2. Liga: SG-Trainer Denk dreht mit famosen Schachzug Partie zum 30:29-Sieg

„In der Not geht alles“

Eine strahlende Siegerin: Christin Kühlborn, die die Wende in der Schlussphase für Kirchhof herbei geführt hatte. Foto: Kasiewicz

Melsungen. Nach 50 Minuten war guter Rat teuer. Christian Denk hatte ihn. Als beim 26:28 seiner Mannschaft die 19. Saisonniederlage und damit wohl das endgültige „Aus“ im Abstiegskampf der 2. Handball-Bundesliga drohte, nahm der Trainer der SG 09 Kirchhof eine Auszeit und ordnete zwei Maßnahmen an, mit denen er gegen Mitaufsteiger Nürtingen die Wende erzwang.

„Das beste, was wir machen konnten“, sagte Rückraumspielerin Blase. Gemeint war die Pressdeckung für TG-Torjägerin Verena Breidert, die den bis dahin recht souveränen Gast plötzlich führungslos machte. Und die Versetzung von Linksaußen Christin Kühlborn auf die Spielmacherposition. Denn die füllte das Energiebündel in der Schlussphase derart dynamisch aus, dass sich entweder Lücken für die Nebenleute Izabella Nagy und Marieke Blase ergaben, die diese effektvoll zu nutzen wussten, oder sie sich selbst unwiderstehlich durchtankte. Die Folge: Die Gastgeberinnen drehten die Partie und schöpfen nach dem 30:29 (15:15)-Erfolg wieder Hoffnung im Abstiegskampf.

„In der Not geht alles“, erklärte die Protagonistin der „zehn optimalen Minuten“ (Trainer Denk). Die anderen 50 waren es nicht (ganz), glichen einer Achterbahnfahrt mit hohem Risikopotenzial. Da hatten die Kirchhoferinnen nach 14 Minuten und sehr schleppendem Start dank Morfs Paraden endlich ins Spiel gefunden (7:5), um prompt die Initiative wieder abzugeben. Es folgte ein 0:5-Lauf, wobei die quirligen Nürtingerinnen jeden Fehlversuch im SG-Angriff mit einem erfolgreichen Tempogegenstoß beantworteten. Danach drehte dann auch Kreisläuferin Delia Cleve immer mehr auf und erhöhte nach 24 Minuten gar auf 13:9.

„Wir waren besonders in der Abwehr aufgrund des großen Drucks schon etwas gehemmt“, fand Christin Kühlborn eine plausible Erklärung für die ungewohnten Löcher in der 6:0-Deckung. Konnte aber auch stolz vermelden, „dass wir uns dank unseres Kampfgeistes wieder aus diesen Situationen herausgeholt haben.“ Und so nach einem eigenen 4:0-Lauf bis zur Pause gleichziehen konnten.

Furiose Schlussphase

Über Blases Treffer zur 20:19-Führung (40.) konnten sich die Gastgeberinnen nur kurz freuen, denn Nürtingen konterte zum 20:23 (46.). Kirchhof, erstmals seit Wochen in Bestbesetzung, ließ sich nicht abschütteln, kam aber auch nicht entscheidend ran. Bis Christian Denk zwei famose Ideen hatte. Und seine Schützlinge sie optimal umsetzten.

Ein Sieg, der gleich drei Funktionen erfüllte: die Wiedergutmachung für die 23:41-Schlappe in Beyeröhde, der Beweis, „dass wir auch enge Spiel gewinnen können“ (Blase) und ein Lebenszeichen im Abstiegskampf, der Fernkonkurrent Trier unter Druck setzt. Dem dieser allerdings anschließend (30:22 gegen Mainz 05/Budenheim) erst einmal standhielt. • Kirchhof: Morf (11 Paraden, 25 Gegentore), Küllmer (37.-47., 4/4); S. Kühlborn, Puskar, Priolli 3, Nagy 8/1, Nolte 3, Bänfer, Chr.Kühlborn 6, Wäscher, Maarse, Berz, Blase 8/1, Mai 2. Nürtingen: Grabowski (17/30), Hesel (n.e.); Kunicke 2, Stockhorst, Jan 2, Wieder 3, Cleve 6, Breidert 10/3, Molner 2, Quattlender, Oeder, Bauer 4, Szücs. SR: Dedens/Geckert. Z: 300. Zeitstrafen: 6:4-Minuten. Siebenmeter: 2/2:5/3.

Von Ralf Ohm

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