf. „Die Halle gehört uns ganz allein“, witzelt Michael Buckreus. Als die nächste Autoladung Franken anrollt, folgt der nächste Spruch: „Ihr habt wohl kein Zuhause“, sagt er und beißt genüsslich in sein Brötchen. Die Kühltasche quillt über, das Bierchen schmeckt – es sei ein lustiger Ausflug, erklärt Susanne Wölfert, die wohl maßgeblichen Anteil an der leckeren Verpflegung hat.

Auch die Coburger haben ihre Meinung zu der Partie. „Braucht jetzt kein Mensch“, sagt Torsten Autsch. Vor zwei Monaten sei für seine Mannschaft noch der Aufstieg drin gewesen. Nun ginge es ums Prinzip. „Ich war dabei. Hätten die Schiris richtig gepfiffen, wären wir heute nicht hier“, sagt er. Aber egal. Noch einmal ins Brötchen gebissen, ein Schluck aus der Pulle, die Trommel geschnappt, und ab geht’s in die Halle.

Im Eingangsbereich

Frank Grede sitzt wie immer an der Kasse. Auf die Frage, ob es denn noch Karten für den mittleren Bereich gäbe, antwortet er mit einem Schmunzeln. „Noch jede Menge.“ Sie sollten sich doch einfach irgendwo hinsetzen, rät Grede den beiden jungen Frauen und fügt hinzu: „Voll wird es heute nicht.“ Wolfgang Leimbach, der in Baunatal für das Organisatorische zuständig ist, mischt sich mit ein. „Ich traue mich gar nicht, in die Halle zu gucken.“ Verblüfft stellt er fest, dass sich dann doch so etwas wie eine Schlange vor der Kasse bildet. Am Ende kommen etwa 100 Zuschauer. Immerhin.

An der Theke

Über Stress kann sich Hermann Lange nicht beklagen. „Ziemlich ruhig“, sagt der Mann, der hinter der Theke arbeitet. Normalerweise würden sie mit drei, vier Kräften für die Verpflegung sorgen – heute sei er Einzelkämpfer. Fast schon freudig nimmt Lange eine Bestellung entgegen. Endlich was zu tun. Warum er denn heute hier sei? „Einer muss es ja machen“, sagt er und grinst. Auf die Partie freut er sich. „Ich hoffe, die Jungs ziehen sich gut aus der Affäre“, ergänzt er noch.

Auf dem Spielfeld

Langes Wunsch kommen die Baunataler Spieler nicht nach. Sie verschlafen die Anfangsphase und liegen nach zehn Minuten bereits 1:7 zurück. Zur Halbzeit steht es 8:19. Die Sache ist durch. Auf der Tribüne herrscht dennoch blendende Stimmung. Vor allem dank der Coburger Trommler, die mächtig auf die Pauke hauen. Logisch, die Franken haben ihren Spaß.

„Wir wollten eigentlich Paroli bieten“, sagt Felix Gessner später. Der Linksaußen gesteht, dass es schwierig gewesen sei, sich für dieses Spiel zu motivieren. „Schon komisch das alles. Aber der Verband hat es nun mal entschieden.“ Und so hat in Baunatal ein Spiel stattgefunden, das kein Mensch brauchte.

• Tore für Baunatal: Gessner 7, Gbur 5, Weinrich 5/1, Schade 2, Feuring 2/2, Bornemann 2, Fuchs 1, Räbiger 1.

Von Robin Lipke

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