Analyse: Mission Klassenerhalt unrealistisch – Perspektiven trotz trister Gegenwart

Caillat-Team zu ausrechenbar

Christian

Kirchhof. Wenn die Handballerinnen der SG 09 Kirchhof heute in der Videoanalyse die 23:25 (10:13)-Niederlage gegen den TV Beyeröhde in der 2. Bundesliga über sich ergehen lassen (müssen), werden sie sich ärgern. Darüber, dass sie eine große Chance auf den ersten Saisonsieg leichtfertig liegen gelassen haben. Und mit 1:17-Punkten nach fast einem Drittel der Saison (immerhin noch nicht abgeschlagen) das Tabellenende zieren. Eine Analyse der Talfahrt:

1.Die Ausgangslage: Die SG 09 ging mit einem Drittliga-Kader in die laufende Saison. Streng genommen sogar mit einer schwächeren Mannschaft als im Aufstiegsjahr, weil mit Cristina Mihai die Leitfigur zurück zu Erstligist HSG Bad Wildungen Vipers wechselte. Und mit dem (im Frauenbereich) unerfahrenen Trainer Christian Caillat, nachdem der erfolgreiche Coach Markus Berchten zu teuer für den Traditionsverein aus dem Melsunger Stadtteil geworden war.

Caillat

2.Die Neuzugänge: Dringend benötigte Spielerinnen mit Erfahrung waren nicht zu bekommen. Besonders eine Torfrau als Ergänzung zur jungen Karina Morf, eine Linkshänderin für Rechtsaußen und eine abwehrstarke Kreisläuferin hätten dem Team gut getan. So kamen die technisch versierten Izabella Nagy (Anfang August) und Johanna Stockschläder (mit Zweitspielrecht Anfang Oktober) erst ganz spät und sind bis heute nicht voll integriert.

3.Das Verletzungspech: Ausgerechnet das, was angesichts der dünnen Personaldecke nicht passieren durfte, trat ein. Noch vor dem ersten Spiel verletzte sich mit Rica Wäscher (Bänder im Fuß) ein Talent, kurz darauf mit Raphaela Priolli die Abwehrchefin (Schulter) und mit Nagy (Hand) die vielversprechendste Neuerwerbung. Das konnte nicht gut gehen. Zumal fast die halbe Mannschaft parallel dem Juniorteam hilft, den Klassenerhalt in der Oberliga zu packen.

4.Die Entwicklung: Aller Ehren wert ist, dass Laura Nolte als Rechtshänderin auf Rechtsaußen mit 36 Treffern intern nach Nagy (43/9) Zweite der Torschützenliste ist. Auch die gerade 20 gewordene Kim Mai (34/14) weiß sich am Kreis zu behaupten. Torfrau Morf wirkt gereift und stabil. Allerdings: Als Team fehlen Lösungen. Ausgerechnet jetzt, wo erstmals der Kader komplett war und die mit Zweitspielrecht ausgestatteten Johanna Stockschläder und Marieke Blase regelmäßig in Melsungen trainieren können, war die Fehlerquote hoch wie nie. Kirchhof wirkt für seine Gegner ausrechenbar. Spielerische Alternativen sind nicht erkennbar, ebenso wenig ein Plan B.

5.Die Perspektive: Die Mission Klassenerhalt erschien schon vor der Runde äußerst schwierig. Mittlerweile ist es für den Neuling noch schwieriger geworden, gleich vier Konkurrenten hinter sich zu lassen. Davon muss er sich keineswegs unter Druck setzen lassen, denn anders als vor zwei Jahren, als die individuelle Klasse für eine Platzierung im sicheren Mittelfeld vorhanden war, wäre ein Abstieg in Ehren diesmal kein Beinbruch. Und das Umfeld darauf vorbereitet.

Trotz der tristen Gegenwart sollte die SG 09 die Entscheidung nicht bereuen, das Abenteuer 2. Liga eingegangen zu sein. Die Erfahrungen dort sind für jede einzelne Spielerin Gold wert und dürften der Entwicklung der Mannschaft gut tun. Die kann noch viele Anläufe Richtung 2. Liga nehmen, wofür auch ein hessenweit einmaliger Unterbau - mit dem Juniorteam und der kompletten Jugend (A, B, C) spielen vier Teams in der Oberliga - spricht. Nun gilt es, einen langen Atem zu haben. (sbs/ohm) Fotos: Kasiewicz/nh

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