2. Handball-Bundesliga: SG 09 deklassiert den Tabellenfünften TVB – nur sieben Gegentreffer in 33 Minuten

Eine Kirchhöfer Gala mit Ansage

Einfach nur zum Schreien: Torfrau Frederikke Siggaard und die SG 09 Kirchhof ließen gegen Beyeröhde keine Wünsche offen.

Melsungen. Langsam wird die Melsunger Stadtsporthalle zu einer Festung für die Handballerinnen der SG 09 Kirchhof. Der Neuling hat den sechsten Heimsieg aus den jüngsten neun Duellen in der 2. Bundesliga gefeiert. Entscheidend auf den Weg gebracht wurde das 32:23 (14:9) gegen den TV Beyeröhde allerdings nicht auf der Platte.

Im Vergleich zweier ersatzgeschwächter Teams hatte Kirchhof zunächst Probleme mit der offensiven 3:2:1-Deckung der Wuppertalerinnen, musste häufig ins Zeitspiel. Das trieb Christian Denk zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. Nachdem sich die SG 09 zweimal auskontern ließ und 1:3 zurücklag, nahm der Trainer Danique Boonkamp, die in der Regel keine Sekunde verpasst, vom Feld. Keine sechs Minuten waren da gespielt. Und das vor den Augen ihrer Familie, die aus den Niederlanden angereist war.

Sieben Minuten musste die Spielmacherin auf der Bank schmoren, wurde bis zum 5:6 von Paulina Muchocka vertreten – um sich mit Wut im Bauch und einem Kracher zum Ausgleich zurückzumelden. Was der Coach gesagt hat? „Dass ich nur Scheiße baue und mich erstmals sammeln soll. Das hat mir gutgetan“, gab die 21-Jährige unverblümt zu.

Und ließ weitere Taten folgen. Zum einen, weil Boonkamp fortan Schwerstarbeit im Mittelblock mit der überragenden Diana Sabljak leistete. Zum anderen, weil sie den Gästen in einer Szene zeigte, dass sie mit ihr auch im Angriff nicht gut Kirschen essen ist. Im Zweikampf mit Pia Adams, keiner Geringeren als Beyeröhdes Abwehrchefin, hatte sie eigentlich keine gute Position. Doch Boonkamp blockte ihre Gegnerin mit einer geschickten Drehung fair zu Boden und schweißte den Ball zum 9:8 in die Maschen (18.). Das saß.

Damit hatte Kirchhof die Partie gedreht und kam ins Rollen. „Wir waren im Flow“, frohlockte die „geläuterte“ Spielmacherin. TVB-Torhüterin Jennifer Weste musste hilflos zusehen, wie Boonkamp (2) und Sabljak ihr die Bälle nur so um die Ohren hauten. Konsequenz Beyeröhdes? Eine defensivere Deckung. War der SG auch egal, weil nun Leona Svirakova auf den Plan trat, Laura Nolte einen Treffer auflegte und selbst traf. Das machte in der Summe einen 7:0-Lauf und 15 Minuten keinen Gegentreffer.

„Wir haben eine bärenstarke Mannschaft deklassiert.“

Berthold Denk, Teammanager

„Wir haben eine bärenstarke Mannschaft deklassiert“, kam SG-Teammanager Berthold Denk aus dem Staunen nicht heraus. Die Grün-Weißen machten nach der Pause einfach da weiter, wo sie aufgehört hatten. Eine Antwort auf eine phasenweise 6:0-Abwehr hieß Franziska Ringleb, die sich drei Würfe aus der zweiten Reihe nahm – und dreimal unwiderstehlich erfolgreich war. Dem stand Diana Sabljak quotentechnisch nicht nach, traf beständig und ist mit insgesamt 156 Treffern eine ganz heiße Kandidatin auf die Torjägerkanone. Im Tor wuchs Frederikke Siggaard über sich hinaus. Bis zum 27:15 (48., Sabljak) kassierte sie in 33 Minuten nur sieben Treffer. Die Dänin setzte unter ihre tadellose Vorstellung zwei Ausrufezeichen. Mit einem gehaltenen Siebenmeter gegen Ramona Ruthenbeck und mit einer Harpune, die Christin Kühlborn zum 30:19 veredelte (54.).

„Kirchhof hat unsere Fehler eiskalt bestraft. Nach zehn Minuten haben wir unseren Plan weggeworfen“, haderte TVB-Coach Martin Schwarzwald. Das war exakt dann, als Danique Boonkamp die harte Ansage ihres Trainers zu einer Galavorstellung motivierte.

Von Sebastian Schmidt

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