2. Liga: SG geht im Aufsteigerduell unter – nach 10:8-Führung im Angriff von der Rolle

Stromausfall bei Kirchhof

Zwei gegen eine: Nur in der Anfangsphase konnte sich Johanna Stockschläder (Mitte), hier gegen die Bemerinnen Alina Schneider (l.) und Nele Osterthun, so vielversprechend durchsetzen. Foto: Kasiewicz

Melsungen. Wenn bereits nach 37 Minuten auf der gegnerischen Bank die ersten Siegerfäuste gegen Hallendecke gereckt werden. Wenn ein Trainer (Christian Caillat) in seinem schon fast verzweifelten Bemühen um Schadensbegrenzung innerhalb von 120 Sekunden zwei Auszeiten nimmt. Wenn eine längst resignierende Mannschaft selbst bei Sechs gegen Drei ein Tor (durch Alina Schneider zum 15:24) kassiert, ja dann sind das alles Indizien dafür, dass ein Spiel auf (erwarteter) Augenhöhe längst zu einer einseitigen Partie mutiert ist. Genauso gestaltete sich das Aufsteiger-Duell zwischen der SG 09 Kirchhof und dem SV Werder Bremen, wobei der heimische Zweitligist eine bittere 23:32 (10:13)-Pleite hinnehmen musste.

„Unsere schwächste Saisonleistung“, gestand ein konsternierter SG-Trainer Caillat, der über die Gründe der 25 technischen Fehler und dem Versagen seiner Offensive auch nur mutmaßen konnte: „Gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf können wir offenbar nicht befreit aufspielen.“ Das gelang, in Ansätzen, nur in den ersten 22 Minuten. Da keimte die Hoffnung auf den ersten Saisonsieg, weil es den Gastgeberinnen gelungen war, aus einem 3:5-Rückstand eine 10:8-Führung zu machen.

Und weil im Kirchhofer Positionsangriff noch so etwas wie eine Struktur erkennbar war, wenn Johanna Stockschläder im Rückraum das Spiel schnell und breit machte und auf diese Weise über Außen die Schwäche aus der zweiten Reihe kompensiert wurde. Außerdem hatte auch der eigene Tempogegenstoßexpress dank einiger Paraden von Torfrau Morf zwischenzeitlich Fahrt aufgenommen.

Ausgerechnet in Überzahl war‘s mit dieser Herrlichkeit vorbei. So abrupt wie ein „Stromausfall“ (Christian Caillat), den die SG nicht mehr zu reparieren wusste. Nagy, Blase und Co. warfen Werder-Torfrau Charlotte Schuhmacher warm oder prallten mit ihren Wurfversuchen am Bremer Mittelblock ab. Das nervte und führte zu unerklärlichen Fehlpässen bereits im Aufbauspiel.

Die Gäste bedankten sich und konterten den Kontrahenten gnadenlos aus. Am Ende gingen fast die Hälfte ihrer Treffer auf das Konto ihrer unwiderstehlichen ersten und zweiten Welle. Das führte zu einem Bremer 5:0-Lauf bis zur Pause, ehe sie zwischen der 36. und 42. Minute uneinholbar von 17:12 auf 23:12 erhöhten.

Mittlerweile war auch die Kirchhofer Abwehr insbesondere gegen Linkshänderin Marilena Niemann und Spielmacherin Rabea Neßlage heillos überfordert. Ausnahme Karina Morf, die eine noch höhere Niederlage ihrer Mannschaft verhinderte.

„Wir haben zunächst versucht, den Kirchhofer Rückraum in den Griff zu bekommen und dann auch nach vorne richtig Gas gegeben“, beschrieb Werder-Coach Patrice Giron seinen Matchplan, der voll aufgegangen war. Derweil wird sein Kollege wohl noch einige Zeit über die Frage brüten müssen, wer und wie seinen Schützlingen den Saft abgestellt hat. • Kirchhof: Morf (31 Gegentore/15 Paraden), Küllmer (bei einem 7m, 1/0); Stockschläder 1, Priolli, Nagy 2, Nolte 5, Kühlborn 8, Maarse 1, Blase 2/1, Ulrich, Mai 4. Bremen: Anschütz (ab 53., 3/2), Schuhmacher (19/16), Meyer (bei einem 7m, 1/0); Schneider 3, Friedrich 4, Janssens 1, Neßlage 6/3, Osterthun 2, Heidorn, Börsen 4, Barger 2, Niemann 6, Otto 6. SR: Baganz/Donat. Z: 300. Siebenmeter: 5/4:3/3. Zeitstrafen: 10:12-Minuten.

Von Ralf Ohm

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