2. Liga: SG 09 gibt toll herausgespielten Vorsprung gegen Nellingen noch aus der Hand

Lob als Trost nach 30:31

Gegensätze: Hier dreht Laura Nolte noch jubelnd nach einem erfolgreichen Tempogegenstoß ab, nach der Partie war die Rechtsaußenangesichts der unglücklichen Kirchhofer Niederlage untröstlich. Foto: Kasiewicz

Melsungen. Die Kunst des Gewinnens besteht darin, einen Vorsprung im Laufe einer Partie heraus zu spielen und ihn über die Zeit zu retten. Das eine gelang der SG 09 Kirchhof auf wundersame, ja beeindruckende Art und Weise, das andere unter höchst unglücklichen Umständen nicht ganz. Die Konsequenz: eine 30:31 (20:15)-Niederlage des heimischen Zweitliga-Aufsteigers gegen den Tabellenzweiten TV Nellingen.

„Das schmerzt“, trauerte SG-Rechtsaußen Nolte mit Tränen in den Augen einer durchaus möglichen Überraschung nach. Also war ihr Trainer Christian Denk - selbst zutiefst geknickt - erstmal als Tröster gefragt. Und kam dieser Pflicht mit einem Lob nach, dass ihm „trotz dieser bitteren Niederlage“ durchaus überzeugend über die Lippen kam: „Das, was wir phasenweise gespielt haben, war schon nah am Maximum.“

Gemeint war die erste Halbzeit. Und ganz besonders ein 7:0-Lauf zwischen der 23. und 28. Minute, der den Gastgeberinnen einen 19:13-Vorsprung bescherte. „Da hat fast alles geklappt“ (Denk). Da mutierte die eigene 6:0-Deckung zur undurchlässigen Mauer, hinter der sich Torfrau Morf mehrfach auszeichnen konnte. Da flogen Lisa-Marie Berz und Laura Nolte ihre unwiderstehlichen Tempogegenstöße. Da stießen Rafhaela Priolli und Kim Mai in die Deckung der verdutzten Gäste. Genau in dem Moment, als die dank ihrer starken Individualisten nach der ersten Führung (12:11 nach 20 Minuten) das Kommando zu übernehmen schienen. Doch der Neuling wehrte sich. Und - mehr noch - hatte eine Antwort, die den Favoriten in Verlegenheit brachte.

„Wir hatten auf einmal überhaupt keinen Zugriff mehr“, wunderte sich TVN-Coach Morgant. Schöpfte aber Morgenluft, als SG-Abwehrchefin Rafhaela Priolli nach 37 Minuten ihre dritte Zeitstrafe kassierte und auf die Tribüne musste. Geschickt eingefädelt von den abgezockten Gästen, denn eigentlich sollte die rot-gefährdete Linkshänderin nur noch im Angriff ran, wurde dann aber durch die Nellinger zweite Welle nach hinten gelockt und tappte in die Falle.

Zwar führte Kirchhof zu diesem Zeitpunkt noch mit 24:18, doch das war letztlich ein zu dünnes Polster. Mit der engen Deckung für Izabella Nagy gab Pascal Morgant dem bereits arg dezimierten Kirchhofer Rückraum den Rest, während die überragenden Desire Kolasinac und Annika Blanke zur Aufholjagd bliesen. Die in den letzten drei Minuten die eingewechselte Torfrau Anne Bocka krönte, als sie reaktionsschnell zweimal gegen Berz und einmal gegen Nolte parierte, ehe Sina Namat 13 Sekunden vor Schluss der Siegtreffer gelang.

„Da haben uns die Nerven geflattert“, gestand Laura Nolte. Immer noch untröstlich, denn die Huldigung ihres Trainers wie auch die Ovationen der eigenen Fans waren noch nicht so recht in ihr Bewusstsein gedrungen.

Von Ralf Ohm

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