Zwischenbilanz 2. Liga: Aufstiegsteam hat sich gesteigert

Noch ist die SG 09 Kirchhof im grünen Bereich

Da kommt Freude auf: Kapitänin Christin Kühlborn wird nach der WM-Pause zurück im Team der SG 09 erwartet. Foto: Kasiewicz

Kirchhof. Zehn von 28 Spieltagen sind in der 2. Handball-Bundesliga absolviert. Als Tabellen-13. liegt Aufsteiger SG 09 Kirchhof vor der Pause wegen der Weltmeisterschaft noch im grünen Bereich. Das Ziel Klassenerhalt ist möglich, die Situation nach 5:15-Zählern angesichts starker Konkurrenz trügerisch.

„Bei den Heimspielen sind wir im Soll. Auswärts haben wir ein, zwei Punkte zu wenig“, sagt Coach Christian Denk – vor allem mit Blick auf die 32:35-Niederlage in Trier. Eine Bestandsaufnahme, ehe am 30. Dezember das Kellerduell mit der HSG Hannover-Badenstedt in der Stadtsporthalle lockt.

Das Aufstiegsteam

Diejenigen, die den Wiederaufstieg möglich machten, sind in der Klasse angekommen. Überragend nicht nur, weil sie mit 83 Treffern die Torjägerliste anführt, ist Diana Sabljak. Die Kroatin gewinnt im Angriff Zweikämpfe, die andere gar nicht erst führen würden. Und verteidigt stets 60 Minuten vorbildlich. „Bis auf Trier hat unsere Leistung gestimmt. Die Köpfe gehen immer nach oben“, lobt sie derweil ihre Teamkolleginnen. Angesprochen fühlen dürfen sich in erster Linie Dionne Visser, Danique Boonkamp und Kim Mai. Eigengewächs Mai ist in der offensiven 6:0-Deckung ebenso wie Visser gesetzt, die sich wie Landsmännin Boonkamp gesteigert hat. Dauerbrennerin Laura Nolte hat ihren Stammplatz auf Rechtsaußen zwar an Karolina Bijan verloren, dafür aber auf links Treffsicherheit bewiesen.

Die Kapitänin

Christin Kühlborn ist der Pechvogel aus SG-Sicht. Am dritten Spieltag zog sich die Kapitänin in der Partie bei Sachsen Zwickau einen doppelten Handbruch zu. Nach 171 Spielen in Serie seit 2011 fehlte sie ihrem Heimatverein vor allem als Persönlichkeit und durch nimmermüden Einsatz in der Deckung. Zur Partie gegen Hannover wird die 24-Jährige zurückerwartet – und dringend gebraucht.

Banger Blick: Paulina Muchocka hat die Erwartungen in Kirchhof bislang nicht ansatzweise erfüllt. Foto: Kasiewicz

Die Konkurrenten

„Das Niveau ist verdammt hoch. In jedem Spiel entscheiden Kleinigkeiten und wir müssen immer an unsere Grenzen gehen“, weiß Coach Denk. Der HCD Gröbenzell (1:15-Punkte) dürfte sich kaum retten können. Dazu sind die finanziellen Mittel des Mit-Aufsteigers wohl zu gering. Ein Beleg: Während seit Jahren alle Gegner mit Bussen nach Melsungen anreisen, kamen die Oberbayern per Zug. Etwas enteilt sind Kirchhof alle Teams zwischen dem Tabellendritten FSG Waiblingen-Korb (11:7) und dem anderen Neuling Füchse Berlin (10:10), der zuletzt drei Siege in Serie feierte.

Neben DJK/MJC Trier (8:8), Hannover-Badenstedt (8:10), das von der Insolvenz von Nachbar Celle profitierte und mit Natasha Ahrend, Lareen Gräser sowie Tina Wagenlader drei Nachverpflichtungen tätigen konnte, und TG Nürtingen (7:11) muss die SG 09 vor allem Sachsen Zwickau fürchten. Das Team um die Ex-Bad Wildungerinnen Nadja Bolze und Petra Nagy wirkt nach dem Rücktritt von Coach Marko Brezic stärker und galt vor der Runde als Kandidat für die vorderen Plätze.

Die fehlende Breite

Fast alle knappen Spiele hat Kirchhof in den Schlussminuten verloren. Das liegt daran, dass es dem Team an Breite mangelt. Ein Grund ist, dass der Königstransfer ein Fehleinkauf ist. „Uns fehlen Varianten. Das war anders geplant und das nehme ich auf meine Kappe“, sagt Coach Denk. Paulina Muchocka sollte das junge Team leiten. Bislang ist die Polin selbst bei Kurzeinsätzen nicht stark genug. Wohl auch, weil sie durch kleinere Verletzungen zurückgeworfen wurde. Immerhin: Dafür sprang Danique Boonkamp auf der Mitte in die Bresche und beweist Führungsstärke.

Die Erwartungen erfüllt von den Neuen haben die technisch versierte Rechtsaußen Bijan und die trickreiche Rückraumspielerin Leona Svirakova, die mehr Spielanteile als angenommen hat. Geduld ist bei der nachverpflichteten Franziska Ringleb gefragt, deren Würfe aus der zweiten Reihe gegen defensive Abwehrreihen gebraucht werden.

Das zweite Manko

Nur einmal, beim 25:20 gegen Nürtingen, hat Katarzyna Demianczuk gezeigt, warum sie als Nummer Eins verpflichtet wurde. „Als Typ tut sie uns gut. Allerdings haben wir leider oft die Torhüter-Duelle verloren“, weiß Denk. Ein Nebenaspekt: Darunter leidet eine Stärke aus der Aufstiegssaison. Kirchhof hat viele Spielerinnen, die gnadenlos Tempogegenstöße verwerten können. Das ist trotz 285 Toren – den meisten aller Teams – nun kein Faktor.

„Die erste Welle ist eine Frage des Selbstvertrauens. Da haben wir Nachholbedarf“, weiß der Coach, der bis zum 15. Dezember trainieren lässt und nach der Weihnachtspause ohne weitere Tests mit seinem Team bei vier Heimspielen in fünf Partien den Grundstein zum Klassenerhalt legen möchte.

Von Sebastian Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.