Mini-Kader der SG zieht sich beim 23:30 gegen Weiberns Starensemble gut aus der Affäre

Publikum feiert Verlierer

Hatte im personell arg geschwächten Kirchhofer Rückraum einen schweren Stand: Neuzugang Izabella Nagy (l.), die sich hier gegen Lenka Hradilova (Weibern) durchsetzt. Foto: Kasiewicz

Melsungen. Selten ist die Kirchhofer Mannschaft nach einem 12:16-Halbzeitrückstand mit solchen Lobeshymnen in die Kabine begleitet worden. „Super“ und „klasse“ schallte es von den Rängen der Melsunger Stadtsporthalle.

Der Daumen blieb oben. Mit stehend dargebrachten Ovationen wurde der Zweitliga-Aufsteiger nämlich nach 60 Minuten verabschiedet, die 23:30-Niederlage gegen die Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern wie ein moralischer Sieg gefeiert. „Wir haben es geschafft, den Favoriten zu ärgern“, stellte SG-Trainer Caillat nicht ohne Stolz fest.

Mit einem Mini-Kader, der nach den Ausfällen von Rica Wäscher und Rafhaela Priolli (beide verletzt) kurzfristig auch noch auf Marieke Blase verzichten musste, die der Thüringer HC bei seinem Erstliga-Gastspiel in Oldenburg (31:31) benötigte. Also blieben Christian Caillat nur noch zwei Aufbauspielerinnen, musste Linksaußen Christin Kühlborn im rechten Rückraum aushelfen.

Kleine Erfolge

Der Franzose und seine Schützlinge machten das beste daraus. Die spielten frech und frei auf, kompensierten die erwarteten Abschluss-Schwächen durch fleißige Defensivarbeit und ein äußerst intelligentes Rückzugsverhalten. So wurde Weiberns zweite Welle unterbrochen und eigene Ballgewinnen zu blitzschnellen Tempogegenstößen umgemünzt. Leichte Tore (sieben von zwölf in der ersten Hälfte) gegen Odrowskas und Ringlebs „Geschosse“ aus dem Rückraum oder Vargas traumhaft verwandelte Würfe von Außen - das war das Rezept, um das osteuropäischen Starensemble nicht schon frühzeitig davon ziehen zu lassen.

Und als Izabella Nagy auch noch für Minuten in den Genuss einer engen Deckung kam, wusste Kim Mai die sich bietenden Räume entschlossen zu nutzen. Zur Freude der 300 Zuschauer, deren Begeisterung, so die Kreisläuferin, sich nach dem Wechsel auch auf die Mannschaft übertrug.

Es war die Halbzeit der kleinen Erfolge. Etwa, als die Gastgeberinnen beim 17:23 (43.) eine Unterzahl dank Morfs Paraden ohne Gegentor überstanden. Oder als nach drei Kirchhofer Treffern in Folge (durch Sharelle Maarse, Izabella Nagy und Laura Nolte) zum 20:24 (51.) plötzlich ein Hauch von Spannung durch die Halle wehte. Und Gäste-Trainer Caslav Dincic zu einer Auszeit mit lautstarker Ansprache genötigt wurde.

Sie wirkte, weil sich seine bärenstarken Individualistinnen - allen voran Linksaußen Varga - in der Schlussphase nicht lumpen ließen. Trotzdem galt die Anerkennung des Publikums eher dem tapferen Verlierer. • Kirchhof: Morf (30 Gegentore/14 Paraden), Küllmer (n.e.); Berz 3, Teichmann, Werner, Ulrich, Nolte 5, Kühlborn 2/1, Nagy 5, Grothnes, Maarse 2, Mai 6/3. Weibern: Grob (22/9), Gerken (bei einem 7m, 1/0); Ingenpaß 7/2, Schmidt, Sabljak, Varga 10, Hradilova, Einarsdottir 1, Odrowska 4, Adamkova, Ringleb 4, Stockhammer. SR: O. Frankholz/Ph. Frankholz. Siebenmeter: 6/4:2/2. Zeitstrafen: 2:4-Minuten.

Von Ralf Ohm

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