Zur sportlichen Sorge kommt Trennung vom Vermarkter

Eintracht Baunatal: Die Schieflage wird größer

Die Baunataler Eintracht ist in Schieflage: Hier symbolisiert an einer Parade von Torwart Maximilian Kroll. Fotos:  Fischer

Baunatal. Wenige Punkte und wenig Geld: Das Abenteuer zweite Bundesliga ist für die Baunataler Eintracht-Handballer eine weitaus härtere Prüfung als gedacht.

Die sportliche Zwischenbilanz nach 16 von 38 Spielen mit nur 5:27 Punkten ist für das Liga-Schlusslicht vor den hohen Hürden in Nordhorn (Mittwoch, 19.30 Uhr) und gegen Eisenach (Sonntag, 17 Uhr) deprimierend. Auch wirtschaftlich gibt es eine Schieflage. So wurde der Vertrag mit dem Vermarkter EFM und dessen Repräsentant Daniel Untermann zum 30. November aufgelöst. Eine Bestandsaufnahme:

DIE MANNSCHAFT

Beim 28:37 gegen Rostock wurde der Tiefpunkt erreicht, erstmals resignierten einige Akteure. Spielerisch und nervlich sind Grenzen erreicht, ja überschritten. Die enorme Belastung mit mehr Training und mehr Spielen stellt das Baunataler Modell mit der Kombination aus Sport und Beruf/Ausbildung infrage. Denn: Wenn viele Gegenspieler regenerieren, dann gehen die Baunataler arbeiten oder lernen.

„Mein Leben dreht sich fast nur noch um Handball“, hat Dennis Weinrich schon zu Saisonbeginn sinngemäß gesagt. Damals wirkte der Mittelmann überspielt. Inzwischen ist er auf dem aufsteigenden Ast, aber nun wirken viele Mitspieler ausgebrannt und müde.

DER TRAINER

„Eine Pause würde uns allen guttun“, hat Ralf Horstmann gesagt. Auch er wirkte zuletzt matt angesichts des Misserfolgs und organisatorischer sowie wirtschaftlicher Probleme im Umfeld. Doch die Pause gibt es erst nach dem 28. Dezember – und weiteren fünf Spielen!

Daniel Untermann

Natürlich wird Horstmann infrage gestellt. Natürlich stellt er sich auch selbst infrage. „Ich bin Trainer dieser tollen Mannschaft. Eine andere wird es für mich nicht geben“, hat „Horsti“ beim Aufstieg betont. Inzwischen aber hat der Coach Selbstüberschätzung ausgemacht angesichts mangelnder Lernfähigkeit einzelner Akteure, deren Fehlerquote einfach nicht geringer wird. Auch ein Rückzug Horstmanns scheint also nun nicht ausgeschlossen.

DIE FINANZEN

„Wir sind mit allen Zahlungen auf dem Laufenden“, betont Jens Reinhold. Zu hören ist aber, dass die Mannschaft mit Verspätung bezahlt wurde, dass einige Rechnungen offen sind. „Es fehlen uns eingeplante Mittel aus der Vermarktung“, räumt Reinhold ein. Der Geschäftsführer, der privat 75 000 Euro ins Stammkapital der KG eingebracht haben soll, verweist auf die Kommanditisten, die nun wohl Löcher stopfen werden. Er erhofft einzelne neue Sponsoringabschlüsse in den nächsten Wochen.

DIE KONSEQUENZEN

Erste Konsequenzen wurden bereits gezogen. Der Dreijahresvertrag mit dem Vermarkter EFM und dessen Mitarbeiter Daniel Untermann wurde zum 30. November aufgelöst. Untermann habe gute Arbeit geleistet beim Eventmarketing, bei der Sponsorenakquise aber ist Reinhold nicht zufrieden.

DIE PERSPEKTIVEN

EFM-Inhaber Karl-Heinz Reinhardt indes hat nun als Privatmann für 2000 Euro KG-Anteile erworben. „Weil ich der Eintracht treu bleiben und dieses regionale Projekt mit toller Jugendarbeit weiter fördern will“, wie er sagt. Ebenso wie Orthopäde Dr. Hans-Günter Schafdecker (Baunatal), Karsten Jünger (Vellmar) vom Werbepartner PAC und Brigitte Umbach (Baunatal) vom Medizinischen Versorgungszentrum Baunatal (MVZ), die den Aufsichtsrat bilden werden.

Reinhardt hofft, weitere Mitstreiter zu finden, „damit wir eine breitere Basis und mehr Eigenkapital bekommen“. Denn: Jens Reinhold hat nach eigener Aussage fristgerecht zum 1. Dezember eine Zweitliga-Lizenz für die Saison 15/16 beantragt.

Von Gerald Schaumburg

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