2. Handball-Bundesliga: SG 09 Kirchhof gibt Rote Laterne nach 28:27 im Kellerduell ab

„Das war absolut am Limit“

Sie kann auch weh tun: Kirchhofs elegante Rückraumspielerin Izabella Nagy (l.) bearbeitet hier die Mainzerin Andrea Mertens.

Melsungen. Kennen Sie das: Ein Handball-Team, das eigentlich keine Chance hat? Das unerfahren ist, Ausfälle zu verkraften hat und zwei Spieler aus der zweiten Reihe nachnominiert? Mit einem Trainer, der als Basis auf eine knallharte Abwehr und auf Emotionen baut? Wenn Ihnen jetzt die Deutsche Nationalmannschaft bei der EM in den Sinn kommt, liegen Sie falsch. Gemeint ist die SG 09 Kirchhof, die im Kellerduell der 2. Bundesliga sämtlichen Widrigkeiten getrotzt hat, mit 28:27 (10:15) gegen die Mainz-Bretzenheim gewann und nach dem dritten Sieg im vierten Spiel nach der Winterpause die Rote Laterne los ist.

„Das war absolut am Limit. Länger hätte das Spiel nicht gehen dürfen“, wusste Trainer Christian Denk. Seine Mannschaft hat sich in Anlehnung an die Europameister, die sich Bad Boys (zu deutsch: böse Jungs) nennen, als nordhessisches Pendant den Spitznamen Bad Girls (böse Mädchen) verdient. Denn sie sind ein unangenehm zu bespielendes Team, das sich an gelungenen Aktionen berauscht und seine Gegner überrascht.

Gegen Mainz-Bretzenheim, das ohne seine erkrankten Coach Steffen Piffkowski angereist war, ließ Denk im ersten Durchgang 5:1 mit der vorgezogenen Lisa-Marie Berz decken. „Das hat sie richtig klasse gemacht“, lobte der Trainer die 20-Jährige nach ihrem stärksten Auftritt im Kirchhof-Trikot. Bis zum 5:3 nach einem unwiderstehlichen Solo von Christin Kühlborn (11.) sah es auch im Angriff ordentlich aus. Doch dann warf die SG 09 zehn Minuten lang kein Tor und lag mit 5:8 im Hintertreffen. Da half das Risiko mit Izabella Nagy im Leibchen als siebter Feldspielerin nicht.

Zunehmend bissen sich die Gastgeberinnen am Mainzer Mittelblock mit Jessica Kleinjung und Katharina Mack die Zähne aus. Da schien es, als würde die Ex-Kirchhoferin Andrea Mertens mit ihren Toren (allein fünf zum 15:10 zur Pause) spielentscheidend auftrumpfen. Und als sich dann Christin Kühlborn beim Stand von 18:22 (44.) mit schmerzverzerrtem Gesicht das Knie hielt, war die Moral auf eine harte Probe gestellt.

Doch die Kapitänin kam zurück - und mit ihr ihr Team. „Wir haben das Ding im Kollektiv gewonnen“, sagte sie voller Stolz und gab in puncto Verletzung sogleich Entwarnung. Den Startschuss zur erfolgreichen Aufholjagd hatte die treffsichere Nagy zum 21:24 gegeben (50.).

Kühlborn via Abpraller, Laura Nolte mit zwei Tempogegenstößen, Kim Mai und abermals Nagy läuteten die Wende zum 26:24 ein (54.). Mit zwei Mega-Paraden gegen Mertens sicherte Karina Morf schließlich den Sieg. Der führte zu einem Freudentänzchen von Managerin Renate Denk zu den Klängen von Andreas Bouranis „Ein Hoch auf uns“. • Kirchhof: Küllmer (2 P./7 GT), Morf 11/20) - Bänfer, Priolli 2, Nagy 10, Nolte 4, S. Kühlborn 2, C. Kühlborn 4, Wäscher, Berz 4, Mai 2. Mainz: Pavic (n.e.), Wenselowski (n.e.), von Gilgenheimb (10/28) - Hollerbach 1, Quetsch, Gärtner 3, Klug, Schuhknecht 7, Mack 2/1, Platen, Mertens 7, Chwalek 7/1, Kleinjung. SR: Kruska/Lange (Berlin). - Z.: 550. Siebenmeter: 0:2/2. - Zeitstrafen: 8:2 Minuten.

Von Sebastian Schmidt

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