Interview mit Steffen Schmude über Realismus und Ziele

Abteilungsleiter von Germania Fritzlar: „Meister ja, Aufstieg nein“

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Spielt auch weiterhin in Liga drei: Fritzlars Johanna Fischer (Mitte), die sich gegen Marienbergs Marcela Splechtova (links) und Lucie Hribova durchsetzt.

Fritzlar. Am Sonntag (17 Uhr, König-Heinrich-Schule) kann der SV Germania Fritzlar den größten Erfolg in seiner 40-jährigen Vereinsgeschichte feiern. Die Handball-Drittligamannschaft von Trainer Frank Mai könnte mit einem Sieg gegen HC Leipzig II Meister werden.

Warum dieser Erfolg nicht mit dem Aufstieg gekrönt wird, erklärt Abteilungsleiter Steffen Schmude im Interview.

Herr Schmude, auf Facebook wird Ihnen schon viel Spaß in der 2. Liga gewünscht. Wie sieht denn der Spaß aus?

Steffen Schmude: Wir wollen auf jeden Fall Meister werden. Das ist unser Ziel. Den Aufstieg werden wir aber nicht wahrnehmen.

Warum nicht?

Schmude: Wir waren vor kurzem auf einer Veranstaltung des HBF (Anm. Handball Bundesliga Frauen), wo sich Vereine über die Lizenzierungsbedingungen zur 2. Liga informieren konnten. Danach haben wir uns mit Vorstand und Mannschaft besprochen und das Ergebnis ist, dass wir nicht aufsteigen können.

Was für Bedingungen fehlen konkret, um in der 2. Liga spielen zu können?

Schmude: Zum einen muss eine Bürgschaft in Höhe von 30 000 Euro hinterlegt werden. Das ist aber noch das geringere Problem. Denn alle Spielerinnen müssen bei der Berufsgenossenschaft angemeldet, also sozialversicherungspflichtig werden.

Und in Zahlen ausgedrückt?

Schmude: Wir müssten unseren Etat um 40 Prozent erhöhen, um die 2. Liga zu stemmen. Das ist nicht machbar.

Damit ist also die 2. Liga für immer für Fritzlar ausgeschlossen?

Schmude: Für diese Saison ja, für die nächste Saison wohl auch, aber das werden wir erst im Januar seriös beantworten können. Das hat auch zur Folge, dass uns potenzielle Neuzugänge eine Absage erteilen.

Aber Fritzlar hat doch eigentlich einen passenden Zweitliga-Standort. Mit seinen begeisterungsfähigen Fans sind die Handballerinnen doch schon jetzt das Aushängeschild der Stadt.

Schmude: So weit ist das richtig, wir haben einen der höchsten Zuschauerschnitte von allen Drittligisten. Aber es fängt doch schon bei den Hallenzeiten an. Unsere Mannschaft trainiert dreimal die Woche, muss sich davon aber zwei Zeiten mit der zweiten Mannschaft teilen. Wir benötigen also mindestens zusätzlich noch anderthalb Stunden mehr Hallenzeit. Die Großsporthalle der König-Heinrich-Schule erfüllt zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht die Hallenstandards einer 2. Liga. Aber mir ist noch ein anderer Punkt wichtig...

Erzählen Sie!

Schmude: Wenn wir aufsteigen, dann nur mit einer konkurrenzfähigen Mannschaft. Der Sprung in das halbprofessionelle Umfeld ist schon groß. Es bringt doch nichts, eine Fahrstuhlmannschaft zu werden.

Lassen Sie uns noch über die aktuelle Saison sprechen. Die Meisterschaft wäre der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Hatten Sie so einen Saisonverlauf mit der neuformierten Mannschaft erwartet?

Schmude: Erhofft schon, das war aber natürlich nicht so zu erwarten. Wir haben ja viel Erfahrung verloren und dafür einige junge Talente eingebaut. Die Entwicklung von Lena Dietrich, Lena Kerwin und Xenia Ahrend ist schon großartig.

Welchen Anteil hat Trainer Frank Mai am Erfolg? Bleibt er?

Schmude: Natürlich hat er einen großen Anteil am Erfolg. Er hat seinen Vertrag aber noch nicht verlängert.

Das ist aber ungewöhnlich.

Schmude: Wir befinden uns in Gesprächen.

Die Liga war in dieser Serie mit nur elf Teams nicht wirklich attraktiv zusammengestellt. Erhoffen Sie sich eine Ligen-Reform und wie könnte diese aussehen?

Schmude: Diese Serie war vom Spielmodus mit den langen Pausen in der Tat nicht wirklich attraktiv für Spielerinnen und Zuschauer. Die Wunschvorstellung wäre eine 14er-Liga. Ich gehe aber davon aus, dass wir auch in der nächsten Saison in der Ost-Staffel mit zwölf Teams spielen - und dann unseren Meistertitel verteidigen wollen.

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- Kommentar von Frank Ohm zur Aufstiegs-Chance

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