2. Bundesliga: Caillat-Team verliert Faden nach 16:9-Vorsprung gegen Mainz 05

Kirchhof verschenkt Sieg

Der Moment, in dem Kirchhof verloren hatte: Izabella Nagy scheiterte per Siebenmeter nach dem Abpfiff an der starken Torfrau Hellen Trodler. Der Jubel der Mainzerinnen nach einem lange nicht für möglich gehaltenen Sieg kannte keine Grenzen. Foto: Kasiewicz

Melsungen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Dem offiziellen Song zur Handball-WM der Männer 2007 haben die Spielerinnen der SG 09 Kirchhof eine eigene Note gegeben. Denn nach der unnötigen 21:22 (10:7)-Niederlage gegen die FSG Mainz 05/Budenheim muss die Frage erlaubt sein: Gegen wen will der Neuling in der 2. Bundesliga eigentlich noch gewinnen?

„Uns fehlt einfach die Erfahrung, den Sack zuzumachen. Der Kopf spielt leider nach den vielen Negativerlebnissen eine immer größere Rolle“, sagte Christian Caillat. Kirchhofs Trainer hatte lange Zeit den vielleicht stärksten Auftritt seiner Defensive in dieser Serie gesehen. Im Mittelblock packten Rafhaela Priolli und Marieke Blase herzhaft zu, daneben störten Kim Mai, Laura Nolte und Christin Kühlborn die Kreise des Gegners. Und vor allem: Torfrau Karina Morf erwischte einen Sahnetag, zeigte allein im ersten Durchgang sechs Paraden der Extraklasse, als sie per Fuß reaktionsschnell war und sich den Mainzerinnen selbstbewusst in Eins-zu-eins-Situationen entgegen stellte.

Die Folge: Über 4:1 (9.) und 7:4 (22.) lag die SG 09 zur Halbzeit mit 10:7 vorn. Mit dem Manko, dass sich die Grün-Weißen im Angriff mehrere leichte Fangfehler leisteten. Wohl den zuvor zehn Niederlagen in zwölf Partien geschuldet und ein Grund, warum das Caillat-Team nicht klarer führte. Das holte es binnen vier Minuten nach dem Wechsel nach. Blase (2), Kühlborn und Nolte sorgten beim zwischenzeitlichen 14:7 (34.) für den deutlichsten Vorsprung seit dem Wiederaufstieg.

„So wie wir gespielt haben, hatten wir es nicht verdient, zu gewinnen. Kirchhof war in vielen Phasen besser“, gab Mainz-Trainer Thomas Zeitz zu. Um nachzulegen: „Aber wer nach sieben Toren Rückstand zurückkommt, darf dann eben einen ganz dreckigen Sieg feiern.“ Nachdem Kühlborn gedankenschnell einen Abpraller zum 16:9 genutzt hatte (37.), nahm Zeitz eine Auszeit.

Rechtzeitig für die Meenzer Dynamites, um an den entscheidenden Stellschrauben zu drehen. Die Halblinke Maxine-Luise Schmohl trug fortan nicht nur zur Aufholjagd mit Toren bei, sondern wich Blase in der 5:1-Deckung nicht mehr von der Seite. Ins Tor kehrte Hellen Trodler zurück und nagelte den Kasten in der Schlussphase zu. Zudem war kein Kraut gegen Siebenmeterspezialistin Claudia Schückler gewachsen, die alle ihre fünf Versuche verwandelte. Passend zur Situation waren zwei davon „Geschenke“ der Unparteiischen, was den Neuling zusätzlich aus dem Konzept brachte.

Spatz trifft Ex-Klub ins Mark

Nach dem 17:14 (44.) und Zwischenhoch zum 21:16 (50.) gelang den Gastgeberinnen nichts mehr. Kirchhof verkrampfte, schloss kaum noch ab. Das tat auf der Gegenseite ungleich erfolgreicher Ex-Spielerin Laura Spatz, deren vierter Treffer die Wende zum 22:21 war (57.). Immerhin zum Remis hätte die SG 09 noch kommen können. Nach dem Schlusspfiff gab’s einen Siebenmeter, bei dem Izabella Nagy an Trodler scheiterte. „Es tut mir im Herzen leid für die Mädels“, haderte Christian Caillat nach zwei völlig verschenkten Punkten.

Von Sebastian Schmidt

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