Eine Auszeit, die richtig weh tut

Kirchhofs Rechtsaußen Laura Nolte zieht‘s nach Gießen

In typischer Jubelpose: Laura Nolte dreht nach einem erfolgreich abgeschlossenen Tempogegenstoß ab. Zumindest in der nächsten Saison müssen die SG-Fans auf dieses Bild verzichten. Foto: Kasiewicz

Kirchhof. Bis Mittwoch dieser Woche herrschte bei der SG 09 Kirchhof eitel Sonnenschein. Dann flossen Tränen, wurde das Glück angesichts des sportlichen Höhenfluges des Aufsteigers in der 2. Handball-Bundesliga getrübt. Der Grund: Laura Nolte, eine der Erfolgsgarantinnen, wird den Verein verlassen. Und teilte das emotionsgeladen ihren Mitspielerinnen vor der Partie bei der TG Nürtingen (heute 19.30 Uhr) mit.

„Das tut schon weh“, sagt die 24-Jährige über eine Entscheidung, „die mir sehr, sehr schwer fällt.“ Doch sie steht. Hat berufliche und private Gründe. Nach ihrem ersten Staatsexamen an der Universität Kassel möchte die angehende Lehrerin ein Aufbaustudium in Gießen machen. Mit dem Ziel später auch an Förderschulen unterrichten zu können. Ein eingeschränktes Trainingsprogramm, um nach Kirchhof pendeln zu können, kommt für sie nicht in Frage: „Da wäre ich nicht 100 Prozent bei der Mannschaft und halbe Sachen mache ich nicht.“ Typisch für eine, die sich immer voll für ihr Team eingesetzt hat, immer voranging, immer versuchte, ihre Mitspielerinnen mitzureißen.

Und dann ist da noch der Wunsch, mal das Leben einer „normalen Studentin“ zu führen, dessen Leben nicht vom Handball strukturiert wird. Allerdings verbunden mit der Unsicherheit, „ob ich das überhaupt kann und die Mannschaft nicht zu sehr vermisse.“ Drum ist es auch kein definitiver Abschied, bleibt für sie, so verspricht Christian Denk, ein Platz im Kader frei. Denn: „Wir haben ihr viel zu verdanken.“

Der SG-Coach weiß um den erheblichen Anteil der Kapitänin an der aktuellen Erfolgsserie. Die wirbelt seit Wochen als Rechtshänderin auf Rechtsaußen für die verletzte Karolina Bijan („Ich weiß manchmal selbst nicht, wie ich von dieser Position die Bälle immer wieder ins Tor kriege“), ist dank ihrer Schnelligkeit an fast jedem Kirchhofer Tempogegenstoß beteiligt und ein wichtiger Baustein im variablen Angriffssystem des Neulings.

Der Lohn: Es zeichnet sich zum ersten Mal für sie und ihre Mannschaft der Klassenerhalt in der 2. Liga ab, nachdem zuvor zweimal dem Auf- prompt der Abstieg folgte. „Meine bisher tollste Saison“, schwärmt die Flügelspielerin, für die da „etwas Großes gewachsen ist, das noch größer werden kann.“

Was den Zeitpunkt der Auszeit natürlich noch ungünstiger macht. Die will Laura Nolte nach ihren Mannschaftskameradinnen auch den eigenen Fans erklären, wozu sie das letzte Heimspiel am 12. Mai gegen Berlin auserkoren hat. Ihre Abschiedsrede hat sie schon viele Male durchgekaut. Und jedes Mal gelitten.

Von Ralf Ohm

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