Wiederaufstieg steht auf seiner Agenda

Kirchhofs Trainer Christian Denk im HNA-Interview

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Zu Gast in der HNA-Sportredaktion: Kirchhofs Trainer Christian Denk. 

Kirchhof. Kirchhofs Trainer Christian Denk redet im HNA-Interview über den Abstieg aus der zweiten Liga und den Willen nach der nächsten Saison wieder aufzusteigen.

Er zählt zu den Aufsteigern der Saison, obwohl sein Team den Abstieg aus der 2. Handball-Bundesliga nicht verhindern konnte. Immerhin hat Christian Denk, der nach 14 Spieltagen bei der SG 09 Kirchhof Christian Caillat ablöste und damit vom Co- zum Cheftrainer aufstieg, die Mannschaft besser und erfolgreicher gemacht. Kein Wunder also, dass er das Vertrauen des Vereins auch in der kommenden Saison genießt, in der der Wiederaufstieg auf seiner Agenda steht. Das und einiges mehr offenbarte der 32-Jährige im HNA-Interview.

Letzter Platz, 12:48-Punkte bei nur fünf Siegen in 30 Spielen - ein Desaster für die SG oder eine prickelnde und lehrreiche Erfahrung?

Christian Denk: Beides. Von Ausbeute her war das enttäuschend. Ich hielt vor der Saison 20 Punkte für realistisch, doch dieses Ziel haben wir klar verfehlt. Immerhin: In Rückrunde konnten wir uns erheblich steigern, haben durch gute Leistungen unser Publikum mitnehmen können und gezeigt, dass wir mithalten können oder zumindest nahe dran waren. Auf jeden Fall musste uns die Konkurrenz ernst nehmen.

Wie ärgerlich waren in dieser Phase einige knappe Niederlagen?

Denk: Die haben uns eher weiter gebracht, denn wir haben viel daraus gelernt und auch Motivation gezogen. Per Video haben wir uns die guten Szenen rausgesucht und darauf aufgebaut. Das hat gut geklappt, denn fast alle Spielerinnen haben sich weiterentwickelt. Beispiele sind Lisa-Marie Berz oder Izabella Nagy, die zu Beginn umstritten war und in der Rückrunde von vielen Clubs der 2. L:ga gejagt wurde.

Man muss sicherlich in eine vor und nach Denk-Zeit unterscheiden, denn zehn der 12 Punkte gehen auf Ihr Konto. Was haben Sie anders gemacht als Ihr Vorgänger?

Denk: Obwohl ich für einen Cheftrainer noch sehr jung und unerfahren bin, kenne ich die 2. Liga wie meine Westentasche, was der Mannschaft sicherlich zugute kam. Im Training habe ich die Belastung deutlich angehoben, es ging auf allen Ebenen mehr zur Sache. Das wurde von der Mannschaft gut angenommen.

Hat Sie Ihr Aufstieg überrascht? War er möglicherweise nur eine Notlösung, aus der nun eine Dauerlösung wurde?

Denk: Eigentlich war ich dazu nicht mehr bereit, weil der Wechsel relativ spät kam, so dass ich mich auf das Juniorteam konzentrieren wollte. Nach der Niederlage in Herrenberg bestand allerdings die Gefahr, dass die Mannschaft völlig auseinander brechen würde. Das galt es unbedingt zu verhindern. Dabei ging es nicht um meine Person, sondern nur um den Verein. Außerdem war ich davon überzeugt, dass das Team noch einige Punkte holen könnte.

Sie haben als „Co“ ja schon einige Chefs hinter sich. Wer hat Ihr eigenes Trainerprofil am meisten geschärft?

Denk: Auch als Spieler habe ich viele Trainer kommen und gehen sehen und beispielsweise Dieter Eckels emotionale Art, die sehr motivierend war, mitgenommen. Ansonsten hat mich Gernot Weiss am meisten geprägt. Wir haben heute noch ein freundschaftliches Verhältnis, so dass ich mich häufig an ihn wende.

Wie würden Sie Ihre eigene Spielphilosophie beschreiben?

Denk: Schnell und hart. Schnell bezieht sich auf ein explosives Umschaltspiel. Hart auf eine aggressive Abwehr, die den Gegner ständig unter Druck setzt.

Ihre Chefin in Kirchhof ist Ihre Mutter und es ist ja kein Geheimnis, dass der Verein zum größten Teil vom Engagement Ihrer Familie lebt. Sind derlei enge Bindungen ein Vorteil oder können sie auch hinderlich sein?

Denk: Sobald wir die Halle betreten, ist meine Mutter für mich nur noch Renate, da spielt die familiäre Bindung keine Rolle. Der Vorteil davon ist, dass wir uns bestens kennen, dass wir einen ganz kurzen Draht haben. Ein Nachteil ist, dass ich, wenn es schlecht läuft, schneller in Frage gestellt werde, wo ich aber drüber stehe.

Ist Ihre Mutter Ihnen bei Ihren Wünschen nach Verstärkungen für die kommende Saison entgegen gekommen?

Denk: Ich hatte klare Vorstellungen, wo wir uns verstärken wollten und wo wir auf eigene Leute bauen können. Davon konnte ich meine Mutter überzeugen. Im aktuellen Fall wollte ich genau die vier Spielerinnen, die ich auch bekommen habe. Wenn es nun noch etwas mit einer Torfrau wird ...

Die Verstärkungen - zwei holländische Junioren-Nationalspielerinnen und zwei zweitligaerfahrene Rückraumspielerinnen - lassen darauf schließen, dass die SG nach dem Abstieg wieder angreifen will.

Denk: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, wir wollen in der 3. Liga nur mitspielen. Natürlich wollen wir in die 2. Liga zurück. Wann das gelingt, weiß ich nicht.

Kann sich die SG 09 in Zukunft mal längerfristig in der 2. Liga etablieren? Wie könnte das gehen?

Denk: Dazu brauchen wir zunächst einmal ein gutes Fundament. Da wir uns mit unserem vergleichsweise niedrigen Etat keinen großen Kader leisten können, müssen wir bei Bedarf auf unsere jungen Spielerinnen zurückgreifen können, die sich langfristig auch im Team etablieren sollen. Weiterhin wäre eine erfahrene Spielerin wie Cristina Weiss oder Cristina Mihai, an der die Mitspielerinnen wachsen können, sehr hilfreich. Ganz wichtig ist aber auch der Übergang von der 3. in 2. Liga, der gut vorbereitet sein muss. Sonst ist der Sprung zu groß.

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